Zum Interview trafen wir Stephanie Schmid bei einem ihrer Kunden, der Schrebergartenwirtschaft »Im Garten« auf der Perzheimwiese im Augsburger Thelottviertel. Die Brauerei Ustersbach hat viele Gastrokund*innen, jedoch nur einige Gasthäuser im Eigentum. Neben dem weithin bekannten Bräustüble beim Brauhaus gehören die Holzkohle-Grillrestaurants FeuerWerk in Augsburg neben der City-Galerie sowie in Fischach und das Landgasthaus Leuthau mit seinen Fischspezialitäten in idyllischer Lage an der Wertach bei Schwabmünchen dazu. Nach dem Gespräch kam der Durst.
Sterneküche
Kurz vor Ostern wurde bekannt, welche Restaurants sich mit Guide Michelin Sternen schmücken dürfen. Die drei bisher ausgezeichneten Augsburger Küchen konnten ihre »Macarons« verteidigen. a3kultur porträtierte diese Kulturorte mit Weinkeller bereits zu Anfang des Jahres.
Kulturraum Küche
Kochen ist Teil unserer Kultur – in speziellen Fällen ist es Kunst
Wenn es um ausgezeichnetes Kochen geht, kann unsere Region auf eine gute und lange Tradition zurückblicken. Trotzdem hat man den Eindruck, dass sie sich oft schwertut damit, diese Leistungen gebührend zu würdigen. Das ist schade. Denn bei kaum einer anderen Form unseres kulturellen Lebens gehen handwerkliches Geschick und individuelle Brillanz eine dermaßen enge und geschmackvolle Symbiose mit Produktqualität, regionaler Vielfalt und Spezialitäten sowie dem Wissen der Alteingesessenen und Neuankömmlinge ein wie in der Küche.
Aus diesem Grund stellt die a3kultur-Redaktion ihren Leser*innen zukünftig Küchen und Köch*innen vor, die die kulturelle Vielfalt unseres Zusammenlebens auf ihre individuelle Art bereichern. Wir starten unsere Serie ganz oben: bei den Sternen.
Die Anfänge
Nachdem vor rund fünfunddreißig Jahren Albert Oblinger als bis dahin jüngster deutscher Koch den ersten Michelinstern für sein Restaurant Oblinger und anschließend Franz Fuchs für das Cheval Blanc im Hotel Gregor einen weiteren nach Augsburg holte, war die Stadt am Lech in Gourmetkreisen wohl bekannt.
Allerdings verblassten diese Sterne aufgrund mangelnder Nachfrage relativ schnell. Ein Besuch bei den Sternen war den Menschen wohl nicht das Geld wert, das es wert war. So versank die Stadt in einen fast zwanzigjährigen, sternelosen Dornröschenschlaf.
Für die Bewertung im Guide Michelin war in dieser Zeit nicht nur die reine Kochleistung von Bedeutung, sondern auch das ganze »Drumherum«.
Und für solche luxuriösen Spielereien – da musste es schon das Christoflesilber auf der gestärkten Tischdecke und das Riedelglas für den Weingenuss sein – hatte die regionale Spitzengastronomie nicht viel übrig.
Erst als der Guide Michelin unter neuer, weiblicher Führung seine Philosophie der Beurteilung änderte und sich etwas offener zeigte, hatten plötzlich Restaurants wie das August – damals noch in der Frauentorstraße – eine Chance. Und prompt erhielt dieses wenig konventionelle Restaurant, das unter Kennern schon lange für seine kreative Küche und sein eigenwilliges Auftreten gelobt wurde, 2007 seinen ersten Stern. In Frankreich wird der Michelinstern übrigens liebevoll auch »Macaron« genannt.
Von nun an wurde vor allem die Küchenleistung für die Beurteilung ausschlaggebend. Das war wegen der vielen, auch internationalen Toprestaurants, die bewusst auf eine inzwischen angestaubt wirkende Art der Bewirtung verzichteten, unumgänglich. Schließlich wollte man als Herausgeber der Genussbibel ja nicht an Glaubwürdigkeit verlieren.
