Lasst uns in Ruuuuuhe!
Uraufführung zum Brechtfestival: Die Junge Bürger*innenbühne des JTA präsentiert ihr Stationstheater »WUUUUUT« mit acht Jugendlichen und Vielem, was sie wütend macht.
Wie im Tollhaus? Fühlte man sich kaum – als eine*r von zahlreichen Erwachsenen, darunter etlichen Stadtregierenden, die am 25. Februar in den Oberhausener Jugendtreff »H2O« drängten, gespannt auf hautnah erlebbare Ausbrüche der 11- bis 16-jährigen Darsteller*innen. Jedoch: »Respekt!« fordern diverse Lehrtafeln im »H2O«, entsprechend gesittet blieb der Tenor bei allen künstlerischen Antworten auf die Frage: »Was macht dich wütend?«
Etwa ein Vierteljahr lang spürte die Gruppe unter der Regie von Gianna Formicone ganz persönliche Wut-Erlebnisse auf und realisierte sie als Stationenstück. Vielfältige Auslöser führen zu emotionalen Grenzsituationen, dabei stehen Leistungsdruck und Überforderung unter den Top Five. Vor Ort engagierte Jugendliche zu finden, bildete auch die erste Hürde für das vom Zukunftspaket geförderte Theaterprojekt, auf dessen Resultat alle Beteiligten stolz sind – zu Recht.
Knapp eine Stunde lang sieht sich das Publikum treppauf, treppab über sechs Stationen mit zahllosen Unzumutbarkeiten des Erwachsenwerdens konfrontiert. Scheinbar banale Alltagsärgernisse sind es ebenso wie Kriege oder globale Bedrohungen, die uns spalten, wieder vereinen, ausweglos erscheinen. Ja, besonders Jugendliche fühlen sich unverstanden, unfair behandelt, nicht ernst genommen, und das ist gut! So weit das Spektrum an Wutäußerungen – von Schreien über böse Gucken bis Verstummen – und ihrer Gründe reicht, so dehnbar ist der Wutbegriff an sich, lernt man in tief schürfenden, teils an systemische Aufstellungen erinnernden Szenen.
Dabei überrascht der angebliche Brennpunkt Oberhausen mit jungen Locals, die klassische Instrumente üben und sich gewählt ausdrücken. Sollten wir uns sorgen, wenn als Protestsong kein Punk, sondern Pink Floyd ertönt, mit dem passenden Klassiker? Auch Brechts Gedicht »Bitten der Kinder« kennen wir. Vielleicht hätte er heute eine »Bitte an die Kinder«: Seid anders – bloß nicht so artig!
Mut zur »WUUUUUT« haben bewiesen: Johanna Günther, Mia Heller, Elias Herbst, Anna Kudinenko, Sipho Motzke, Karolin Schönau, Livia Schuierer, Lucia Steffens.
Weitere öffentliche Aufführungen sind am Mittwoch, 28. Februar (19 Uhr) und Sonntag, 3. März (18 Uhr) geplant.