Zum Interview trafen wir Stephanie Schmid bei einem ihrer Kunden, der Schrebergartenwirtschaft »Im Garten« auf der Perzheimwiese im Augsburger Thelottviertel. Die Brauerei Ustersbach hat viele Gastrokund*innen, jedoch nur einige Gasthäuser im Eigentum. Neben dem weithin bekannten Bräustüble beim Brauhaus gehören die Holzkohle-Grillrestaurants FeuerWerk in Augsburg neben der City-Galerie sowie in Fischach und das Landgasthaus Leuthau mit seinen Fischspezialitäten in idyllischer Lage an der Wertach bei Schwabmünchen dazu. Nach dem Gespräch kam der Durst.
Nachahmung erwünscht
Vom 8. bis 11. Oktober veranstalten die Fuggerschen Stiftungen die Tagung »Wohnen stiften« im Stadtarchiv Augsburg.
»in exemplum«
Über den Eingängen zur Fuggerei begründeten die Brüder Ulrich, Georg und Jakob Fugger 1519 ihre Stiftung mit dieser Hoffnung: »Ihr Beispiel von Freigebigkeit solle andere zur Nachahmung anregen.« Damit wurde vor über 500 Jahren der Grundgedanke des sozialen Wohnbaus gelegt. Ob es noch andere Aktivitäten dieser Art im damaligen Europa gab und welche davon heute noch existieren, soll auf dieser Tagung ergründet werden.
Internationaler Wissensaustausch
21 internationale Referent*innen präsentieren den aktuellen Stand der Forschung in 45-minütigen Fachbeiträgen. An zahlreichen Beispielen aus Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Italien wird gezeigt, in welcher Form die Motivation zu Stiftungsinitiativen bekannt ist. Vier Tage volles Programm – nicht nur für Wissenschaftler*innen, sondern auch für Geschichts- und Heimatinteressierte.
Wissenschaftlich begleitet und kuratiert wird die Tagung vom wissenschaftlichen Leiter der Fuggerschen Stiftungen, Prof. Dr. Dietmar Schiersner. Im Interview verrät er unter anderem, was ein »Hüter der Geschichte« so alles macht.
a3kultur: Wie sieht Ihre Arbeit beim Fuggerarchiv aus?
Dietmar Schiersner: In erster Linie besteht sie aus dem Bewerten von historischem Material. Ich berate die Fuggerschen Stiftungen seit über zehn Jahren aus wissenschaftlicher Sicht. Dafür habe ich Zugriff auf das gesamte Fuggerarchiv. Durch die Arbeit mit originalen Dokumenten kann ich Schritt für Schritt die Geschichte der Fugger rekonstruieren und schließlich auch der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Im Übrigen reicht die wissenschaftliche Arbeit der Fuggerschen Stiftungen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Schon damals wollte die Familie alle Dokumente an einem Ort zusammenführen, um die wissenschaftliche Gemeinschaft auf dieses Thema aufmerksam zu machen.
Was ist Ihre Aufgabe bei dieser Tagung?
Ich bin für die wissenschaftliche Organisation und das Gesamtkonzept verantwortlich. Neben der Einführung halte ich auch selbst einen Vortrag. Wichtig waren mir bei der Planung die Frage nach dem aktuellen Forschungsstand und die neuesten Entwicklungen bei den Fuggerschen Stiftungen. Um das Thema nicht zu überlasten, habe ich den Fokus auf das 16. bis 18. Jahrhundert gelegt. Dazu kommt die Auswahl der Referent*innen, die in ganz Europa tätig sind.
Wen soll diese Tagung ansprechen?
In erster Linie die wissenschaftliche Gemeinschaft. Dennoch sind viele Vorträge auch für interessierte Laien verständlich. Die Tagung ist also offen für alle. Zudem gibt es ein Rahmenprogramm – etwa einen Rundgang durch die Fuggerei oder die historischen Badstuben der Fuggerhäuser, die sonst kaum zugänglich sind.