Gerade einmal zwei Jahre später, 2009, kam der zweite »Macaron« hinzu, den Christian Grünwald mit seiner Küche seither hält. Eine absolute Spitzenleistung, nicht nur für unsere Region.
Mit dem Umzug in die Haagvilla 2016 wurde das Konzept einer gesamtheitlichen Präsentation im August mit eigens gestalteten Tischen und kleinen Auftritten direkt beim Gast vervollständigt. Für manche gleicht ein Besuch im August mehr einer Performance als einem Restaurantbesuch – aber dazu später mehr.
Die Sterne am kulinarischen Firmament unserer Stadt begannen dank Grünwald endlich wieder zu strahlen.
2019 legte Simon Lang für das Restaurant Sartory im Drei Mohren – heute Hotel Maximilian’s – nach. Seit 2022 vervollständigt Benjamin Mitschele in seiner Alten Liebe das Sternetrio.
Damit zeigen hier drei völlig unterschiedliche Köche im Alter zwischen Anfang dreißig und Ende fünfzig komplett verschiedene Interpretationen von Küchenkultur. Und darauf kann Augsburg wirklich stolz sein.
Was es bedeutet, gut zu essen
Die Bewertung der einzelnen Kochleistungen soll hier nicht unsere Aufgabe sein. Dafür gibt es Expert*innen, wie die Kolleg*innen vom Guide Michelin, an deren Ergebnissen wir uns für diesen Beitrag orientieren.
Vielmehr versuchen wir uns an einer Analyse der Stile, gepaart mit deren Umsetzung im Rahmen der Präsentation und der Wirkung auf die Gäste.
Und natürlich soll auf die Charaktere der Hauptprotagonisten, also der Köche, eingegangen und ihre Kreativität beleuchtet werden.
Einige Fragen
- Ist der alleinige Zweck der kulinarischen Darbietung die Befriedigung eines hungrigen Gastes auf hohem, im besten Fall höchstem Niveau?
- Ist sie ein Schauspiel, ein selbstverliebtes Präsentieren außergewöhnlicher Kochleistung? Ein im Sinne Machiavellis zu stillendes Bedürfnis nach dem Beweis des eigenen Könnens?
- Oder führt sie den Gast in eine Welt des Wohlfühlens und des Sichfallenlassens in einen einzigartigen Augenblick des Genusses?
- Und, wenn ja, ist sie dann nicht im Hinblick auf die kulturelle Bedeutung einer Region einer gleichzusetzen mit der bildenden Kunst, Musik, Literatur?
- Sind Kochen und der genussvolle Verzehr einer besonderen kulinarischen Leistung nicht auch eine Kunst im reinsten Sinne?
- Warum wirbt zum Beispiel unser Stadtmarketing mit den berühmten Töchtern und Söhnen der Stadt, mit den kulturellen Highlights in Museen, Theatern, Festivals, nicht aber mit der auch international – denn nichts weniger ist die Auszeichnung im Guide Michelin – anerkannten kreativen Leistung ihrer Küche und von deren Schöpfern?
- Ist ein Abend bei Christian Grünwald weniger wertzuschätzen als das Betrachten eines Bildes von Martin Eder oder der Besuch einer Lesung von Franz Dobler? Oder ein gelungenes Menü von Benjamin Mitschele nicht ähnlich herausragend wie eine gelungene Theaterinszenierung?
Es geht schließlich nicht nur ums Essen. Die Leistung einer guten Küche verflüchtigt sich ja nicht, sobald der Teller leer gegessen und abgeräumt wurde. Das Erlebte ist von einer gewissen Dauer. Es bleibt, im besten Falle, eingeprägt in den Tiefen des Empfindens. Und deshalb sollte es die entsprechende Würdigung erfahren. Ganz zu schweigen von der konsequenten Verfolgung eines »höheren« Ziels. Christian Grünwald zum Beispiel bleibt seiner Philosophie und seiner Vorstellung von kreativer Küche und deren Präsentation mit einer bewundernswerten Beharrlichkeit seit Jahren treu.
