Es geht langsam aufwärts
Uwe Wagner, Kulturamtsleiter in Gersthofen, blickt beruflich und privat in die Zukunft.
Vieles geht wieder im Kulturbetrieb, aber wie sieht es tatsächlich aus in dieser Branche, die durch Corona schwer gebeutelt wurde? a3kultur-Redakteurin Marion Buk-Kluger sprach mit Uwe Wagner, seit vier Jahren Kulturamtsleiter der Stadt Gersthofen und zuständig für die Stadthalle, das Ballonmuseum und die dortigen Veranstaltungen. Hinter ihm liegen turbulente und schwierige Zeiten, nicht nur beruflich, auch privat. Denn vor einigen Monaten ereilte ihn die Diagnose einer sehr seltenen chronischen Nervenerkrankung.
a3kultur: Wie geht es Ihnen, Herr Wagner?
Uwe Wagner: Den Umständen entsprechend gut. Ich weiß zwar nicht, wo die Reise hingeht, aber Sie sehen mich mittlerweile ohne Krücken, das ist schon mal ein großer Fortschritt.
Und Sie möchten dem Kulturbetrieb in Gersthofen treu bleiben?
Auf jeden Fall, ich habe auch die letzten Wochen gearbeitet, trotz meines Krankenstands. Ich habe einen großartigen Job, da werde ich arbeiten, so lange es geht.
Wobei Sie gerade in den letzten drei Jahren im Kulturbetrieb ja einiges zu bewältigen hatten. Wie ist die Lage? Es hieß immer wieder, »findet statt« sei das neue »ausverkauft«!
Es hieß auch schon, 50 Prozent Auslastung seien das neue »ausverkauft«. Es hängt immer davon ab, wovon man konkret spricht. Eine Halle, die alle Genres veranstaltet – und dies ist unser Markenkern bei der Stadthalle Gersthofen –, erzielt hier auch immer unterschiedliche Ergebnisse. Im November sah es noch deutlich schlechter aus, da lagen die meisten Veranstaltungen bei nur einem Drittel verkaufter Karten, zwischen 100 und 300. Der Vorverkauf Anfang Dezember zog dann wieder an. Dieser Aufwärtsschwung hält an, und das ist das Entscheidende. Vor Corona wäre ich mit diesen Zahlen nicht zufrieden gewesen, aber nun ist es gut, dass überhaupt Bewegung in der Nachfrage ist. Und wir haben regelmäßig Veranstaltungen, bei denen die Halle voll ist.
Sind das dann die großen Namen, die ziehen?
Ja, vor allem im Comedy- und Kabarettbereich. Diese Beobachtungen widersprechen interessanterweise den Thesen, dass Geldmangel, Unsicherheit und Ängste vom Kartenkauf abhalten würden, denn wir sehen ja Genres und Künstler, bei denen es läuft. Im Bereich Musik, und zwar egal welcher Stilrichtung, haben wir allerdings oft noch Schwierigkeiten bei der Nachfrage.
Was sind Ihre Pläne?
Ich komme von der Klassik und bin Jazzliebhaber, daher möchte ich mittelfristig diese beiden Bereiche stärker im Programm integrieren, was leider durch die Umstände bisher noch nicht möglich war.Grundsätzlich sehe ich mich in der Verpflichtung, die zur Verfügung gestellten Steuermittel in der bestmöglichen Relation einzusetzen, auch daher müssen diese Dinge strategisch aufgebaut werden. Gleichzeitig haben wir aber immer noch Verlegungen aus den Lockdown-Zeiten abzuarbeiten und es gilt unseren langen Planungshorizont zu beachten. Wir sind im Moment schon in den Vorarbeiten für die Jahre 2024 bis 2026.
Hat sich in Ihrer Arbeit etwas verändert?
Ja, alle Agenturen gehen deutlich früher in ihre Planungen und wollen sofort in den Vorverkauf. Früher gab es klarere Planungshorizonte und bestimmte zeitliche Phasen, in denen Karten gekauft wurden – auf dieser Basis haben sich Agentur und Veranstalter beispielsweise auf einen Vorverkaufsstart geeinigt. Seit der Pandemie gibt es das nicht mehr. Karten werden mittlerweile zu Zeiten gekauft, die nicht mehr vorhersehbar sind, was wiederum zu Unsicherheiten bei den Veranstaltern führt. Es gibt eine Tendenz zu kurzfristigem und gleichzeitig langfristigem Kauf – für eine auf Sicherheit angewiesene Branche eine schwierige Situation.