Theater & Bühne

In Büchern steckt die ganze Welt

Cornelia Funkes Erfolgsroman »Tintenherz« ist das aktuelle Familienmärchen zur Weihnachtszeit des Staatstheaters. Es ist spannend, düster, lustig und voller Liebe.

»Bücher müssen schwer sein, weil die ganze Welt darin steckt«, sagt die zwölfjährige Meggie (Rebekka Reinholz) fröhlich ins Publikum, denn die Protagonistin des Stücks liebt, genauso wie ihr Vater Mo (Thomas Prazak), Bücher über alles. Sie hat zig Bücher, bleibt immer viel zu lange wach, um zu lesen und versinkt vollkommen in die fantastischen Geschichten. Ihr Vater repariert alte und beschädigte Bücher mit viel Hingabe – vorlesen möchte er ihr jedoch nicht, aber warum denn nicht? Eines Tages steht der finstere Staubfinger (Paul Langemann) bei ihnen vor der Tür und warnt die beiden eindringlich vor einem Bösewicht namens Capricorn (Pascal Riedel), der es auf ein ganz besonderes Buch aus Mos Sammlung abgesehen hat: »Tintenherz«. Hals über Kopf flieht der Vater mit seiner Tochter und mit Staubfinger im Schlepptau zu seiner Tante Elinor, die in einem Haus voller Bücher lebt. Aber auch dort scheinen die drei nicht sicher zu sein und Capricorns drei Helfer Basta (Julius Kuhn), Flachnase (Anatol Käbisch) und Fulvio (Kai Windhövel) können Mo, gemeinsam mit seinem scheinbar sehr wertvollen Buch, gefangen nehmen. Meggie, Elinor und Staubfinger bleiben aber nicht untätig und begeben sich in Capricorns Reich, um den Vater zu retten. Langsam lüftet sich Mos Geheimnis und das Abenteuer zieht Protagonist*innen und Publikum hinein in eine fantastische Welt.

»Tintenherz« ist voller Abenteuer, Spannung und vor allem Witz. Die bei der Premiere anwesenden Kinder können sich manchmal kaum auf dem Stuhl halten vor lauter Lachen. Tante Elinor treibt einem Tränen in die Augen und auch die drei finsteren, aber dusseligen Ganoven Basta, Flachnase und Fulvio sind schrecklich komisch. Manchmal wird es im Theatersaal aber ganz ruhig, zum Beispiel als der böse Capricorn auftaucht. Wie eine Ausgeburt der Hölle mit Hörnern auf dem Kopf, langen krallenartigen Fingernägeln, ganz in Rot gekleidet und mit verzerrter Stimme, scheint er vielen Kindern Angst zu machen. Auch seine Helferlein sind schaurige Gestalten, verlieren aber im Laufe des Stücks durch ihre Tollpatschigkeit an Ernsthaftigkeit und schon bald lachen die Kinder mit den drei Bösewichten oder auch über sie.

Das Buch von Cornelia Funke verliert in der Augsburger Inszenierung von Teresa Rotemberg nicht an Magie und Intensivität. Es geht um die Liebe zum Lesen, der Liebe zu Büchern. Diese Liebe ist fast ansteckend und genau diesen Effekt kann man sich für das (junge) Publikum nur wünschen. Gerade in der jetzigen Zeit bereitet das Ein- bzw. Abtauchen in andere Welten, das gemeinsame Lachen und Abenteuer erleben, viel Freude. Das Stück ist daher nicht nur für die Jüngsten (das Stück ist ab 8 Jahren empfohlen), sondern für die ganze Familie zu empfehlen, denn um zum Schluss noch den großväterlichen Schriftsteller Fenoglio aus »Tintenherz« zu zitieren: »Oh, ich glaube die verrücktesten Geschichten, solange sie nur gut erzählt werden.«

www.staatstheater-augsburg.de

 

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