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Sich etwas Gutes tun

Gastautor

Gastronomie auf dem Augsburger Stadtmarkt: zwischen Kantinen-Feeling und Aufbruchsstimmung.

Es ist 12 Uhr mittags an einem ganz normalen Donnerstag. Alles sieht bunt und frisch aus, so, wie man es von einem Stadtmarkt erwartet. Von Gedränge in den engen Gassen keine Spur und dementsprechend wenig los an den Gemüse- und Obstständen. Was auffällt: Einige Verkaufsstände sind leer und warten wohl schon lange auf neue Betreiber*innen. Um diese Uhrzeit wollen viele der Besucher*innen jedoch nur eines: Essen!

Neben einigen Versorgungsstationen im Außenbereich konzentriert sich das gastronomische Angebot auf die Fleischhalle und die Viktualienhalle. Gerade in der Fleischhalle drängt sich einem das Bild einer Großkantine auf: Zwar inzwischen mit hellerem Licht ausgestattet, bleibt das Interieur jedoch veraltet und ungemütlich. Stehtische dominieren in der Mitte, für Menschen im Rollstuhl zum Beispiel gibt es nur sehr wenige niedrigere Tische. Alles ist reichlich in die Jahre gekommen und in den 1980er Jahren stehen geblieben. Etwas einladender präsentiert sich die Viktualienhalle. Wenn auch nur geringfügig »gemütlicher«.

Mehr als nur Imbiss?
 

Hört man sich bei den Betreiber*innen um, wird eines schnell deutlich: Sie verstehen ihr Angebot zum größten Teil als Imbiss. Die meisten ihrer Kund*innen arbeiten in unmittelbarer Nähe und wollen in der knappen Mittagspause schnell und gut mit Essen versorgt werden, mehr nicht, aber auch nicht weniger. Zur Auswahl steht eine große Angebotsvielfalt und bietet weit mehr als die üblichen und typischen Imbissvariationen: Von indisch, über amerikanisch und asiatisch bis italienisch. Aber auch – und das ist das Besondere am Augsburger Stadtmarkt – ein großes Angebot an traditioneller und regionaler Küche. Ob frischer Fisch, das Gulasch oder das Schnitzel, hier ist für jeden Geschmack etwas zu haben. Sogar vegetarische und vegane Spezialitäten stehen auf fast allen Karten. Die Preise sind durchweg angemessen, sogar oft weit unter dem Preis eines Restaurants. Das schätzen die Hungrigen sehr.

»Wir kommen fast jeden Tag hierher, weil es schmeckt und günstig ist«, erklärt ein junges Pärchen, das sich Nudeln und Pizza ausgesucht hat – eine Aussage, die sehr viele hier treffen. Ob Banker oder Verkäuferin, ob Rentnerin oder Bauarbeiter – alle finden hier zusammen, für einen kleinen Moment. Mittags scheint die Welt für die Gastronomie absolut in Ordnung zu sein.

»Ab 14 Uhr ist einfach nichts mehr los!«


Doch die Idylle trügt: Von zwei Stunden mit Umsatz am Tag kann niemand einen Betrieb wirklich wirtschaftlich führen. Zudem sind nach der Pandemie nur noch etwa die Hälfte der Kund*innen zurückgekehrt. Eine schwierige Situation also für alle, die hier zum Teil schon seit Jahrzehnten täglich Essen zubereiten. Und genau hier liegt das Problem bei der Diskussion um längere Öffnungszeiten.

Solange nicht mehr Menschen regelmäßig und bis in den Abend hinein auf den Stadtmarkt kommen, macht es keinen Sinn, die Verkaufsstände länger als nötig offen zu halten. 
Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob ein moderneres Marktkonzept die Situation nicht beleben könnte. Schließlich ist ein Stadtmarkt auch ein Aushängeschild, andernorts sogar eine Touristenattraktion. Eigentlich der gesellschaftliche Mittelpunkt der Stadt.

Die nächste Generation könnte etwas ändern


Im November wagen sich zwei gestandene Gastronomen in die Fleischhalle: Helmut Hengelmann und Joh Félix eröffnen die »Kleine Küche 15«. Mit den Erfahrungen aus der gemeinsamen früheren Arbeit im Kappeneck wollen sie hier auf kleinstem Raum neu durchstarten. Erklärtes Ziel: »Imbiss neu gedacht«. Im Gespräch mit Hengelmann wird klar, dass auch er das Essensangebot auf dem Stadtmarkt in erster Linie als »Imbiss« sieht, aber eben auf seine Art.

Auch zum Thema Öffnungszeiten hat der erfahrene Küchenchef eine klare Meinung: 
»In der momentanen Situation auf dem Stadtmarkt macht es auch für uns gar keinen Sinn, länger als 18 Uhr und am Samstag bis 14 Uhr geöffnet zu haben. Dazu kommt natürlich noch der private Zeitaspekt hinzu. Abends zu Hause zu sein und auch sonntags frei zu haben ist wirklich etwas ganz Tolles. Das hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Daher kann ich gut verstehen, dass viele an den seit Jahrzehnten bestehenden Öffnungszeiten festhalten wollen. Das soll nicht heißen, dass sich mit den Jahren daran nichts ändern darf. Mit jedem Neuzugang wird sich etwas verändern. So wie wir ja auch unsere Art des Kochens auf den Stadtmarkt bringen und neue Kundschaft anlocken. Für alle hier ein Gewinn. Das Marktamt war schon mal sehr begeistert von unserem Konzept. Jetzt müssen nur noch die Augsburger*innen auf den Geschmack kommen.«

Fazit: Öfters auf den Stadtmarkt gehen und sich überraschen lassen von der Vielfalt und der Qualität! Damit unterstützt man die regionalen Betriebe und tut sich selbst etwas Gutes.

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