Slawische Stimmungen – Magische Schwingungen
In dem Programm mit Werken der tschechischen Komponisten Smetana und Dworschak sowie der Sinfonie Nr. 5 des Russen Sergei Prokofjew stellte sich erstmals auch die Cellistin Raphaela Gromes im Rahmen des 2. Sinfoniekonzerts der Augsburger Philharmoniker im Kongress am Park in ihrer Rolle als Artist in Residence vor.
In Variation der Konzertheadline verließ das Publikum dieses zweite Sinfoniekonzert in der Tat bestens gestimmt – dank der Fülle an »slawischen Stimmungen«, die auf höchstem sinfonischem Level präsentiert wurden. Naturgemäß beinhalten Stimmungen jede Menge emotionale Höhen und Tiefen und eine sich ganz eigen entwickelnde Dynamik! Mit einem hellwachen Orchester, das unter Domonkos Héjas souveränem Kommando allen Schwankungen standhielt und in dem die weithin strahlenden Holz- und Blechbläser sowie die Schlagwerker enorm gefordert waren, ließen sich diese ebenso tiefgründigen wie vielfarbigen, teils doppelbödige Seelenlandschaften von Smetana, Dworschak und Prokofjew erkenntnisreich »analysieren«.
Ob Prokofjews effektgeladenes, im letzten Kriegsjahr 1944 geschriebenes Spätwerk mit vielfach abrupten Tonartenwechseln (fünfte Sinfonie B-Dur op.100), zu deren Fülle an melodischen Einfällen und instrumentalem Esprit auch das Klavier eine prägnante Klangfarbe beisteuerte, ob Smetanas schon 1863 komponierte Ouvertüre zur mehrfach umgearbeiteten »Verkauften Braut«, ob Dworschaks Violoncellokonzert op. 104, das 1894/95 noch während seines Amerika-Aufenthalts entstand und seit langem zu den schönsten Werken für Cello und Orchester zählt…Jedes einzelne Werk stand für sich und doch fügten sie sich in Summe zu einem fulminanten Konzertabend.
Zu dessen Erfolg trug fraglos das sehr besondere, erfrischend natürliche Auftreten der Cellovirtuosin Raphaela Gromes bei. Immer wieder drehte sie sich lächelnd, fast bewundernd, staunend zu ihren Orchester-Kolleg*innen um oder lud mit intensivem Blickkontakt dazu ein, sich lustvoll auf den kollektiven »Wettstreit« mit ihrem technisch und klanglich umwerfend perfektioniertem Solospiel einzulassen. Denn obwohl Maestro Dworschak hier seinen Interpret*innen die andernorts üblichen Kadenz(en) verweigert, ließ er doch hinreichend Raum, um das gestalterische Potential dieses exquisiten und »wohlig« tönenden Instruments auszukosten, auszuspielen. Sowohl im feinsinnigen Adagio-Satz, der als Reflex auf die im Sterben liegende und vom Komponisten geliebte Schwägerin gilt, als auch im letzten Satz, in dem kurz vor Schluss Zitate der vorherigen Themen zu einem nahezu körperlich wahrnehmbaren, empfindungsreichen Epilog verschmelzen – Gromes ließ sich intensiv darauf ein und versetzte ihr Publikum gleich mit in diese nahezu magische Schwingung. Seit sechs Jahren ist die 1991 in München geborene Cellistin Exklusivkünstlerin bei Sony Classical. Im Vorjahr wurde sie vom Fachmagazin RONDO als »erfolgreichste deutsche Cellistin der Gegenwart« gerühmt. Zurecht! Dass sie jetzt für eine Spielzeit als Artist in Residenz in Augsburg verpflichtet werden konnte, ist ein echter Gewinn – auf die diversen Recitals mit ihr und ebenso das 5. Sinfoniekonzert am 13.& 14. Februar 2023 darf man sich jetzt schon freuen!
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