»Es war ein riesiger Kraftakt«
In diesem Herbst startet das JTA die erste Spielzeit in seinen neuen Räumen.
Anfang des Jahres eröffnete das Junge Theater Augsburg seine neue Bühne in der ehemaligen Galerie des bbk im städtischen Kulturhaus Abraxas. Ihre Bühne im Nordflügel war schon seit Jahren zu klein, und nach Corona gab es kein Zurück mehr in das Minitheater mit rund 40 Sitzplätzen. Diesem Neubeginn ging ein beschwerlicher Weg voraus. Einen adäquaten Raum für die Bühne eines Kinder- und Jugendtheaters zu finden, ist nicht einfach.
Auch auf Initiative des Kulturreferats wurde der Umzug in die benachbarte bbk-Halle ins Auge gefasst und vorangetrieben, vorerst jedoch ohne der Künstler*innenvereinigung zumutbaren Ersatz anzubieten. Es kam zum Eklat. Erst nachdem das Referat die Option ins Spiel brachte, die bbk-Galerie zukünftig im Glaspalast zu verorten, kam Bewegung ins Spiel. Den bildenden Künstler*innen wurde ein schöner Galerieraum in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Museen Walter, H1 und H2 in Aussicht gestellt. Nun galt es, den Verlust der eigenen Druckwerkstatt zu verschmerzen und das Wagnis einzugehen, von nun an in einer privaten und nicht mehr stadteigenen Immobilie Mieter zu sein. Der bbk ließ sich darauf ein und zog Ende 2024 in das wachsende Zentrum für Gegenwartskunst im Textilviertel.
Der Weg für den Bau der neuen Bühne des JTA war endlich frei. Ein tragfähiges Konzept, beste Vernetzung in Politik und Gesellschaft sowie ein gutes Maß an Hartnäckigkeit, aber auch eine gewisse Dickhäutigkeit zeigten Wirkung. In diesem Herbst starten sie mit der ersten Spielzeit in den neuen Räumen.
Der Eingang zum neuen JTA ist barrierefrei und wurde an der Südseite des Abraxas errichtet. Man betritt den heiter-hellen Bühnenvorraum und denkt dabei an gelungene Kindergärten oder Grundschulen. Der Reesepark liegt vor den großen Fenstern. Leicht zurückgenommen findet sich die Garderobe, an der die kleinen und großen Besucher*innen ihre Taschen und Jacken an einem hübsch anzusehenden Seilsystem unterbringen können. Es scheint ein guter Ort. An Theater erinnert er erst einmal nicht. Das ändert sich natürlich, sobald man den Bühnenbereich betritt. Der Theaterraum sieht gut aus, mit seinen nicht zu steil aufsteigenden Sitzreihen. Eine Bühne, die nicht abgehoben daherkommt, sondern eher versucht, das gerade Geschehene einzubeziehen. Auch die Technik drängt sich nicht auf. Kurzum: Das JTA hat sich eine Studiobühne geschaffen, die man in dieser Form auch in funktionierenden Staats- oder Stadttheatern finden kann. Mal sehen, was einem dieser Kulturort in den kommenden Jahren alles bieten wird.
Berrit Pöppelmeier führt mich stolz durch ihr neues Theater. Sie ist seit gut zwei Jahren Geschäftsführerin des JTA. Zuvor war sie am Jüdischen Museum in Berlin beschäftigt. Die Aufgaben und Probleme im Kulturbereich sind wohl überall ähnlich. Bei den Lösungen gibt es jedoch große Unterschiede. »Wir wollen für unser Publikum einen Raum schaffen, in den man gerne kommt und der wiedererkennbar ist.«
Sie spricht davon, wie wichtig es für ihr Theater ist, die eigene Identität zu bewahren. Das städtische Kulturhaus Abraxas ist auf dem Weg, sein Profil als regionales Zentrum für Kinder- und Jugendtheater zu schärfen. »Es hat Vorteile, mit anderen Theatern unter einem Dach zu arbeiten. Aber es braucht ebenso Trennschärfe zu den Kolleg*innen«, betont Pöppelmeier.
»Wir haben eine eigene Bühne. Wir sind eine eigenständige Einrichtung und machen unser eigenes Programm. Es gibt verschiedene Kinder- und Jugendtheater, die alle im Abraxas beheimatet sind. Und da ist es für Außenstehende gar nicht immer so klar: Wer macht jetzt was? Uns ist es wichtig, dass man zu uns ins JTA kommt und nicht nur ins Abraxas. Denn jedes Kinder- und Jugendtheater hat so seine eigene Ausrichtung oder seinen eigenen Stil. Trotzdem nutzen wir die große Bühne im Abraxas zuweilen wie die anderen Kinder- und Jugendtheater aus diesem freien Verbund. Allein für die Aufführung unseres Jugend-Theaterclubs brauchen wir eine größere Bühne, weil da bis zu 15 Kinder mitwirken. Auch bei einzelnen Profi-Stücken braucht es ein wenig mehr Platz.«
Die Fokussierung beim JTA geht wieder stark auf das Kerngeschäft Kinder- und Jugendtheater zurück. Eigentlich schade. Gerade die Bürgerbühnen-Projekte zählten über Jahre zu den Highlights in der regionalen Theaterlandschaft. Hier verbreitet sie verhaltenen Optimismus.
