Theater & Bühne

Ein Stück für alle und alle für einen

Die Musicalsaison auf der Freilichtbühne ist eröffnet. Das Staatstheater Augsburg zeigt bis Ende Juli »3 Musketiere« in der Inszenierung von Ulrich Wiggers und Florian Honigmann. Das Stück hat alles, was man braucht für eine kurzweilige Abenteuergeschichte und einen unterhaltsamen Sommerabend.

Die Geschichte der drei Musketiere Athos, Porthos und Aramis, des intriganten Kardinals Richelieu und den Machenschaften am Hof des französischen Königs müsste den meisten entweder durch den Roman von Alexandre Dumas oder durch die zahlreichen Verfilmungen und Adaptionen seines Werkes bekannt sein. Die Leibgarde des Königs, die Musketiere, stets loyal und unerschrocken, wehrt alle Angriffe ab und bleibt dabei stets sympathisch. Der junge D‘Artagnan möchte einer von ihnen werden und zieht vom Land in die französische Hauptstadt. Schnell wird er Teil einer großen Abenteuergeschichte. Glück in der Liebe ist den Musketieren nicht vergönnt und wirklich in Ruhe arbeiten dürfen die heldenhaften Männer auch nicht.

Die Freilichtbühne ist der perfekte Ort für die Geschichte über Intrigen, Liebe, Mut und Degengefecht am französischen Hof. Die Wallanlage am Roten Tor schmiegt sich in Wiggers und Honigmanns Inszenierung ein und wird an diesem Abend zum Paris des 17. Jahrhunderts. Die Degengefechte, die ungewollt ulkig hätten werden können, bringen Tempo und Spannung auf die Bühne. Das Regieteam nutzte die Möglichkeiten, die ihm die Freilichtbühne bot und bespielte zum Beispiel auch den Gang oberhalb der Bühne. Einzig als das Königspaar (Erik Völker und Luise von Garnier) in opulenter Robe zum ersten Mal auf der Bühne erscheint, tritt es recht glanzlos einfach aus der Kellertür heraus. Im ersten Teil des Abends bleibt es auf der Bühne generell noch recht karg. Im zweiten Teil hingegen ziehen Szenen wie die Bootsüberfahrt oder auch die Reise in das Innenleben des Kardinals die Zuschauer*innen in das Geschehen auf der Bühne hinein und erzeugen eine fantastische Stimmung.

Wiggers inszenierte das Stück bereits zuvor in Magdeburg, wo es Ende 2019 Premiere feierte. Er nahm von dort nicht nur das Pferd oder Darsteller*innen mit nach Augsburg, sondern packte gleich noch die Kostüme mit ein. Zweimal hinsehen musste man beim ersten Auftritt von Milady de Winter. Kurz dachte man, die Heavy-Metal-Queen Doro Pesch verirrte sich vom »Sommer am Kiez« auf die Freilichtbühne. In ihrem Lederkostüm mit geschnürten, hochhackigen Stiefeln trat Pesch, pardon, Katja Berg auf. Bergs Outfit sticht besonders heraus, fällt es doch offenbar aus der Zeit und zwischen den historischen Kostümen der anderen Darsteller*innen hervor.

Rockig waren auch zum Teil die Musiknummern, die nur durch etwas seichtere Liebeslieder unterbrochen wurden. Das Orchester unter dem Dirigat von Anna Malek ist auf der Freilichtbühne leider nicht zu sehen, sondern versteckt hinter einer Häuserfassade. Bei dieser Entscheidung stand wohl die Unberechenbarkeit des Wetters im Vordergrund. Rob und Ferdi Bolland sind die Komponisten des Stücks und es verwundert nicht, dass sie in den Achtzigern Lieder für Falco schrieben. Ihre Songs sind eingängig und wenn man das Publikum richtig beobachtete, auch gut zum Mitnicken und Mitwippen. Kitschig wird es dennoch an einigen Stellen, wenn die Damen sich den Ritter auf dem weißen Pferd herbeisehnen und sich nach den Männern verzehren.

Ungewollt lustig wird es, wenn die weiblichen Hauptrollen (die Frauen haben in dem Werk nicht nur kein Glück in der Liebe, sie müssen auch sterben) nach ihrem tragischen Tod einfach wieder aufstehen. Die Männer scheinen den Verlust ihrer Lieben gut zu verkraften, denn schließlich stehen der eigene Heldenmut und die Ehre für das Vaterland eh an erster Stelle.

Unter den Solist*innen stechen vor allem Florian Peters als junger D’Artagnan, Katja Berg als Milady de Winter und Alexander Franzen als Kardinal heraus. Sebastian Müller-Stahl aus dem Schauspielensemble des Staatstheaters verkörpert den bösen Rochefort und die Augsburger Schauspielerin Marina Lötschert brilliert an diesem Theaterabend in insgesamt drei Rollen mit ganz viel Humor. Die drei Musketiere Athos (Hannes Staffler), Porthos (Patrick L. Schmitz) und Aramis (Dennis Weissert) schlagen sich erfolgreich durch das Leben, bleiben dabei charmant und unbeugsam, selbst dann noch, als bei der Premiere doch plötzlich ungewollt Blut floss. Helden durch und durch. Star des Abends ist aber sowieso das Pferd »Pomme-de-Terre«, das beste Pferd im Stall, da das einzige. Zwei Statisten verstecken sich unter den Stofffetzen und dem Metallgerippe und lassen das Pferd lustig mit den Ohren wackeln oder eine Schnute ziehen. Sogar reiten kann man auf dem Gaul.

»3 Musketiere« ist der Weg auf die Freilichtbühne wert. Ein unterhaltsamer Abend ist versprochen. Das Premierenpublikum quittierte die Inszenierung und die Leistung der Darsteller*innen mit langem, stehendem Applaus.

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