Klassik

Zukunftsmusik

LMC Semesterauftaktkonzert

Unter der Headline »Zukunftsmusik« fand am Dienstagabend im gut zur Hälfte gefüllten Kleinen Goldenen Saal das Semestereröffnungskonzert des LMC statt. Dass mit Johann Sebastian Bachs g-Moll Klaviersuite BWV 808 zum Auftakt ziemlich weit in die Vergangenheit geblickt wurde, war durchaus Absicht …

Die Gestaltung der Zukunft war ein wesentliches Anliegen von Prof. Dominik Wortig, der auch immer deutlich gemacht hatte, dass es am LMC »Tag und Nacht um die Studierenden gehen soll«. Trotz der Bestürzung und intensiven Trauer, die sein tragischer Unfalltod am 5. September im Kollegium und bei den Studierenden am LMC ausgelöst hat, heißt es dort weiterhin, mit Fortissimo in die Zukunft schauen. Das machten zur Begrüßung und nach einer Schweigeminute zum Gedenken an den Verstorbenen sowohl Fagottist und Institutsleiter Prof. Karten Nagel und in weiteren Grußworten auch der Dekan der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Augsburg, Prof. Dr. Stefan Künzell sowie Musikpädagoge Dr. Sebastian Herbst als stellvertretender Leiter ebenso deutlich wie die sie gleich noch die bewährten Standortvorteile kommunizierten: Wer sich für ein Musikstudium in Augsburg entscheidet, profitiert weiterhin davon, dass das LMC »klein und fein ist und man dort für die Studierenden jederzeit gesprächsbereit ist.« Bevor das ebenso mythische wie mystische, spieltechnisch anspruchsvolle Fagottsolo aus Strawinskys »Le Sacre du printemps« akustisch den Raum erleuchtete, erhielt die Pianistin Frau Carolin Danner nach der offiziellen Ehrung mit dem Lehrpreis auch noch einen floralen Gruß. 

Über welch vielversprechendes solistisches Potential manche Studierenden bereits jetzt schon verfügen, wurde mit den beiden Auftritten des (ohne Noten spielenden!) in der Türkei geborenen Pianisten Umur Can Demir offensichtlich. Bachs »Englische Suite Nr.3« interpretierte er klangglich schnörkellos und technisch exzellent, die Etüden seines Landsmannes Ahmed Adnan Saygun (1907-1991) machte er zum brillant interpretierten Bravourstück. Wie Konstanze Frölich als kompetente Moderatorin des Abends berichtete, war »Bach« im Kontext der LMC Konzeptionsrunden mehrfach als in die Zukunft weisender Komponist genannt und daher doppelt im Zukunfts-Konzertprogramm verankert worden. Völlig zurecht! Sein komplexes Werk ist zeitlos, gibt hinreichend Rätsel auf und wird auch die nächsten Generationen faszinieren und bei Spiel-Laune halten. Die versprühten in hohem Maß in der Kombi mit Improvisation und Stimmeinsatz die zehn Klarinette Studierenden in Werner Heiders »Edition« Multiple Musik. Unter der Leitung von Kyusang Jeong (a.G.) schleuderte das Stück bewusst manch schräg klingende Cluster und Fragezeichen ins Publikum. Fast schon easy listening im direkten Vergleich war das »Introducao« aus den bekannten »Bachianas Brasileiras Nr. 1« von Villa-Lobos, die von den sieben Cellist*innen mit hörbarer Verve zum Ausdruck gebracht wurden. Und es ging noch „tiefer“ in die Streicherwelt hinein: Mit Hingabe widmete sich das Kontrabass-Quartett der Bearbeitung von Bachs »Ariosa« und profitierte hier wie bei humorvollen Strauss-Hommage (von Daryl Runswick) von der dynamische Impulse setzenden Unterstützung durch ihren Lehrer Thomas Hille. Karl Kolbinger war selbst Fagottist und schrieb somit sechs potenziellen Kolleg*innen ein »Festliches Präludium« harmonisch auf die edlen Holzkörper – zumindest schien den sechs Studierenden der Klassen von Prof. Nagel und Till Heine dieses Werk gut vertraut. Im Soundtrack, den Ludwig Göransson 2019 orchestral groß besetzt für »The Mandalorian« komponiert hatte, wollte sich zum Finale die Koordination zwischen holprig eingespielter Klangkulisse und den über 30 live Musizierenden auf dem Podium nicht überzeugend einstellen. 

Nicht allein der berechtigte Beifall für alle am konzertanten Semesterauftakt Mitwirkenden spricht dafür, dass man sich wenig Sorge um die Zukunft der Berufsmusiker*innen zu machen braucht!

Das könnte Sie auch interessieren

Mira Emke
Klassik

Klassiker der Moderne

Das Parktheater im Kurhaus Göggingen bietet, unter anderem, auch ein breites Programm an klassischen Veranstaltungen
Renate Baumiller-Guggenberger
Klassik

Ergreifend!

Die 80 jungen Musiker*innen unter der Leitung von Carolin Nordmeyer bewiesen im Kongress am Park überaus eindrucksvoll, dass sie solistisch brillieren und im »tutti« musikalische Spannungskurven von der ersten bis zur letzten Sekunde auf höchstem Niveau zu halten vermögen. 

Renate Baumiller-Guggenberger
Klassik

Musikalische Sterneküche

Zum sommerlichen Finale kredenzt die Bayerische Kammerphilharmonie ein gut durchkomponiertes Menü.