Klassik

Anrührend, anregend und ein klein wenig ausgeflippt!

Das 8. Sinfoniekonzert setzte unter Leitung von GMD Héja weit mehr als nur einen »Orgelpunkt«.

Im endlich wieder vollbesetzten Kongress am Park wurde die Hörerschaft mit der Orchestersuite Nr. 3 D-Dur von J.S. Bach, der Uraufführung von Wolf Kerscheks »Kantate für Trompete, Orgel und Orchester« sowie Camille Saint-Saens 1886 komponierter »Orgelsinfonie« abwechslungs- und genussreich in die Sommerpause entlassen.

Mit der Auftragsvergabe an Wolf Kerschek (*1969) waren die Augsburger Philharmoniker definitiv kein Risiko eingegangen. Nicht zuletzt, da seine »Kantate für Trompete, Orgel und Orchester« in Feinabstimmung und im intensiven Vertrauen auf die Experimentierlust und das exorbitante spieltechnische Können des goldglänzenden Klangjongleurs Matthias Höfs (der hier bereits mehrfach gastierte) und des Orgelvirtuosen Christian Schmitt entstanden war.

Seit 2004 leitet Wolf Kerschek den Studiengangs Jazz an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, unterrichtet Komposition, Theorie und Ensemble, orchestriert, dirigiert und schreibt maßgeschneiderte Arrangements für Bigband- und Orchesterproduktionen ebenso wie für Stars der Pop-, Jazz- und Klassikszene. Im Kern sieht sich Kerschek als Weltmusiker und seine kompositorische Mission nicht zuletzt darin, den Künstler*innen über seine in unterschiedlichen Traditionen verwurzelte Tonsprache, die Umgebung zu schaffen, in der sich deren Potential und Kreativität bestmöglich entfalten können. Selbst wenn diese sich - wie an diesem Abend mehrfach demonstriert - spieltechnisch austoben und bestehende Limits mit rasanten Lagen- und Instrumentenwechseln und dank der einfach nur verblüffenden Meisterschaft kühn aushebeln, steht pure Effekthascherei nie vor musikalischem Tiefgang.

Das funktionierte einmal mehr in der sechssätzigen Kantate, die Kerschek auch als Referenz auf die abrupten Brüche und schnellen Schnitte unseres Social-Media-Zeitalters betrachtet. In dem neben Trompete und Orgel ausschließlich mit Streichern und opulentem Schlagwerk (das nicht allein in den Loops und Hooklines des 5. Groove Choral-Satzes mächtig abräumte) besetzten Werk hörte man klassisch dosiert melodiensatte Flügelhorn-Balladen, sorgte James Bond-Feeling für Spannung, huldigte die rein mit den Füßen gespielte Pedal Aria dem zuvor in der Orchestersuite bereits im Bewusstsein verankerten Musikgott Bach, bauten die filmmusikalisch inspirierten Emotionen und Romanzen die klanglichen und rhythmisch raffinierten Brücken ins musikalische, ab und an gar leicht ausgeflippt wirkende Abenteuer.

Nach dem euphorischen Beifall ließen Höfs und Schmitt erst einmal einen ganz besonderen, auch von Kerschek angestrahlten »Mond« aufgehen, ehe man sich nach der Pause tief versenken durfte in den überschäumenden, vom grundierenden Orgelrauschen beseelten, weltumspannenden Kosmos von Camille Saint-Saens. Dies fiel umso leichter, als die Augsburger Philharmoniker sich von der auch körperlich vermittelten Passion und dem Elan ihres GMD Domonkos Héja anstecken ließen und diese Reise zum beglückenden sinfonischen Triumphzug und damit unvergesslich machten!

 

Foto: Jan-Pieter Fuhr

www.staatstheater-augsburg.de

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