»Wir planen für 2026 tatsächlich wieder eine große Bürger*innenbühne, die sich eben an alle Altersgruppen wendet. Unser Fokus lag immer beim Kinder- und Jugendtheater. Das ist ja auch der wesentliche Grund, weshalb wir von der Stadt gefördert werden. Und das ist auch einfach in unserer Vereinssatzung so festgelegt. Die Bürger*innenbühne kam mit der Zeit dazu, aber es sind immer Riesenprojekte, die eben nur alle paar Jahre zu stemmen sind.«
Mit rund 140 Aufführungen im letzten Jahr bietet das JTA auch ohne Sonderprojekte einen unglaublich vollen Spielplan. Nur ein Drittel davon sind jedoch öffentliche Vorstellungen. Beim großen Rest handelt es sich um Auftritte an Schulen und Kindergärten. Zusätzlich werden pro Jahr über 500 pädagogische Workshops angeboten. Das feste Team besteht derzeit aus sieben Frauen und zwei Männern, die vorwiegend hinter den Kulissen agieren. Ein festes Ensemble gibt es nicht. Es sind derzeit rund 60 freie Künstler*innen, die mit dem JTA zusammenarbeiten.
Das JTA ist das größte nichtstaatliche Theater in der Region und eine wichtige Anlaufstelle für Künstler*innen vor Ort. Auch dies rechtfertigt die jährliche öffentliche Förderung von rund einer Viertelmillion Euro. Den Löwenanteil davon stammt aus dem Augsburger Kulturetat. Die Einspieleinnahmen decken gute 10 Prozent des Jahreshaushalts. Drittmittelakquise über Stiftungen, Kulturfonds oder private Förderer ist existenziell, um den Spielbetrieb zu sichern.
Ein Besuch des JTA an einer Augsburger Schule wird mit rund 600 Euro in Rechnung gestellt. Im eigenen Haus kostet ein Ticket pro Schüler*in 7 Euro. Bei den öffentlichen Vorstellungen liegen die Eintrittspreise bei 8 Euro für Kinder und moderaten 12 Euro für Erwachsene.
Das Verhältnis zwischen fördernder öffentlicher Hand und freien Kulturbetrieben sieht Pöppelmeier nüchtern: »Wir sollten keine Bittsteller sein. Wir machen gute Arbeit und dafür brauchen wir Geld. Als freie Theater sind wir eben nicht Teil dieses staatlich-städtischen Kulturkonstrukts, aber trotzdem wichtig für diese Region. Es ist vielen nicht klar, dass wir diesen Umbau zu einem ganz großen Teil selber finanziert haben. Wir sprechen hier von etwas mehr als 200 000 Euro. Nur zu einem kleinen Teil über ein Darlehen finanziert – was bei Bauvorhaben nicht ungewöhnlich ist, aber für einen Verein eben eine besondere Herausforderung darstellt. Es war ein riesiger Kraftakt. Vorher weiß man gar nicht, was da auf einen zukommt. Also, es gab nur wenige Tätigkeiten, die von Profi-Handwerker*innen durchgeführt wurden. Gleichzeitig aber viele Menschen, die ein bisschen handwerkliches Geschick mitgebracht haben und dann freiwillig hier gearbeitet haben. Diese Kosten konnten wir über die Ehrenamtspauschale abrechnen, also weit entfernt von den marktüblichen Handwerkerhonoraren.«
»Wir brauchten immer wieder neuen Mut und Kraft für dieses Projekt. Aber allein die Idee, diesen neuen Raum zu haben, war eine große Motivation, weiterzumachen. Jetzt gilt es für uns erst einmal, Routinen für den Ort hier zu entwickeln und gleichzeitig schon die nächsten zwei, drei großen Projekte anzuschieben.«
Nächste Premiere am JTA:
•»Popcorn oder Einsame Explosionen« (13+) Samstag, 11. Oktober (19 Uhr) Bühne Junges Theater Augsburg
Berrit Pöppelmeier ist seit März 2023 Geschäftsführerin am Jungen Theater Augsburg und damit unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit des freien Kinder- und Jugendtheaters verantwortlich. Seit ihrem Studium ist die Kulturmanagerin im Kommunikations- und Fundraisingbereich tätig – erst in Agenturen, über viele Jahre im Museum und seit einiger Zeit in den Darstellenden Künsten.