Klassik

Einfach nur »irre«!

Mit »The Gypsy Violine« schloss die Bayerische Kammerphilharmonie unter der Leitung von Gabriel Adorján seine erfolgreiche Konzertsaison 21/22 am Sonntagabend (3. Juli) im ausverkauften Parktheater ab.

Absolutes Highlight war der Auftritt des Augsburger Violinisten Sandro Roy, der neben seinem Potential als Interpret auch drei eigene Kompositionen, darunter die Uraufführung seiner »Fantaisie pour violon et orchestre Op 4« vorstellte. Kein Wunder, dass der Saal tobte, um diesen so hochbegabten Künstler Sandro Roy mit lauten Bravorufen zu feiern.

»Ist der irre!« Das war der Satz, den man nach jedem Stück hörte, mit denen sich Sandro Roy zunächst als tollkühner, souveräner Solist der »Aires gitanos«, dem Bravourstück für »Teufelsgeiger« von Pablo Sarasate, und danach als origineller Komponist präsentierte. Dem wäre eigentlich gar nicht viel hinzuzufügen. Doch von einer seriösen Musikkritik darf man natürlich ein paar mehr Worte erwarten, die das beglückende Hör-Erlebnis beschreiben, das der erst 28-jährige Ausnahme-Virtuose, der sowohl im Jazz, im Gypsy-Swing und in der Klassik zuhause ist, dem Publikum schenkte. Das »Concertino Op1« – eine Auftragskomposition des Kölner Orchesters »Larte Del Mondo« - führte in einer kontrastreichen und ausbalancierten Fusion von klassischen und traditionell-folkloristischen Elementen rasch in den ästhetisch-eigenständigen Kosmos des »Allrounders« Sandro Roy. Brillant setzten die Klavierpassagen die swingenden Akzente, für die in dem Jazzpianisten Boris Netsvataev genau der richtige Interpret gefunden war. Auch der »Waltz for Prinzo«, den Roy seinem kleinen Neffen gewidmet hat, nutzte mit spielerischer Leichtigkeit und Eleganz die emotionale Palette, spiegelte Freude und Sehnsucht in den kompositorischen Facetten von Jazz Waltz bis hin zu den Largamento-Passagen. Speziell für dieses Konzert im Parktheater entstand die »Fantaisie pour violon et orchestre Op 4«, die nach einem rauschenden orchestralen Intro in moderne Violinkadenzen mündet, um dann nach Tangos, Modern Jazz und tänzerisch motivierenden Folkoremomenten in einem fulminanten »Unisono-Part« ihr strahlendes Finale zu finden. Das war einfach mal Musik mit echtem Wow-Effekt! Als Dreingabe kredenzte Sandro Roy eine geistreich-schräge Hommage an Leopold Mozart, gedacht auch als Referenz an die musikalische Geburtsstadt von beiden. Mit dem Esprit, der aus den drei eigenen Stücken sprach, mit seiner leidenschaftlichen und so mühelos wirkenden Virtuosität als Geiger hat Sandro Roy ganz ohne Frage seinen Anspruch erfüllt, den er im a3kultur-Interview zum Ausdruck brachte: Die ganz eigene(n) Noten und mit ihnen einen unvergesslich starken Eindruck zu hinterlassen. Fehlt nur noch das Album, das »The Gypsy Violine« in eine immer wieder hörbare Version presst! Und natürlich gab es ja auch noch den zweiten Programmteil, mit dem sich die 15 Streicher*innen der Bayerischen Kammerphilharmonie einmal mehr als vertrautes und brillantes Ensemble zeigten, das mit seiner feurig-slawisch inspirierten Werke-Wahl den Nerv des sommerlich erhitzten Klassikpublikums traf. Dabei hütete es sich, Populäres mit allzu viel Schmiss und allein auf Effekt getrimmt zu spielen. Den hohen Wert, den die bk-Musiker*innen stets auf eine sinnliche, noble Klangästhetik legen, auf die nuancierte Dynamik und eine präzise Intonation, spürte man eben auch bei Brahms »Ungarischem Tanz Nr.5« oder bei Bizets spannungsreich von Carlo Mertelli für Streicher bearbeitetem »Danse bohéme« aus der Oper Carmen. Zu entdecken gab es die vier transsylvanischen Tänze, die die 1943 und 1949 von Sandor Veress komponiert wurden und immer wieder neu verblüffend waren Energie sowie melodischer und rhythmischer Reichtum, der aus den von Bela Bartok kunstvoll bearbeiteten Volkstänzen – dem »Jocul cu bata« oder dem »Poarga romaneasca« – direkt aus den Saiten heraus die Vorstellungskraft der Hörer entfachte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mira Emke
Klassik

»Neustart«

Die Augsburger Philharmoniker wagen am 28. und 29. September mit dem ersten Sinfoniekonzert einen »Neustart« in die Saison im Kongress am Park.
Mira Emke
Klassik

Klassiker der Moderne

Das Parktheater im Kurhaus Göggingen bietet, unter anderem, auch ein breites Programm an klassischen Veranstaltungen
Renate Baumiller-Guggenberger
Klassik

Ergreifend!

Die 80 jungen Musiker*innen unter der Leitung von Carolin Nordmeyer bewiesen im Kongress am Park überaus eindrucksvoll, dass sie solistisch brillieren und im »tutti« musikalische Spannungskurven von der ersten bis zur letzten Sekunde auf höchstem Niveau zu halten vermögen.