Hundertwasser – Das Musical
Kann man das Leben, das Denken und die Visionen eines Malers in ein Musical packen? Ja man kann: Autor Rolf Rettberg, Komponist Stefan Holoubek sowie ein Künstlerkollektiv unter der Leitung von Benjamin Sahler, die für Regie und Choreographie verantwortlich zeichnen, haben es verwirklicht.
Wer das Leben des Visionärs kennt, erlebt dieses derzeit mit Darstellern, die man zum einen aus anderen Produktionen am Haus kennt (Isabella Dartmann als Mutter Hundertwassers mit höchst musikalischer Präsenz, Stefanie Kock als leicht verwirrte Wiener Kulturstadträtin, ein Amüsement, Alexander Kerbst als Mr. Money, klasse mitreißend) sowie Felix Martin (Hundertwasser nicht nur gespielt, vielmehr gelebt), Leah delos Santos (Amenoki, in Persona des Künstlers zahlreiche Frauen verkörpernd, Tamara Wörner (Afrika) und Daniel Mladenov (René Brô). Und wer den Weg von Friedrich Stowasser zu Friedensreich Hundertwasser nicht kennt, der bekommt hier einen kurzweiligen Überblick zu dessen Werdegang, seinen Träumen, Visionen, seiner Ruhelosigkeit und seinen Gedanken und Sehnsüchten, zum Teil auch mit Originalzitaten, wie wir leben könnten und sollten.
Das Bühnenbild entführt in zweierlei Hinsicht zudem in die bunte und fantasievolle Welt des Künstlers, Architekten und Umweltaktivisten. Es wird nämlich begleitet mit Aquarellen von Hundertwassers Tochter Heidelinde Trimmel. Haupt- und Titeldarsteller Felix Martin konnte mit ihr im Zuge der Proben zum berühmten Vater zudem intensiv sprechen. Die Rolle verkörpert er bravourös. Die vielfach berührenden Titel wie »Fahr übers Meer«, »Tod der graden Linie«, »Kunstexport« spiegeln sein Leben und ihn eindrucksvoll wider. Es gibt zwar leicht kitschige Momente, nicht alles erschließt sich sofort aus der Geschichte heraus, etwa die Figur der Afrika (jedoch mit Wucht und stimmlicher Kraft von Tamara Wörner verkörpert), aber im Großen und Ganzen ist es ein rundum gelungenes Werk.
Im Festspielhaus Füssen läuft noch bis 6. November die Uraufführung von »Hundertwasser – Das Musical«.