Dasein
Politik & Gesellschaft

So unkompliziert

a3kultur-Redaktion

Über dreißig Jahre gewährleistet die AWO gelebte Gemeinschaft im Bürgerhaus Pfersee.

 

Über drei Jahrzehnte gibt es das Bürgerhaus Schlössle in Pfersee. Dies und die Erziehungsberatungsstelle in der Frölichstraße waren die ersten beiden Einrichtungen der AWO Augsburg, die mit hauptamtlichen Mitarbeiter*innen besetzt wurden. 1989 begann die Geschichte des Bürgerhauses, das selbst so mancher Nachbar im Viertel zwar namentlich kennt, aber sonst nicht mehr dazu weiß. Dabei vereint es solch eine Vielfalt an Angeboten und Menschen auf begrenztem Raum.

Sechzig Gruppen nutzen das Jahr über die Räumlichkeiten regelmäßig, zusätzlich können – wenn Platz ist – weitere Gruppen aus dem Stadtteil das Angebot in Anspruch nehmen. Etwa wenn ein Kleingärtnerverein hier seine Jahreshauptversammlung abhalten möchte. »Vorzugsweise sind es Pferseer Gruppen, die sich einmieten, doch es muss nicht die komplette Gruppe aus Mitgliedern bestehen, die hier wohnen«, erläutert Margot Kloos (zuständig für Kunst- und Kulturprojekte) die Kriterien, »wichtig ist uns, dass sie offen sind. Jeder darf jederzeit zur Gruppe hinzukommen, sich dem Kreativkreis, dem Sprach- oder Sportkurs, was auch immer sich bildet, anschließen. Aber es können grundsätzlich Menschen aus ganz Augsburg sein, die hier wirken.«

Es darf nur nicht der feste Sitz von religiösen und politischen Gruppierungen sein, die zwar durchaus Feste im Bürgerhaus feiern können, doch der Fokus liegt auf kulturellen und Bildungsangeboten. »Ich fand es bereits, als ich hier begann, beachtlich und war fasziniert, wie viele extrem unterschiedliche Gruppen sich hier versammeln und wie viel Potenzial.« Menschen zu bewegen, Gruppen zusammenzubringen sei schwierig, doch hier passiere es. »Diese zu vernetzen ist eine tolle Sache.« Ohne große Konflikte und Probleme gehe dies über die Bühne. »Doch dass das Bürgerhaus so herausragend ist, wurde mir selbst erst kürzlich beim Stadtteil-Kulturgespräch mit Kulturreferent Jürgen Enninger deutlich bewusst. Dort sagten viele: Wir wollen das Gleiche wie in Pfersee!«
 
Aber warum ist das so – es gibt ja durchaus in anderen Stadtteilen Häuser, in denen man Ähnliches verwirklichen könnte, das Abraxas, das Zeughaus, die Kresslesmühle? Eine Frage, die sich auch Annette Thier (Leitung Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe AWO Augsburg) im Gespräch mit a3kultur stellte. »Sie werden nicht in der Art und Weise geführt wie unser Bürgerhaus.« Es sei dort nicht so einfach, bekomme sie als Rückmeldung, und hier sei es einfach so schön, so unkompliziert, lautet ein Erklärungsversuch von Margot Kloos.

»Wir versuchen wirklich maximal unkompliziert zu sein. Wobei dies aber auch das Maximale an Vertrauen und Toleranz von den Gruppen erfordert. Im Normalfall haben wir drei Stockwerke zur Verfügung, das bedeutet drei gleichzeitige Belegungen.« Da müsse dann womöglich ein Sportverein mit einem Fest und zugleich einem Sprachkurs zurechtkommen. »Durchaus ohne dass hier jemand ist und dies steuert, vor allem am Wochenende«, ergänzt Annette Thier.

Der eine Kurs hört auf, der andere fängt an, gegenseitige Rücksichtnahme ist unabdingbar. Durch die derzeitigen Bauarbeiten – seit dem Frühjahr wird ein großer Anbau mit gemeinsamem Eingang und Aufzug gebaut und das alte Haus soll ertüchtigt werden – ist die Raumsituation eingeschränkt, zeitliche Puffer sind nicht möglich, zumal alle Gruppen ihre Angebote aufrechterhalten wollen. Im Neubau sollen dann ein großer Teil des Bürgerhauses und ein Familienstützpunkt für Pfersee untergebracht werden, im Altbau eine Mini-Kita mit zwölf bis fünfzehn Plätzen.

 

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