Trompete und Klavier á la Ungarn!
Viel »Paprika« gab es im Konzertprogramm, mit dem der ungarische Trompetenvirtuose Gabor Boldoczki im Rittersaal im Kulturschloss Höchstädt gemeinsam mit der Pianistin Krisztina Fejes zum Auftakt der Klassikreihe des Bezirk Schwaben das Publikum begeisterte.
Konzerte, in denen die Trompete als Soloinstrument strahlt, sind eigentlich immer ein Publikumsmagnet. So freute sich auch Mattias Hain, Kulturmanager beim Bezirk, im Rahmen seiner charmanten Begrüßung über den gut besuchten Abend, den zwei in Ungarn geborene Virtuos*innen gestalteten. Sie traten gemeinsam auf, wollten aber auch solistisch glänzen.
Unter den vier Klavierstücken, die Krisztina Fejes ausgewählt hatte, fehlte Chopins populärer »Grande valse brillante« ebenso wenig wie die temperamentvolle »Ungarische Rhapsodie Nr. 8« von Franz Liszt. Ergänzt mit dessen nicht minder kraftstrotzender »Rigoletto-Paraphrase« sowie der »Rhapsody C-Dur« von Ernst von Dohnanyi, tobte sie ihr pianistisches Faible für Parforceritte über die Tastatur, intensives Klangvolumen und rauschhaft-effektvolle Bravourstücke aus. Donnerwetter! Sie erwies sich zudem als verlässliche und präzise Begleitung für Gabor Boldoczki, der als 1. Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs (1997) zum Rising Star der Blechbläserszene wurde und dieses Image mit zwei ECHO Klassik Preisen (2003 und 2008) bekräftigte. Mittlerweile hat der heute 47-Jährige Trompeter, dessen Diskografie sieben Alben umfasst, eine Professur an der traditionsreichen Musikakademie von Budapest. Bei seinen Live-Auftritten kann er sich auf sein langjährig geschultes »Handwerk« verlassen und fokussiert sich offensichtlich auf (s)eine persönliche Komfortzone. Die fand sich insbesondere in den beiden Werken seiner Landsleute Frigyes Hidas und Jeno Hubay. 1984 komponierte Hidas die »Fantasie für Trompete und Klavier«, deren rasante Läufe und halsbrecherische Zungentechnik trompeterische Meisterschaft einfordern, über die Boldoczki in jedem Fall verfügt. Die Csárdas-Szenen von Hubay, in deren Finale sich eine Melodie versteckt, die auch Brahms in seinem Ungarischen Tanz (Nr. 21) nutzte, kamen als spektakulärer »Rausschmeißer« gerade recht, um in der Zugabe seine draufgängerische Spiellust in Form von Jean Baptiste Arbans »Karneval von Venedig« zu befeuern. Die Konsequenz: Standing Ovations! Im Programm integriert waren auch zwei Stücke, die Anfang des 20. Jahrhunderts in der Zeit der Belle Epoque für den Wettbewerb des Pariser Konservatoriums entstanden: Philippe Gauberts »Cantabile et Scherzetto« sowie die »Legende« des Rumänen George Enescu. Letztere formt als geniale Komposition die Pianistin und den Trompeter zu kammermusikalisch gleichberechtigten Partnern; Fejes und Boldoczki zeigten sich hier im fein ausbalancierten Zusammenspiel als eingespieltes Team. Dagegen hätte man sich in Gabriel Faurés – mit Flügelhorn gespieltem – Lied (Après un rêve) durchaus eine dem Titel näherkommende, sprich traumhaftere Gestaltung vorstellen können. Auch verwunderte in der zum Einstieg gewählten Händel-Arie der Rückgriff auf eine Transkription, die den Reichtum barocker Stilistik nicht widerspiegeln konnte. Als Klassiker für die moderne Solotrompete gilt seit langem das viersätzige »Solus« von Stanley Friedmann 1975 komponiert, um neue und ungewohnte Spieltechniken mit überraschenden Klangeffekten des Instruments vorzustellen. Gábor Boldoczki hatte sich nur für die »Fanfare« entschieden, deren Phrasierungsbögen und Echo-Effekte er allerdings nicht voll ausschöpfte.
Unter dem Motto »Sinnliche Klangwelten – Benjamin Moser und Andrej Bielow mit Werken für Violine und Klavier« findet am Samstag, 20. Mai ab 19 Uhr das nächste Konzert im Rittersaal des Schloss Höchstädt statt.
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