Tanz

Bravi und Jubel ...

… gab es nicht nur am Ende für zum Teil atemberaubenden Bühnentanz in Gala-tauglichen Formaten. Nach drei Jahren pandemisch bedingter Wartezeit fand am Ostersonntag- und montag im ausverkauften Martinipark die Internationale Ballett- und Tanzgala 2023 statt.  

Als ähnlich heiß geliebt wie einst der Opernball gelten die beiden Termine der Ballettgala. Trotz stattlicher Eintrittspreise sichern sich Ballettfans frühzeitig ihre Plätze. Das ist kein Wunder, denn dieses Format bietet die wertvolle Chance, an nur einem – diesmal gut dreistündigen – Abend von der Klassik über die Neoklassik hin zum Contemporary die unterschiedlichen Techniken und Stile, viele choreografische Handschriften und neben der Hauscompany des Ballett Augsburg diesmal immerhin 19 Gasttänzer*innen der sieben mitwirkenden Compagnien aus England, Portugal, der Schweiz, aus Stuttgart, Hamburg, Nordhausen und Kaiserslautern zu erleben.

Mit sechs von insgesamt 18 Beiträgen (u.a. Auszüge aus Fernandos »Tangata«) aus den Reihen des Ballett Augsburg dehnte Ballettchef Riccardo Fernando den fraglos aufwändigen Tanz-»Marathon« allerdings zu sehr in die Länge, denn man darf davon ausgehen, dass das Publikum, die hiesigen Ballettabende kennt und wertschätzt – aber nicht unbedingt in dieser Fülle in einer Gala wiedersehen muss. Und gleich zwei Stücke von Marco Goecke (zur Erinnerung: der mit der Hundekot-Kritikerin-Attacke) im Galaprogramm? Hätte überdacht werden können!

Fernando ließ es sich auch nicht nehmen, höchstpersönlich und betont locker als Moderator zu agieren. Immerhin überbrückte er so recht souverän eine kleine technische Panne im ersten Teil. Doch genug der kleinen »Einwände«, denn man kann eine Kritikerin ja auch anders als mit tierischen Exkrementen treffen.

Während üblicherweise die angefragten Ensembles aus logistischen Gründen meist maximal ein Tänzer*innen-Duo zu einer Ballettgala entsenden, gab es diesmal mit dem Ballett des Theater Nordhausen, das für die maskuline Aura der von Ivan Alboresi choreografierten »Poeten« ein dynamisch starkes Männerquintett zeigte, sowie dem Frauen-Quartett (Ausschnitt aus »The Read Thread«) des Pfalztheaters Kaiserslautern zwei feine Ausnahmen.

Mit dem noch jungen Ausnahmetalent und Ersten Solisten des renommierten Stuttgarter Balletts, Adhonay Soares da Silva, gab es früh schon die Sensation(en) der Gala. Maximal elegant, mit minimalistisch wirkendem und präzisem Körpergespür demonstrierte er im Solo »Ssss« von Edward Clug und später im raffiniert gebauten »Firebreather« von Katarzyna Kozielska die hohe Kunst vollendeten zeitgenössischen Tanzens. Dabei kostete er virtuos die Spannung von Sensitivität und Selbstbewusstsein in Kombination mit makelloser Technik aus. Für alle Ballettliebhaber sei also der Ausflug nach Stuttgart dringend empfohlen. Desgleichen lohnt sich natürlich immer schon die Fahrt nach Hamburg, wo sich seit Jahrzehnten Deutschlands beste Tänzer*innen, behutsam geformt von Maestro John Neumeier, finden lassen. Mit Silvia Azzoni und Alexandre Riabko gastierten zwei von ihnen in Augsburg. Sie zeigten in »Claire de Lune« (Ch: Kristina Paulin) sowie in »Narciso« das emotionale Potenzial von Neoklassik in künstlerischer Reinstform. Das war umwerfend getanzt, zart wie die Musik von Debussy, war pure, grazile und sich blind verstehende Duo-Ästhetik. Kurz vor der Pause folgte mit dem melancholisch-sinnlichen, immer auch theatralischen »Sinking« eine Tanzstudie zur Kraft des Zusammenhalts in vulnerablen Zeiten. Ein Highlight aus der kreativen Werkstatt des Schweizer Tänzer-Duos »Riva & Repele«. Und natürlich wurden Julia Conway und Daniel Mc Cormick als Mitglieder des Londoner good old Englisch National Ballett für ihre gekonnt ausgeführten, elegant und sicher gesprungenen Variationen in den Grand Pas de Deuxs aus dem Petipa-Klassiker »Diana and Acteon« sowie dem wenig bekannten Ballett »Flower Festival in Genzano« bejubelt. Eher schwach im Gedächtnis blieben dagegen die beiden Duo-Werke, mit denen sich die beiden Gäste aus Portugal präsentierten. Die Ballett-Begeisterten werden sich auch direkt schon den vom Ballettchef zum Finale verkündeten Termine für die Ballettgala im Februar 2024 notiert haben – die kann dann eigentlich nur kürzer, aber kaum viel besser werden, denn diese Edition hat die Messlatte schon ziemlich hoch gelegt!

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