Club & Livemusik

»Aufgebn werd am Schluss!«

Renate Baumille...
19. Juli 2021

Mit einem sehr persönlichen, auch von der Corona-Erfahrung beeinflussten Solo-Programm »Bei mir« erfüllte sich der charismatische bayerische Liedermacher und TV-Moderator Werner Schmidbauer (»Gipfeltreffen«) kurz vor seinem 60. Geburtstag und nach langer Zeit im Duo mit Martin Kälberer das Bedürfnis, alleine auf der Bühne zu stehen. Am Sonntag gastierte er mit einer Doppelvorstellung im gut besuchten Parktheater.

Glücklich darüber, dass mit Theaterleitern wie Stefan Weippert jetzt im wunderbaren Ambiente des Parktheaters überhaupt wieder Live-Konzerte stattfinden können, schluckte Schmidbauer gerne die »Kröte« des Doppel-Auftritts. So erreichte er immerhin eine Kapazität von zweimal rund 140 Hörer*innen, die ihm und seinen ausgewählten alten und neu überarbeiteten Liedern konzentriert, bisweilen gerührt oder auch amüsiert lauschten und Beifall spendeten.

Im 60-Minuten-Konzert erreichten seine emotionalen Balladen und nicht weniger die inspirierenden Über-und Einleitungen zu den Liedern oft erfüllende Gipfel-und Höhenlagen, berührten Hirn und Herz seiner Hörerschaft und bestärkten den festen »Glauben« an das Gute im Menschen. Allerdings gingen immer wieder mal wesentliche Textstellen aufgrund des »gnadenlos« bairischen Dialekts und/oder einer nicht ausreichend transparenten Verstärkung und/oder der Raumakustik verloren…

Wer Schmidbauer von Auftritten mit Martin Kälberer und damit mit klanglich raffinierter und musikalisch vielseitiger Bereicherung oder vom Mega-Erfolgsprojekt »Süden 1 und 2« mit Pippo Pollina kennt, musste sich doch erst ein wenig reinhören in den Solo-Auftritt. Dann ließen sich Stimme, Gitarre(n) und/oder Mundharmonika - wie etwa im bereits 1980 und vom Münchner Jazzfestival und »Chuck Berry« angeregten gleichnamigen Song –mit der Essenz von klarer Botschaft und exzellentem Gitarrenspiel genießen. Das Nachdenklich, das Intime, das Unaufgeregte und das durch und durch Natürliche, das den erfahrenen Macher und seine Lieder wie »I glaub«, wie »Momentnsammler«, wie »Glück g’habt« oder auch »Richtung Süden« auszeichnen, das ein im Jubel-Jodler kulminierendes Berg-Glück wie in »Heroben« prägt, all das steht charakteristisch für den unverschämt jung gebliebenen Werner Schmidbauer, der die Menschen mit-und für sich einnimmt.

Immer ehrlich, mit unverkrampftem Tiefgang, feinem Humor und der nötigen Portion Selbstkritik, spricht er über sich und kleidet seine tolerante und durchaus spirituelle Weltsicht in Melodien und Rhythmen, die bewegen und anregen. Inspiriert vom indischen Yogameister-Spruch »If you can‘t go outside, go inside« hat er offenkundig die pandemische Künstlerpause kreativ genutzt, um all sein bisheriges Schaffen zu bündeln und zu aktualisieren. Vielleicht stand ihm dabei einmal mehr sein Vater mit gutem Rat zu Seite, den er früh verlor, der ihm die Liebe zum Berg nahe brachte und dem er im wunderschönes »Die Liachtֿ« ein sehr besonderes musikalisches Gedenken komponierte. Werner Schmidbauer ist also allemal ein inspirierender Künstler und Mensch, der seine Art der Solidarität mit Kolleg*innen, die durch Corona in Notlagen gerieten, nicht nur, aber auch mit dem Verkauf von handgefertigten Armbändern zum Ausdruck bringt, die ähnlich wie seine CDs im Anschluss ans Konzert auf großes Interesse stießen.

Weitere Termine der Solotournee auf www.wernerschmidbauer.de

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