Theater & Bühne

Heiß wie ein Toaster

Auf der Freilichtbühne sind die Nonnen los: am Samstag feierte das Staatstheater Augsburg die Premiere von »Sister Act«. Das Ensemble trotzte dem Regenwetter und entließ das Publikum mit guter Laune. 

Ein paar Kirchenfenster auf die Bühne geschoben und die bunten Lichter wieder in die Scheinwerfer gedreht, fertig war die Verwandlung des Bühnenbilds von der düsteren Opernproduktion »Turandot« in die farbenfrohe Musicalproduktion (zumindest in der Theorie einer Laiin). 

Es ist Weihnachten in Philadelphia, USA. Die mäßig erfolgreiche Sängerin Deloris van Cartier (Dominique Aref) träumt von der großen Karriere. Ermöglichen soll das ihr verheirateter Liebhaber Curtis (Cedric Lee Bradley) und seine Bar. Zufällig wird sie aber Zeugin, wie ihr Liebster einen Mann (Klaus Müller) tötet. Deloris erkennt die Gefahr, in der sie nun schwebt, flieht und findet Zuflucht in einem Polizeirevier. Eddie (Dennis Weissert), der diensthabende Polizist und ehemalige Schulfreund von Deloris, bietet ihr an, sie bis zum Prozess, bei dem sie gegen Curtis aussagen soll, zu verstecken.   

Und wo versteckt man die auffällige Deloris am besten? Dort, wo man sie am wenigstens vermutet: im katholischen Nonnenkloster. Schnell wird die prekäre finanzielle Lage des Klosters deutlich und wie schwer sich der lebenslustige Neuzugang an den kargen Alltag unter den scheinbar konservativen Nonnen gewöhnt. 

Nachdem Deloris die Nonnen »verführt« und mit ihnen eine Bar besucht, muss sie Buße tun und den Chor, der für seinen schrägen Gesang bekannt ist, leiten. Eine Herausforderung, die nicht nur das Leben im Kloster auf den Kopf stellt, sondern auch das von Deloris.

Das Musical basiert auf dem erfolgreichen Film mit Whoopi Goldberg als Deloris van Cartier, der Anfang der 90er Jahre in die Kinos kam und bis heute Kultstatus hat. Wer aber die gleichen Songs, wie im Film erwartet, wird enttäuscht werden. Aber nicht lang, denn der Abend macht wirklich Laune. 

Dank Deloris Hilfe wird aus dem grauen Kloster eine Showbühne mit Nonnen in Glitzerkutten im großen Finale. Es geht an dem Abend Schlag auf Schlag, nie ist Zeit zum Langweilen oder Abdriften. Einzig wenn Curtis über seine Gewalt- und Mordfantasien (»Ich schlag’  sie Grün und Blau«, »Ich strangulier’ die Braut«, »Ich kill’ die Braut«) lustig drein singt, zuckt man irritiert zusammen. Muss das sein? 

Schön ist immer wiederzusehen, dass es in den Musicalcast zwischen die Gäste auch bereits bekannte Augsburger Gesichter schaffen: Carola Bach, Mirjana Milosavljević, Klaus Müller, Gerhard Werlitz und Natalie Hünig. Ohne »Heiß wie ein Toaster«-Hünig wäre dieser Abend nur halb so lustig gewesen. Dass sie viel Humor hat, weiß das Augsburger Publikum schon lange zu schätzen, aber dabei kann sie auch noch rappen und tanzen – der Hit. Großes Lob muss man dem gesamten Ensemble aussprechen. Die Sänger*innen, Statist*innen, Musiker*innen sind die Stars dieses Abends. Vor allem am Premierenabend. Susanna Panzner verletzte sich bei den Endproben und so sprang kurzfristig Kollegin Maryanne Kelly als Mutter Oberin ein. Nur so konnte trotz des ungeplanten Ausfalls die Premiere überhaupt über die Bühne gehen. 

Weniger Einfluss hatte das Theaterteam auf das Wetter. Das Publikum saß zu später Stunde im Regen, geschützt von Regenmänteln und Regenschirmen. Weniger Schutz hatten nur die Darsteller*innen auf der Bühne, sie mussten im Regen durchhalten und weiter performen. Um das ganze abzukürzen wurde die Pause gestrichen. Dankbarer Applaus vom Publikum. Spektakulär wurde es, als das Licht der Bühnenstrahler durch den Regen zu einem riesigen Glitzervorhang wurde. Vielleicht nicht geplant, aber ein toller Effekt. Auf diesen müssen die Zuschauer*innen hoffentlich die nächsten Wochen verzichten, wenn die Sommernächte wieder sommerlicher werden. So oder so, egal bei welchem Wetter, »Sister Act« garantiert Unterhaltung mit viel Humor und guter Musik. Hingehen!

Alle Termine hier. 

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