Aber kehren wir zu den grundlegenden Dingen des Kochens zurück. Was unterscheidet die Sterneküche von den weniger dekorierten Restaurants? Da wären zuerst zu nennen: das Können, die Kreativität, das Wissen um die Vielfältigkeit der Produkte, deren Qualität und Geschmack sowie der Mut, auszuprobieren und im wahrsten Sinne über den Tellerrand zu blicken. Dann das Schmecken einer idealen Kombination aus den besten Produkten und das Wissen um diese. Das Gefühl für Garpunkte und wie sie verändert werden können, um mit Konsistenzen zu spielen. Und natürlich das Bewusstsein für gesundheitliche Aspekte beim Essen.
Auch das reibungslose Zusammenspiel der Brigade in der Küche, und sei sie noch so klein, ist unabdingbar. Punktgenaues Servieren aller Kreationen im perfekten Zustand ist die Kunst der Könner: die Vorbereitung der Küche, das Mis en Place als Basis für die Arbeit, das Bereitstehen des Service zum richtigen Zeitpunkt. All dies beherrschen unsere drei Sterneköche, um die es hier geht, mit selbstverständlicher Sicherheit. Und ausgehend von diesen Grundvoraussetzungen resultieren nun drei völlig verschiedene Küchenstile. Wie kann das sein? Den einen könnte man als im besten Sinne traditionell basierte, internationale Gourmetküche bezeichnen, den anderen als frischeverliebte Interpretation einer fusiongeprägten, nachhaltig-lokalen Produktküche, den dritten vielleicht als die eigenständigste und eine stark künstlerisch gezeichnete Art der Kreativeruption.
Die Protagonisten
Simon Lang, Restaurant Sartory im Hotel Maximilian’s *
Hier wird im reinsten Sinne internationale Hochküche zelebriert, durchdacht, handwerklich auf bestem Niveau, dennoch verspielt und fast schon zärtlich im Umgang mit der Haptik der einzelnen Zutaten. Man spürt förmlich den Willen, den Gast bestmöglich in einen Zustand des Entspannens und Wohlfühlens zu versetzen, ihn mit den Kompositionen zu umschmeicheln, sicherlich mit dem ein oder anderen Zugeständnis an überregionale Geschmacksbilder, wohl der Verortung im ersten Haus am Platz geschuldet. Man sitzt in bequemen Sesseln und lässt die Gänge auf sich wirken wie einen Soundtrack von John Williams. Jedes Detail ist genau da, wo es hingehört, der Schmelz der Saucen vermählt sich mit der Gargenauigkeit der restlichen Zutaten, alles hat seinen Platz und fügt sich ins Ganze. Den Produkten wird ihr verdienter Platz zugestanden, um sich in voller Qualität und Besonderheit zu zeigen. Manchmal würde man sich eventuell mehr Anarchie auf dem Teller wünschen, mehr Ausbrechen aus gewohnten Pfaden, mehr hemmungslose Leidenschaft – aber genau die Harmonie ist es andererseits, die die Küche Simon Langs kennzeichnet und sich als kongeniale Handschrift verfestigt. Kaum ein Teller lässt hier Platz für Zweideutigkeit, für unterschiedliche Meinungen, alles passt und trägt so zu einem wohligen Entspanntsein bei, das einen durch die dort verbrachte Zeit führt. Ein Zelebrieren feinster Gourmetküche, stilsicher und konsequent.
Christian Grünwald, Restaurant August **
»Music made of blood and bones«, so bezeichnete der Musiker Tom Waits einmal das, was er macht. Und ähnliche Gedanken kommen einem bei Grünwalds Kreationen. Die übliche kulinarische Harmonielehre wird hier schon seit Jahren genussvoll wollüstig aufgebrochen, das Inszenieren des einzelnen Tellers ist ein herrlich untypisches, sehr gekonntes Spiel mit der Vielzahl an Aromen, Aggregatszuständen und Haptiken der oft ungewöhnlichen Produkte, die sich dabei der finalen Komposition manchmal bis zur Unkenntlichkeit unterzuordnen haben.
Das, was sich auf den Tellern, Schalen und Scherben vor dem Gast wiederfindet, ist die Quintessenz von Grünwalds Inspiration. Die natürliche Beschaffenheit der Zutaten spielt keine Rolle, alles ist verwoben im Zusammenspiel der Ideen. Dass der Meister dabei das ein oder andere Mal der Inszenierung mehr Raum lässt als der Befriedigung der Geschmackserwartung, verstärkt den Eindruck einmaliger Erlebnisse.
