Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.
Augsburgs fantastische Bergwelt
Grenzgänge der bildenden Kunst bei »Augsburg Contemporary« und »mjuz art salon«.
Sieben Jahre Transformation auf 20 Quadratmetern: Das Fenster zur Bergstraße kennt nur radikalen Wandel – als lokale Spitze eines weltweit aktiven Kunst-Eisbergs,
rastlos geformt vom gebürtigen Bremer Andreas Stucken. In seiner aktuell kuratierten Gögginger Ausstellung Organic Feeling Terrain ruft ganz konkret der Berg: Das monumentale Herzstück aus der Hand des Münchner Künstlerduos Barbara Herold und Florian Huth sendet photogrammetrische Gipfelgrüße nach draußen.
Vom Aufbruch in die Postdigitale kündet das wissenschaftlich spröde, erst auf den zweiten Blick organisch erfüllte Arrangement. Seine wahren Dimensionen erschließen
sich durch Positionswechsel oder digital – ein gedrucktes Herbarium sprießt üppig in 3D.
Fotograf Huth lässt Maschinen kritzeln, während Herold die Todeszone klassischer Drucktechniken ausreizt: Ihre filigranen Farblithografien beeindrucken ebenso durch
Brillanz und Tiefenwirkung wie ihr hinter Glas gezogener Dschungel. Was auf exakten Daten basiert, umspielt Grenzen des Realen, Surrealen bis Irrealen, kreiert alternative Wirklichkeiten, lässt Kunst mit Wissenschaft fusionieren.
Zur Finissage am 11. Juli um 15 Uhr bietet ein Artist Talk vertieften Einblick in das Werk von Herold & Huth. Bis dahin kann die Ausstellung jeweils freitags und samstags
von 14 bis 17 Uhr besucht beziehungsweise im Fenster an der Bergstraße 11 jederzeit betrachtet werden.
An denselben Tagen, jeweils eine Stunde länger, ist Bitter Sweet im neuen »mjuz art salon« geöffnet: Direkt ums Eck, im hellen Souterrain der Aichingerstraße 2, heißt Maximiliane Umlauf Kunstinteressierte willkommen, am liebsten jüngeres Publikum. Aktuell beleben Sommerfarben das jugendstilige Shabby Apartment mit insgesamt fünf künstlerischen Positionen. Vier Künstlerinnen und ein »Hahn im Korb«, Jahrgang 1966 bis 1998, präsentieren ihren sinnenfroh-nachdenklich stimmenden Mix lebender, unbelebter sowie fantastischer, stets körpernaher Sujets.
Queere Akte von Luca Nenning wirken in ihrer Blauverliebtheit vom kürzlich verstorbenen David Hockney inspiriert, dabei überzeugen sie durch autarken, expressiven Duktus in Pastellkreide. Die mit 5.500 Euro teuerste Arbeit liefert Karla Marchesi, langjährige rechte Hand Martin Eders, in verwandt raffinierter Malweise, die ein britischer Galerist mit »nihilistischen Zuckerfieberträumen« verglich. Sinnliche Details ihrer Formensprache finden sich zufällig wieder in den psychedelischen Schmuckstücken der Dänin Nanna Grønborg, deren liebenswerte Kleinplastiken auch den Raum erobern. Mittel- bis großformatige Fotografien
der Ecke-Kunstpreisträgerin Laura Lacrampe sowie ihrer ebenso jung renommierten Münchner Kollegin Julia Walk setzen raumgreifende, performative Farbsignale. Lacrampes fragile Ver- und Enthüllungen gastierten u. a. bereits beim »fotodiskurs «, dem dritten, dienstältesten Fixpunkt im »Berg-muda-Dreieck«, während Walks pralle, von greller Zuckercouleur triefende Gliedmaßendetails vor allem in der Landeshauptstadt Aufsehen erregten.
All diese frivol-konsumkritischen Werke wollen ebenfalls bis zum 11. Juli mit Blicken vernascht, gerne auch käuflich erworben werden. Im September, verrät Maximiliane Umlauf, soll eine dunkelromantische Schau starten. Alles schwarz? Wir sind gespannt!
▶ www.augsburg-contemporary.de
▶ www.mjuz-art.de
▶ www.fotodiskurs.de