Tanz

Tanzgala mit Glanz und Schatten

Denys Cherevychko (Ballett der Wiener Staatsoper) & Sae Eun Park (Ballet Opera de Paris), »Le Corsaire« (Choreografie: Marius Petipa) © Jan-Pieter Fuhr

Tänzerisch vielfach auf »Spitzen«-Niveau bewegten sich die 15 Gala-Gäste aus London, Paris, Stuttgart, Dresden, Arles und der Schweiz. Licht- und tontechnisch blieb gerade im ersten Programmteil noch Luft nach oben, und gerne hätte man auf die wenig verständlichen Ansagen des Augsburger Ballettchefs verzichtet.

Bestimmendes Merkmal – und Crux – fast jeder international besetzten Tanzgala, die für den Veranstalter einen immensen finanziellen und organisatorischen Mehraufwand bedeutet, ist die Dominanz von Soli und Pas de deux. Dies lässt sich bestens mit größer besetzten Auszügen aus dem Repertoire der Gastgeber-Compagnie ausgleichen. So präsentierte sich auch in diesem Jahr (Ostersonntag und -montag) das Ballett Augsburg vor ausverkauftem Haus und lautem Jubel zum Power-Auftakt mit einer Essenz aus dem »Newcomer«-Abend und schloss die Gala mit dem dynamischen Ensemblestück »Bonds« von Andonis Foniadakis ab (2024 in »Dimensions of Dance« uraufgeführt). Auch für die Uraufführung des vom Flamenco inspirierten Solos »Raíces« von und mit Fatima López García sowie für ein weiteres Duo Augsburger Provenienz fand sich ein passendes Zeitfenster.

Ebenso trug das am Galaabend uraufgeführte Stück »Old Land« vom renommierten Schweizer Choreograf*innen-Gespann »Riva & Repele« seinen Teil gegen die sich unweigerlich einstellende Format-Monotonie bei: Drei Paare trotzten tänzerisch eloquent und leichtfüßig den Beschwernissen des Älterwerdens.

Bereits vor zwei Jahren hatte Adhonai Soares da Silva, Erster Solist des Stuttgarter Balletts, seine Visitenkarte als expressiver und athletischer Tänzer hinterlassen. Jetzt zeigte er gemeinsam mit Mackenzie Brown ganz klassisch seine Tugend als verlässlicher Pas de deux-Partner im »Schwanensee«-Pas de deux. Noch wohler schienen sich die beiden im modernen Duo ihres Stuttgarter Kollegen Roman Novitzky zu fühlen. Zum Sound von Nina Simone interpretierten sie tempo- und bewegungsreich »A Dialog« auf Augenhöhe.

Dem hervorragenden Image des Balletts der Semperoper Dresden machten Bianca Teixeira und Lorenzo Alberti alle Ehre und hoben ihr spannungsreiches Duo »PATH« in idealer Verschmelzung und prägnant-virtuoser Körpersprache zum Highlight des ersten Programmteils.

Nach der Pause folgte der klassisch-neoklassisch grundierten Gala-Pflicht quasi die Kür, die dem ästhetischen Facettenreichtum des Bühnentanzes weiter Raum öffnete. Erneut setzten die beiden Dresdner ein tänzerisches Glanzlicht – diesmal mit dem Geniestreich »Black Swan« aus dem bewährten Hause Marco Goecke.

Immer wieder gern geladen und mit Faszination verfolgt, feierte auch in Augsburg der »Le-Corsaire«-Pas de deux als Gala-Paradestück seinen Triumph. Kein Wunder – wurde er doch von der Südkoreanerin Sae Eun Park und Denys Cherevychko technisch frappierend makellos und mit höchst authentischem »Danseuse Étoile«-Potenzial getanzt bzw. in explosiv-kühnen Sprungkombinationen gemeistert.

Stichwort Moderation – die keine war, die nervte: Warum nur überlässt man diesen nicht einfachen Job nicht einem Menschen, der ihn professionell macht? An einem Staatstheater ließe sich da sicher eine gala-adäquate Lösung finden. Oder man beschränkt sich auf eine charmante Begrüßung – alles Wissenswerte zu den Künstler*innen findet sich ohnehin im Programmheft.

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