Phänomenaler Start des Mozartfestivals
In der Königsklasse der Kammermusik zündete das »Leonkoro Quartett« zum Auftakt des Mozartfests eine musikalische Rakete!
Das 2019 in Berlin gegründete Streichquartett ließ am Freitagabend Meisterwerke von Haydn, Berg und Mendelssohn Bartholdy für sich sprechen. Höchst virtuos interpretiert erfüllte sich das Festivalmotto »Out of the box« im Rokokosaal – insbesondere durch das »Aus-dem-Häuschen«-Sein eines erfreulich verjüngten Publikums.
»Man hört vier vernünftige Leute sich untereinander unterhalten und glaubt, ihren Discursen etwas abzugewinnen«, definierte Goethe einst prosaisch seinen persönlichen Eindruck vom Vermögen eines Streichquartetts. Wenn jedoch die vier Musiker*innen Jonathan Schwarz (1. Violine), Amelie Wallner (2. Violine), Mayu Konoe (Viola) und Cellist Lukas Schwarz – alle noch keine 30 Jahre alt! – das Konzertpodium betreten, um sich auf ihren kostbaren Instrumenten auszutauschen, dann bleibt die Zeit stehen, und der Diskursgewinn auf Seiten der Zuhörer*innen ist entsprechend intensiv. Ein transparentes, perfekt austariertes Klangbild fügte die »gestrichenen«, verblüffend reif vorgebrachten Argumente aller drei Komponisten aus unterschiedlichen Epochen zu einem phänomenalen Schlagabtausch – dynamisch wie technisch brillant, fiebrig-erregt und zugleich kühl kalkuliert.
Im Zentrum des mit oberbürgermeisterlichem Willkommensgruß eröffneten Auftakts stand Alban Bergs »Lyrische Suite« (1926) als verrätseltes Psychogramm bzw. Bekenntnis einer großen und heimlichen Liebe. Satzbezeichnungen wie »Allegro misterioso«, »Adagio appassionato« oder »Largo desolato« machen diesen zwischen Verzweiflung, Weltschmerz und Euphorie schwebenden, nahezu irrwitzigen musikalischen Ritt verständlich. Gebannt und fasziniert – nicht zuletzt von den minimalinvasiven Pizzicato-Passagen – folgte man den waghalsigen Sprüngen einer genial vertonten emotionalen Spannungskurve.
Traumhaft ausgestaltet offenbarte sich zum Konzerteinstieg in den vier Sätzen des F-Dur-Streichquartetts alles, was auch Haydns Sinfonien prägt: Dynamik, Frische, Wildheit, Humor und die Fülle an Überraschungen. In welche Höhen und Tiefen romantisch inspirierter Quartettzauber à la Mendelssohn führt, machten die vier, unisono auf identischer Energie- und Wellenlänge liegenden Teamplayer nach der Pause im vierten e-Moll-Streichquartett greifbar – um nach enthusiastischem Beifall noch Puccinis unwiderstehliche Trauerblumen (»Crisantemi«) zu überreichen.
Man muss schon extrem »löwenbeherzt« (das Quartett nutzte bei der Namensgebung Astrid Lindgrens Kinderbuchtitel und Esperanto) unterwegs sein, um ein so facettenreiches und spieltechnisch risikobehaftetes Programm derart phänomenal zu präsentieren. Zu den namhaften Mentor*innen des Ensembles zählen u. a. Eckart Runge und Gregor Sigl (Artemis Quartett) sowie der Pianist Alfred Brendel, mit dem das Leonkoro Quartett eine regelmäßige Zusammenarbeit pflegt. Dieses Meister-Coaching hat sich unüberhörbar ausgezahlt. Bravo, Bravissimo! Auf diesem Niveau darf das von Mozart beflügelte Festival gerne weitergehen!
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Die 80 jungen Musiker*innen unter der Leitung von Carolin Nordmeyer bewiesen im Kongress am Park überaus eindrucksvoll, dass sie solistisch brillieren und im »tutti« musikalische Spannungskurven von der ersten bis zur letzten Sekunde auf höchstem Niveau zu halten vermögen.