Es geht im August nicht in erster Linie darum, einen entspannten Abend zu verbringen, sondern den Gesamteindruck auf sich wirken zu lassen. Wenn man bereit ist, sich auf die hervorragende, hochkreative Küche und das Bespielen am Tisch einzulassen, wird man mit Erlebnissen und Genüssen der besonderen Art überrascht und verwöhnt.
Über die Jahre hat sich Grünwalds Küche eine großartige Nische erarbeitet, die man in solcher Ehrlichkeit und grandiosen Kompromisslosigkeit nur ganz selten findet. Sein Publikum ist international. Er begrüßt Gäste aus der ganzen Welt, die den Weg nach Augsburg nur wegen seines Restaurants machen. Vervollständigt wird dieses Gesamtkunstwerk nicht zuletzt durch die Architektur der Haagvilla, eines ehemaligen Industriellenwohnsitzes. Von außen wirkt sie, inmitten eines eher unromantischen Arbeiterquartiers, etwas verwunschen und entrückt. Ein Ort, an dem unterschiedlichste Eindrücke zu einem himmlischen Genuss verschmelzen.
Benjamin Mitschele, Alte Liebe *
Freiheit und Jugend als Privileg, Schaffensdrang und Einfallsreichtum als Gabe, Kochen aus Leidenschaft. Eine frische, unverbrauchte Küche aus Liebe zum Produkt, zur Regionalität und zu den besonderen Eigenschaften der Zutaten, gepaart mit Lockerheit und unverkrampftem Entdecken – das ist wohl die Grundlage für die Kreationen, die im Restaurant Alte Liebe auf den Tisch kommen.
Die Arena hierfür bildet eine Stadtviertel-Eckkneipe, in deren architektonische Schlichtheit und Offenheit die Hochküche so eingefügt ist, dass sie auch Platz für einen abendlichen Drink an der Bar lässt.
Klassische Kochkunst wird hier modern und leichthändig interpretiert, das wirkt frisch und unverbraucht. Die Qualität der Zutaten steht im Vordergrund, wobei auch ungewöhnliche Kompositionen viel Spielraum haben.
Spannende Einflüsse einer zeitgemäßen Kulinarik asiatischer, südamerikanischer und europäischer Provenienz werden gekonnt aufgenommen. Das Ganze wirkt oft verspielt, bis zur endgültigen Vollkommenheit ist vielleicht noch etwas Weg zu gehen.
Die Handschrift des Chefs ist dennoch klar und stringent. Die Akzente sind zumeist mit sicherer Hand und deutlich spürbarem Wissen um den Geschmack und das Zusammenwirken der Zutaten gesetzt, die einzelnen Teller bauen perfekt aufeinander auf. Am Ende des Menüs ist man in eine ausgesprochen angenehme Stimmung versetzt. Hier wird scheinbar ohne großen Druck eine Küche zelebriert, die einfach Spaß macht. Genau das ist die große Kunst. Wie bei Fred Astaire, der sich ohne jede sichtliche Anstrengung in die Filmgeschichte tanzte. Man fühlt sich zu Gast bei fröhlichen Freunden. Es bleibt abzuwarten, in welche kulinarischen Richtungen sich Mitscheles Kreationen noch entwickeln werden. Ein tragfähiges Fundament ist definitiv gesetzt.
Darf man Essen so überhöhen?
Alle drei Küchen beweisen auf ihre Art eine eigenständige, hochkreative Gestaltungslust, die eindrucksvoll das Können der Protagonisten belegt.
Sicher ist manchen der Vergleich mit anderen künstlerischen Leistungen zu hoch gegriffen, unser Thema sind ja »nur« Restaurants. Darf man Essen so überhöhen?
Für andere stellt sich vielleicht auch die Frage, ob diese Art des Kochens denn nicht als dekadent zu werten ist. Ist die Einordnung einer exzellenten, schöpferischen Küchenleistung als Kunst kontraproduktiv zu ihrer eigentlichen Bestimmung, nämlich das einzelne Individuum zu sättigen, zu ernähren und ihm dabei im Idealfall auch noch ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern? Darf man Produkte so weit verändern, dass sie zu einem anderen Eindruck führen als ursprünglich erwartet?
