Wer war Lotte?
Am vergangenen Wochenende feierte das neue Theaterstück »Babylon Auxburg« von Bluespots Productions Premiere. Helena Makarenko war dabei und teilt ihre Eindrücke.
Der Titel des von Christoph Heidl, Marlene Lippok, Melinka Karrer und Sila Pehlivan geschriebene und von Leonie Pichler inszenierte Theaterstück weckt Assoziationen zu der bekannten Serie »Babylon Berlin«, und tatsächlich versetzt uns die Atmosphäre der alten Fabrik in das erste Viertel des vergangenen Jahrhunderts. Die Fabrik, die bis heute Hüte produziert und normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, verwandelt sich durch Licht, Schauspiel und Klänge in eine lebendige Bühne.
Bereits beim Betreten der Fabrik werden die Zuschauer*innen in eine andere Welt transportiert. Ein alter Ticketentwerter und der staubige Raum voller antiker Maschinen schaffen sofort eine zauberhafte Atmosphäre. Historische Produktionsmaschinen, kunstvoll beleuchtet, dienen als idealer Hintergrund für dieses immersive Erlebnis.
Zu Beginn des Geschehens scheinen die Schauspieler*innen, die sich unmerklich mit der Menge vermischen, wie Geister zu sein, die in diesen Räumen leben. Sie flüstern den Zuschauer*innen etwas zu, was ein Gefühl von leichter Betäubung oder sogar Angst erzeugt. Dann folgt eine Reihe von lebhaften Szenen, zwischen denen die Lieder von Helene Schönfeld in Begleitung der Musik von Lilijan Waworka erklingen. Dieses Mosaik aus lebhaften Szenen ermöglicht einen Blick auf die Lebensgeschichte von Lotte aber nicht nur das.
Die Handlung entfaltet sich an verschiedenen Orten, und die Zuschauer*innen folgen instinktiv den Schauspieler*innen von einem Ort zum anderen. Diese ständige Bewegung verwischt die Grenzen zwischen Publikum und Darsteller*innen und verstärkt das Gefühl, Teil der Erzählung zu sein.
Wer Lotte für mich geworden ist? Ich möchte dieses Geheimnis nicht lüften. Jede*r Zuschauer*in sollte seine eigene Entdeckung machen. Doch eines kann ich mit Sicherheit sagen: Dieses vielschichtige, atmosphärische Stück ist definitiv einen Besuch wert. Alle Interessierten können es noch am 25., 26. und 27. Oktober in der Hutfabrik Lembert erleben.