Brahms spielen und von Herzen lieben
In drei Konzerten widmete sich die Deutsche Mozart-Gesellschaft am Wochenende »Brahms und seiner Zeit«.
Am Samstagabend begeisterte die kammermusikalische Benefiz-Gala des Leopold-Mozart-Kuratoriums im Konzertsaal der Grottenau, in deren Rahmen man das virtuose Potenzial von immerhin vierzehn Dozent*innen des Leopold Mozart College of Music der Universität Augsburg miterleben durfte.
Schon der Auftakt offenbarte den immer wieder neu inspirierenden musikalischen Kosmos und den göttlichen Klangsinn gerade intim besetzter Werke von Johannes Brahms. Behutsam, fragend, versunken und immer wieder gegenseitige Impulse aufnehmend, bezogen Cellist Edward King und José Gallardo am Flügel ihr Publikum in der »Cellosonate e-Moll op. 38« in den virtuosen und komplex strukturierten Dialog ihrer Instrumente mit ein. Voller Temperament und mit reichlich »Paprika« gewürzt – ganz so, wie es das »Con moto« über dem Ungarischen Tanz Nr. 16 fordert – machten Carolin Danner gemeinsam mit Jelena Stojkovic die für vier Hände komponierten, zurecht so populären Tänze zu Bravourstücken. Mit Cristina Marton-Argerich und Antonia Miller stellte sich nach der Pause ein weiteres brillantes »Pianistinnen-Doppel« vor, das minutiöse Abstimmung in Dynamik und Harmonie sowie ein verblüffend synchronisiertes vierhändiges Klavierspiel demonstrierte. Atemberaubend, wie der 3. Satz von Schuberts »Divertissement à la hongroise« interpretiert wurde – zudem ein Stück, das einen Ehrenplatz auf der Playlist »Klassikentdeckungen« bekommen sollte!
In die seelische Erregtheit, die Brahms auszulösen vermag, vertieften sich dann als Trio auf Zeit Ludwig Schmalhofer (Viola), Pianist Stephan Kaller und Mezzosopranistin Stephanie Hampel. Als profunde Liedsängerin empfand sie die emotionale Fallhöhe des zarten lyrischen »Ich« der Rückert- und Geibel-Strophen ungemein spannungsreich nach. Die Balance von Andacht und Emphase, die Brahms in den »Zwei Gesängen op. 91« ausgestaltete, wurde zum sinnlichen Kammermusik-Erlebnis. Wenig überraschend angesichts der drei renommierten Künstler*innen, die hier zusammenfanden, katapultierte sich der Kopfsatz des Klaviertrios Nr. 1 H-Dur zum finalen Highlight dieser abwechslungsreich konzipierten Konzert-Gala. Im transparenten Zusammenspiel mit der Violinistin Adriana Gabrian und dem Cellisten Julien Chappot präsentierte sich Evgeny Konnov einmal mehr als tonangebender Tastenzauberer.
Die von Françoise Sagan im Roman gestellte Frage »Lieben Sie Brahms?« wurde an diesem Abend mit einem überzeugten »Ja« aller mitwirkenden Musiker*innen beantwortet. Gemeinsam trugen sie – ganz nach Wunsch der neuen Ausrichtung des Leopold-Mozart-Kuratoriums – mit ihren Auftritten einen wertvollen Teil zur monetären Förderung (Besuche von Meisterkursen, Instrumentenanschaffung etc.) der Studierenden am LMC bei. Angesichts des berechtigt enthusiastischen Beifalls darf man auf eine erfreuliche Spendensumme hoffen!
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