Architektur
Politik & Gesellschaft

In Nacktheit gehüllt

Kühn, kühl, akkurat oder schlicht brutal – Beton prägt seit mehr als einem halben Jahrhundert auch das architektonische Gesicht Augsburgs. Ein Streifzug von Manuel Schedl

Einst ein Material für Bunker, Brücken und Straßen, wohnen, arbeiten und beten wir inzwischen fast alle – teilweise Zeit unseres Lebens – darin: Beton. Ob als Sicht- oder als Waschbeton, verschämt unter einer Schicht Farbe verborgen, gnädig von wildem Wein zugewuchert oder – Flucht nach vorn – mit Pigmenten leuchtend oder edel schwarz eingefärbt: Der Werkstoff Beton prägt heute so manches Stadtbild, auch das von Augsburg. Brutalismus heißt das wenig schmeichelhafte Wort, welches das »in your face« praktisch schon im Namen trägt, auch wenn es sich vom französischen »brut« herleitet, das in seiner Übersetzung »roh« zunächst einmal wertfrei ist und in manchen Epochen der Kunst der Moderne sogar fast bewundernd gebraucht wurde.

Als »Monumentalskulpturen« bezeichnete die Autorin Elisabeth Schwiontek vor nicht allzu langer Zeit in einem Artikel des Goethe-Instituts die Bauwerke des Brutalismus, »– packend, direkt und wagemutig.« Und Oliver Elser vom Deutschen Architekturmuseum Frankfurt am Main merkte schwärmerisch an: »Nichts an diesen Gebäuden ist Fake. Sie zeigen ihr Material, ob Beton, Ziegel oder Stahl, pur und offen. (…) Diese Architektur steht mitten im Leben«.

Weniger angetan ist dagegen oft der Volksmund. Von »Betgaragen« ist da die Rede, zum Beispiel bei den (meist evangelischen) Kirchenbauten aus Beton. Und selbst Architektur- und Designbüros okkupieren zum Teil lieber alte Patriziervillen, als sich in kantigen Neubauten zu präsentieren. Als aggressiv wird manch hüllenlose Hülle empfunden, als monströs gar, wenn die schiere Masse des Materials der Schwerkraft trotzt.

Die folgenden Beispiele aus dem Augsburger Stadtgebiet und der näheren Umgebung sind eine kleine Bestandsaufnahme ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit dem Ansinnen, den Blick weg von der Romantik holpriger Altstadtgassen auf jüngere architektonische Tendenzen im heutigen urbanen Lebensraum zu lenken und Interesse zu wecken – vielleicht auch hie und da ein wenig Sympathie.

 

Mehr dazu auch in unserer Sonderveröffentlichung zum Thema »Architektur und Wohnen«.

 

Motive von links nach rechts: Erhard-Wunderlich-Sporthalle, Schwabencenter, Katholische Kirche Don Bosco, Rosenaustadion, Wohnhaus Reisingerstraße/Thelottviertel, Schwabencenter, Studiosus 5, Universität Augsburg Großes Hörsaalzentrum, Don Bosco

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