Römer begeistern alle
Im Gespräch mit Jürgen Enninger, seit Oktober 2020 Kulturreferent in Augsburg, versucht a3kultur Struktur in den gegenwärtigen Prozess rund um das Thema Römisches Museum zu bringen. Das Interview führte Jürgen Kannler.
a3kultur: In den letzten Wochen ist gehörig Bewegung in das Thema Römisches Museum gekommen. Wann ist denn nun Baubeginn?
Jürgen Enninger: Die Bewegung entstand durch einen Beschluss im Kulturausschuss vom letzten Oktober, in dem ich einen Dreistufenplan vorstellte, der in ein Römisches Museum münden wird. Wann das Bauen beginnt, kann gegenwärtig noch niemand sagen. Aktuell orientieren wir uns an diesem Beschluss und an einem Stadtratsbeschluss, in dem am Römischen Museum zusammen mit der gegenwärtigen Schulnutzung am Predigerberg festgehalten wird. Dieser Rahmenbedarf muss ebenfalls erfasst und in die Planung einbezogen werden. Diesen Prozess stoßen wir als Teil des Dreistufenplans parallel noch in der ersten Jahreshälfte 2022 an.
Im Herbst 2022 wollten Sie es als Erfolg werten, wenn bis zum Ende dieser Legislaturperiode eine Einigung über den Standort Römermuseum erzielt werden kann. Der Standort stand da schon seit Jahren fest, ohne dass etwas geschah. Wie kam nun diese Dynamik in das Thema?
Die Dynamik entstand durch unsere Beschlussvorlage im Kulturausschuss im Oktober 2021, die wiederum mit den letzten Funden zu tun hatte. Die Präsentation der Silbermünzen war dabei ein vielbeachtetes Thema. Der daraus resultierende, drängende Wunsch nach wertschätzender Sichtbarkeit dieser und weiterer Funde wird von der Stadtgesellschaft in der ganzen Breite getragen. Nun arbeiten wir die Aufgaben, die sich aus dem Dreistufenplan ergeben, sukzessive ab, insbesondere gehen wir einen Museumsneubau engagiert und motiviert an.
Ohne Silberfund gäbe es auf absehbare Zeit also kein Museum?
Er macht vieles greifbarer. Die angesprochene Dynamik geht durch die gesamte Bürgerschaft. Die Römer begeistern alle. Die Erinnerung an den bronzenen römischen Pferdekopf zum Beispiel, den man als Schüler*in zum ersten Mal sah, sorgt heute noch für Begeisterung. Da gibt es genug positive Energie, um das Thema weiterzuführen.
Es entstand aber auch der Eindruck, dass die Stadt bei dem Thema gehörig in Zugzwang kommt. Welche Rolle spielen dabei die verschiedenen Lobbygruppen der Stadtgesellschaft?
Die Lobbyarbeit verschiedener Gruppen in der Stadt ist ein wichtiger Motor unserer Arbeit. Wir haben die Chance, die römische Geschichte Augsburgs neu zu erzählen. Nicht nur aus der Position der Herrschenden und des Militärs wie bisher, sondern als Geschichte der Migration, als Sozial- und Alltagsgeschichte.
Man spricht offen von äußerem Druck, der hier politisches Handeln formt.
Die Öffentlichkeit formt fortlaufend politisches Handeln. Das ist der Auftrag einer engagierten, kompetenten und leidenschaftlichen Öffentlichkeit, die unter anderem im Stadtrat ihren gewählten Niederschlag findet.
Der zitierte Beschluss beinhaltet einen Passus, nach dem eine neue Kunsthalle, die beim geplanten Museumsbau wohl eine Rolle spielen soll, kuratorisch nicht federführend von den Kunstsammlungen und Museen der Stadt betreut werden soll. Dieser Punkt trug zum öffentlichen Zerwürfnis zwischen ihrem Vorgänger Thomas Weitzel und dem Sammlungschef Christof Trepesch bei. Ist er nun im Sinne der Kunstsammlungen vom Tisch?
Ich möchte den Ergebnissen des Stadtrats heute nicht vorgreifen. Das sind ungelegte Eier. Auf alle Fälle liegt die Liegenschaftsverwaltung in der Verantwortung der Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Die kuratorische Hoheit könnte daher natürlich Christof Trepesch innehaben, den ich sehr schätze, aber auch eine dritte Person.
Wie kann die Bauträgerschaft beim Neubau des Römischen Museums aussehen? Ein PPP-Projekt, also als öffentlich-private Partnerschaft mit der Walter AG, ist wohl schon im Gespräch, ebenso wird über einen federführenden Generalunternehmer nachgedacht. Gegenwärtig scheint alles besser zu sein, als die Verantwortung für Planung und Bau bei der Stadt zu belassen. Wie soll das Projekt überhaupt finanziert werden?
Diese Themen sind wichtig, gehören zum übernächsten Schritt auf unserem Weg. Gegenwärtig laufen Gespräche mit dem Freistaat. Eigenmittel hat die Stadt bisher nicht eingestellt, wenn man von dem Posten für die Renovierung der Bodenplatte absieht. Das ist ein sehr positiver erster Schritt. Ansonsten erreichen uns zu dem Projekt viele positive Signale. Das Interesse ist beachtlich.
Sehen Sie hierzu auch den Kommentar »Römerschlacht« von Jürgen Kannler.