Theater & Bühne

Ohne Worte?

Blödes Bild_© Frauke Wichmann

Das Junge Theater Augsburg zeigt ein Stück über Geschwister(liebe) in Deutscher Gebärdensprache und auf Deutsch. Auf der Bühne sieht man viel Bewegung, Bilder und Tanz – jede*r wird die Geschichte verstehen.

Laaaaangweilig, es ist soooo langweilig, denken sich die drei Darsteller*innen zu Beginn des Stücks auf der Bühne des Abraxas-Theater. Blöd herumsitzen, nichts zu tun haben, da müssen sie sich was einfallen lassen, um nicht vor Langeweile umzufallen. Sie ärgern sich gegenseitig, fangen an miteinander zu spielen, aber nichts hilft nachhaltig. Dann beschließen sie schließlich, zu malen. Doch die kleine Schwester weiß nicht, was. Dann fällt es ihr plötzlich ein: Sie will Schnee malen. Weißer Schnee auf weißem Papier? Das kann nicht klappen und so malt sie ein »blödes Bild«, das schließlich auch noch versehentlich durchnässt wird. 

Die humorvolle musikalische Erzählung »Blödes Bild« erzählt die Geschichte einer kleinen Schwester, die gerne alles so gut können möchte wie ihr großer Bruder, der immer so tolle Ideen hat und eh alles viel besser kann als sie. Sie wird wütend und traurig darüber. Schließlich zeigt ihr Bruder ihr aber, dass sie vielmehr kann, als sie glaubt.

Die Charaktere von »Blödes Bild« basieren auf das von den Medien hochgelobte gleichnamige Buch von Johanna Thydell. Seit 6. Oktober ist die Theaterinszenierung des Jungen Theater Augsburg in der Regie von Suanne Reng im Abraxas Theater zu sehen. Auf der Bühne agieren die Schauspielerin Julia Keren Turbahn, Musikerin Ellen Mayer und Schauspieler Jan Kress. Sie erzählen die Geschichte der Geschwisterkinder vor allem mit ihren Körpern, denn Kress ist taub*. 

Daher wird im Stück wenig gesprochen und doch ununterbrochen kommuniziert: mit dem Körper, mit der Mimik und Gestik, mit der Gebärdensprache. Denn vieles erklärt sich von selbst, auch ganz ohne Worte. Zudem lernen Groß und Klein beim Betrachten des Schauspiels spielerisch einige Begriffe und Sätze in Deutscher Gebärdensprache. 

Auch diejenigen, die keine Gebärdensprache beherrschen, können der Geschichte gut folgen. Gefühle, wie Frust, Freude, Ärger oder Wut sind universell und können auch ohne ausgesprochene Worte verstanden werden. Vielmehr ist man erstaunt, wie viel man aus dem Kontext heraus verstehen kann, selbst von einer Sprache, derer man nicht mächtig ist. Zusätzlich begleitet Mayer das Spiel stimmungsvoll mit ihren Instrumenten. Mit ihrem Schlagzeug bringt sie in hektischen, aufgeladenen Momenten den Boden zum Vibrieren. Wird es ruhiger und gefühlvoller, hört man nur noch ein Schwingen der Trommeln oder die Geige.

Sowohl Hörende als auch Taube* werden ihren Spaß an diesem neuen Kinderstück (geeignet ab 5 Jahren) haben.

 

»Blödes Bild« ist im Rahmen des Festivals »Spurensuche« am Donnerstag, 10. Oktober und Samstag, 12. Oktober jeweils um 15 Uhr zu sehen. 

Weitere Termine: Sonntag, 3. November (15 Uhr) und Freitag, 8. November (16 Uhr).

Das Theaterteam bietet viele weitere Termine an, die nur für Gruppen buchbar sind. 

Alle weiteren Informationen hier. 

 

*»Taub« ist eine positive Selbstbezeichnung und schließt verschiedene Identitäten und Lebensrealitäten wie gehörlos, schwerhörig, CI-tragend und spätertaubt ein.

 

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