Adler, Biene, Eisbär & Co.
Adler, Biene, Eisbär & Co.
Die Dachauer Galerie Lochner zeigt und veräußert Drucke des 2007 verstorbenen Künstlers Jörg Immendorff.
Zum Künstler selbst muss man nicht viel sagen: Jörg Immendorff, geboren in der Stunde Null 1945, Rebell und Malerfürst, Beuys-Schüler und später selbst Kunstprofessor in Düsseldorf, bis die Krankheit ALS seinem Leben ein vergleichsweise frühes Ende setzte;
Neben seiner Malerei hinterließ er ein beachtliches druckgrafisches Werk. Einige seiner Arbeiten sind seit Januar in Dachau zu sehen und bescherten der Galerie von Josef und Ursula Lochner schon zu Beginn des Jahres neue Besucherrekorde.
Unter den ausgestellten Drucken finden sich Teile von Serien wie »Die Naht« von 1982 oder »Café Deutschland« (ebenfalls 1982) oder der mit insgesamt dreizehn Blättern gestaltete Kalender »Auf die kleine Reise gehen« (1991), der eine Art surreales Märchen erzählt, in dem Immendorff selbst und seine Künstlerkollegen die Hauptrolle spielen.
Galerist Josef Lochner kennt sich mit den immendorffschen Bildwelten aus. Er steht auch in Kontakt mit Immendorffs Verleger der Drucke und führt bereitwillig durch das Werk mit all seinen kleinen Facetten. Immer wieder tauchen neben anderen wiederkehrenden Elementen in den oft aditiven Bildkompositionen Tiere als Symbol auf, unter anderem für den Künstler selbst, z.B. die Biene oder Imme (klar: Immendorff) oder der Affe, den er als »Alter Ego« sah, weshalb dies denn auch der titelgebend für eine Bronzefigur war, die als eine der wenigen Plastiken in der Ausstellung zu sehen ist.
Der Adler steht natürlich für die bundes- und gesamtdeutsche Republik, besonders in ihrer Phase der Teilung für den politisch interessierten Immendorff ein großes Thema. Die Druckplatten seiner zum Teil riesenhaften Linolschnitte der »Café Deutschland« zerschnitt er, um aus einzelnen Teilen eigenständige Drucke zu fertigen, wie Clips aus einem Gesamtwerk.
Rätselhafter ist dagegen das Eisbärenkostüm, das er sich selbst auf einem der Kalenderblätter anlegt. Überhaupt erschließen sich nicht alle Bildinhalte sofort. Es braucht schon ein gewisses Hintergrund- bzw. kulturelles Allgemeinwissen, um die Personen, Symbole und Anspielungen zu erkennen. Aber man merkt, dass Immendorff kein Künstler war, der sich auf dem Erfolg irgendeiner gut funktionierenden Masche ausruhte, sondern dass ihn permanent etwas beschäftigte und vorantrieb.
Die Drucke aller Techniken (Siebdrucke, Linolschnitte, Lithografien und Offsetdrucke) und Formate sind bis 1.Mai zu sehen und können in einer Preisspanne von zwei- bis vierstellig auch erworben werden.
www.galerielochner.de
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