Formen die Leuchten
Manchmal beginnt eine Ausstellung mit einer Anekdote aus dem Sandkasten.
Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.
Im Zentrum von Trögers künstlerischer Arbeit steht das Zusammenspiel von Form, Farbe und räumlicher Wahrnehmung. Dabei bewegt sie sich souverän zwischen
den Medien: Malerei, Fotografie, Collage und Objekte fließen ineinander. Ausgangspunkt ist häufig die Architekturfotografie, mit der sie Formen und Konstruktionen im öffentlichen Raum einfängt. Diese Eindrücke überträgt sie anschließend in ihre Malerei – allerdings nicht auf direktem Weg. Stattdessen dekonstruiert sie das Gesehene, um es in neuer Form wieder zusammenzusetzen.
Besonders eindrücklich zeigt sich das Zusammenspiel der Formen in der Farbauswahl. Tröger kombiniert Töne, bei denen man zunächst nicht vermutet hätte, dass sie harmonieren – und erzeugt so überraschende räumliche Tiefen. Wie unterschiedlich Farbkompositionen wirken können, lässt sich in der Ausstellung besonders gut nachvollziehen, da die Arbeiten in Paaren präsentiert werden: Zwei Werke, jeweils mit völlig eigener Farbsprache, entfalten im Raum ganz unterschiedliche Wirkungen.
Eine weitere Ebene fügt Tröger mit dem Einsatz fluoreszierender Farben hinzu. Unter UV-Licht entfalten diese Elemente eine strahlende Leuchtkraft und drängen sich regelrecht in den Vordergrund, während die übrigen Farbflächen zurücktreten. So erhalten die Werke eine verborgene Nachtseite, die sich erst bei genauerem Hinsehen – oder eben bei entsprechender Beleuchtung – offenbart.
Dieses Spiel mit unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen macht den Besuch zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Hinzu kommt die sorgfältige Kuration: Die Werke fügen sich so selbstverständlich in die Räumlichkeiten des Kunstraums Leitershofen ein, dass man meinen könnte, sie seien eigens dafür entstanden. Eine klare Empfehlung – noch bis zum 11. Oktober zu sehen.
Weitere Informationen unter: www.kunstraum-leitershofen.de