Was erhoffen Sie sich von dieser Tagung?
Einen regen Erfahrungsaustausch – in den Pausen, auf den Gängen, beim gemeinsamen Essen. Diese Tagung bietet eine einmalige Gelegenheit, Forschende aus ganz Europa an einem Ort zu treffen, Wissen zu teilen, Erkenntnisse zu gewinnen, falsch überlieferte Erzählungen zu korrigieren und Neues zu erfahren. Letztlich geht es darum, das Interesse an diesem spannenden Thema zu fördern und eine differenzierte Sicht auf die Geschichte zu ermöglichen.
Was wird von dieser Tagung bleiben?
Neben den spontanen Erkenntnissen werden die Vorträge im Nachgang veröffentlicht und durch die Ergebnisse der Diskussionsrunden ergänzt. So entsteht ein Zwischenbericht zum aktuellen Stand der Forschung, der einen wichtigen Grundstock für weiterführende Arbeiten liefert.
Warum findet die Tagung im Stadtarchiv statt?
Das Fuggerarchiv und das Stadtarchiv arbeiten eng zusammen. Viele Überlieferungen der Fugger liegen dort. Gemeinsam fördern wir die Wissenschaft und unterstützen uns gegenseitig. Für mich ist das Stadtarchiv das Gedächtnis der Stadt – also von enormer Bedeutung. Ein Besuch lohnt sich also immer. Zudem sind die Räumlichkeiten bestens für Tagungen geeignet.
Was fasziniert Sie persönlich an der Geschichte der Fugger?
In erster Linie der Stiftungsgedanke. Sehr wahrscheinlich gibt es kein vergleichbares, bis heute funktionierendes Vorhaben wie die Fuggerei. Hier zeigt sich der Blick der gesamten Familie Fugger auf die Bedürfnisse der Armen über Generationen hinweg – bis heute. Dann natürlich die enorme historische Relevanz der Fugger. Und schließlich die Freiheit, als Wissenschaftler Zugriff auf das Fuggerarchiv zu haben und unabhängig damit forschen zu können.
Welche Rolle spielen dabei die Fuggerschen Stiftungen?
Eine sehr große. Alles, was die Stiftungen erwirtschaften, fließt wieder in Stiftungszwecke. Ein gutes Beispiel ist die Fuggerei: Neben dem Erhalt der Gebäude verursacht das Wohnrecht für Bedürftige erhebliche Kosten. Die Eintrittsgelder tragen also wiederum zu diesem Zweck bei. Das schafft eine verlässliche Finanzierung, die auch den Bewohner*innen zugutekommt.
Was können wir von den Fuggern lernen?
Die Familie Fugger zeigt, dass Engagement für die Schwachen der Gesellschaft langfristig möglich ist. Seit über 500 Jahren wird dieser soziale Gedanke von Generation zu Generation weitergetragen. Die Fugger waren Vorreiter der Armenfürsorge – eine Haltung, die schon im Stiftungsgedanken verankert ist: »Ihr Beispiel von Freigebigkeit solle andere zur Nachahmung anregen.«
Weitere Informationen zur Tagung unter www.fugger.de/veranstaltungen/tagungen-und-kongresse/wohnen-stiften
Prof. Dr. Dietmar Schiersner (geb. 1970 in Krumbach) ist deutscher Historiker. Er studierte Geschichte, Germanistik und Lateinische Philologie in Augsburg, Würzburg und München. Seit 2006 ist er Professor für Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit und deren Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Seit 2014 ist er wissenschaftlicher Leiter des Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Familien- und Stiftungsarchivs in Dillingen an der Donau.
Von Menschen und Kongressen
Menschen aus aller Welt besuchten in den letzten Jahren Augsburg, um an einem der zahlreichen Kongresse in unserer Region teilzunehmen. Das Angebot ist dicht und das Themenspektrum weit. In dieser Serie wollen wir die Kongresse in Augsburg näher beleuchten – durch die Menschen, die sie prägen, und die Themen, die sie bewegen.
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