Ja, man darf. Auf jeden Fall!
Letztendlich sollte man nicht vergessen, dass Schöpfungen aus eben dieser Hochkulinarik Einzug in die ganz klassische Alltagsküche gehalten haben. Das ermöglicht uns die Freude an Gerichten, die ohne diese Spitzenleistungen und den Mut zum Ausprobieren nie entstanden wären.
Und auch die Kritiker der »teuren« Produktküche erfreuen sich jetzt an Varianten der Rezepte von hochdekorierten Köchen, ohne dies anzuerkennen.
Gerichte wie Rindercarpaccio, ein Fisch mit Beurre blanc, Filet Wellington oder ein Dessert wie das Tiramisu gelten heute als gängig. Sie sind aber nicht zufällig irgendwann irgendwie in einer Haushaltsküche entstanden, sondern entspringen den Köpfen kreativer und mutiger Köche. Schon immer zählten auch besondere Küchenleistungen zu jedweder Hochkultur. Und feingeistige Genießer*innen erfreuen sich an so manch einer kulinarischen Höchstleistung ebenso wie an einem Klavierkonzert von Mozart, sofern dieses gekonnt serviert wird.
Kochkunst ist jedoch nicht zu verwechseln mit dem Kulinaritainment, wie es täglich im Fernsehen, in den verbreiteten Onlinemedien und der Flut an schlechten Kochbüchern stattfindet.
Dort erzählen vornehmlich Köche, die sich gut verkaufen lassen, aber nicht unbedingt zur Spitzengastronomie zählen – immer wieder hört man zum Beispiel, Tim Mälzer sei einer der besten Köche Deutschlands, was einer Beleidigung der wirklich kreativen Kochkünstler*innen gleichkommt – von Rezepten und Schöpfungen, die meist allesamt geklaut sind. Viele Rezepte dieser Rampenlichtköche wurden auch nie vorher so gekocht und auch meist gar nicht von ihnen geschrieben.
Die Anerkennung von diesen Unterhaltern ist groß, weil sie im Fernsehen immer so lustig sind. Die Anerkennung von echten Köchinnen und Köchen für ihre Leistungen im Spitzenbereich fällt meist bescheiden aus, sofern sie überhaupt wahrgenommen werden.
Würde es in der Kochkunst so etwas wie ein Urheberrecht geben, wären neunzig Prozent der Veröffentlichungen in Kochbüchern oder -sendungen obsolet, wenn nicht gar strafbar. Aber das nur am Rande.
Wenn sich gutes Essen allein auf das winzige Wörtchen »lecker« gründet, wenn also nur abgerufen wird, was man kennt und was dem Erwartungshorizont entspricht, ist eine Öffnung für die wahre Kunst nicht gegeben. Dann hat man hat den Genuss auf seine banalsten Funktionen reduziert.
Essen ist schrankenlos komplex und vielschichtig. Man muss sich jedoch darauf einlassen, sonst wird man diese Erfahrung nie machen.
Leider zählt besonders gutes Essen in Deutschland immer noch nicht zu den salonfähigen, geschweige denn förderwürdigen Genüssen. Deutschen Politiker*innen, die in einem Sternerestaurant gesehen werden, unterstellt man Prasserei. Französischen hingegen, die eben diese Lokale nicht besuchen, kulturverächtliches Verhalten.
Hätten wir endlich eine entsprechende Würdigung der kulturellen Leistung der Spitzenküche erreicht – was könnte noch alles geschehen?
In Anlehnung an Jürgen Dollase, einen deutschen Gastrophilosophen, könnte man sagen: Kultur wird staatlich gestützt, eine Oper ohne finanzielle Hilfe wäre nur Operette. Die Kochkunst muss in finanzieller Hinsicht zwangsläufig noch Operette sein. Was aber dürften wir erwarten, würde sie Oper werden? Da wäre ein wenig Frankreich in unseren Köpfen durchaus hilfreich …
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