Dasein

Beinahe ein Wunder

a3kultur-Redaktion

Das nagelneue UBZ (Umweltbildungszentrum) im Augsburger Siebentischwald möchte den Menschen Zusammenhänge näherbringen. Dass dieses Vorzeigeprojekt im April – mit einigen Störgeräuschen aus dem Hintergrund – an den Start gehen konnte, ist auch ein Beispiel für das Zusammenwirken von positiven und negativen Kräften. So wurde vom Freistaat 2022 überraschend die Förderung für die Einrichtung der Umweltstationen gestrichen.

Um einen eigenverantwortlichen Umgang mit der Umwelt und ihren natürlichen Ressourcen anzuregen, entstand in den 1970er-Jahren die Idee der Umweltbildung. Inzwischen hat sich dieses Konzept deutlich weiterentwickelt, sodass man heute von »Bildung für nachhaltige Entwicklung« spricht. Das Naturbewusstsein soll geschärft werden, damit Menschen sich als Teil der Umwelt erleben und verstehen, dass jedes Handeln Wirkung hat.

Ich spreche mit Norbert Pantel, zuständig für die Koordination von Bildung für nachhaltige Entwicklung im Umweltbildungszentrum Augsburg (UBZ). »Nachhaltiges Handeln orientiert sich an vier Nachhaltigkeitsdimensionen«, erklärt er. Alle auch fest verankert in den Zukunftsleitlinien der Stadt Augsburg.

Gesamtgesellschaftliche Aufgaben

Das UBZ soll dabei helfen, die Zukunft nachhaltiger zu gestalten. Folgerichtig ist es sowohl ein gelungenes Beispiel für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen wie auch für die naturnahe Gestaltung von 3.000 Quadratmetern Garten- und Grünflächen. Für den vorbildlichen Umgang mit Ressourcen und Materialien wurde das UBZ vom Bezirk Schwaben mit dem Architekturpreis  ausgezeichnet, der dieses Jahr erstmals verliehen wurde. Der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V. ist Träger der Umweltstation und Betreiber des UBZ. Die Stadt Augsburg ist Bauherrin und Eigentümerin.Verantwortung trägt hier das Umweltreferat.

Das UBZ befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Botanischen Garten auf einem Grundstück des Amts für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen. Das Außengelände wird in Zukunft Ausschnitte der Augsburger Natur- und Kulturlandschaft wiedergeben und mit neu gedachten, urbanen Gartenelementen versehen.

Die Grundidee ist, dass alle Institutionen und Personen, deren Anliegen mit Bildung, Nachhaltigkeit und Kultur zu tun haben, die Seminarräume im UBZ für ihre Veranstaltungen nutzen können. Ganz klassisch wäre einerseits ein Vortrag des Naturschutzverbandes zur Erhaltung der Schmetterlingsartenvielfalt in den Lechheiden. Andererseits könnte das aber auch ein digitaler Workshop sein – wenn der Gleichberechtigung und Fairness vermittelt, um digitale Teilhabe zu schaffen.

»Vernetzung lässt sich nicht planen«, sagt Pantel. »Sie entsteht oder entsteht nicht. Man muss sehen, welche Diskurse sich entwickeln und wie man sie transparent und zugänglich machen kann. Wir werden versuchen, diese zu ermöglichen. Durch diesen Ort der Begegnung soll Verständnis für unterschiedliche Positionen geschaffen werden, um dabei zu helfen, Verwerfungen auszuräumen«.

Durch die geschwungenen Stampflehmwände mit betonartiger Optik, viel Holz und Glas entstehen lichte Räume, warm und hell. Sehr gelungen das multifunktionale Raumkonzept: Die 1.000 Quadratmeter große Grundfläche des Gebäudes ist in vier Funktionsbereiche gegliedert. Das zentrale Foyer für Dauer- und Wechselausstellungen, zwei koppelbare Seminarräume, eine angrenzende Lehrküche und multifunktionale Räume für Workshops, Vorträge oder Gruppenarbeiten sowie Büro-, Technik- und Lagerräume mit einer kleinen Werkstatt.

Seminare, Catering, geschlossene Veranstaltungen

Veranstalter im UBZ wird einerseits die Umweltstation sein. Andererseits können Akteure und Institutionen von außen die Räumlichkeiten mieten. Allerdings steht die Raummiete derzeit noch nicht fest.

Die Lehrküche mit zwei Kochstellen kann man mit bis zu zehn Personen nutzen. Kurse, Catering, geschlossene Veranstaltungen – alles ist denkbar. Die Innenausstattung erfolgt schrittweise. So kommt die Erstausstattung vom Landschaftspflegeverband mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt Augsburg. »Bis zur Komplettausstattung ist es aber noch ein weiter Weg«, bedauert Pantel, »diese muss über zusätzliche Fördermittel und Sponsoren finanziert werden«. Zuständig ist einerseits das Referat für Nachhaltigkeit, Umwelt, Klima und Gesundheit. Andererseits fällt jedoch das Referat für Finanzen, Stiftungen und Forsten die Entscheidung, ob die beantragten Mittel zur Verfügung gestellt werden oder nicht.

»Ausschlaggebend sind nicht immer die bloßen Bedürfnisse. Vor jedem Vorhaben steht ein komplexer Prozess, bei dem sich am Ende alle Beteiligten weitgehend einig sein müssen. Das kostet Zeit«, erklärt Norbert Pantel und fügt an: »Dafür wünschen wir uns Verständnis.«

Erschwert wurde die Situation, als im September 2022 klar wurde, dass die Förderungen für die bayerischen Umweltstationen auf der roten Liste des Freistaates auftauchten und ersatzlos gestrichen wurden.

»Das war ein herber Schlag!«, so Pantel. »Wir mussten nach alternativen Fördermitteln suchen.«

Doch es geht voran. Eine pädagogische Fachkraft für Klima- und Ressourcenschutz wurde nach der Ausschreibung bereits gefunden und wird in Zukunft die entsprechenden Veranstaltungen planen und durchführen. Auch die Stelle der pädagogischen Fachkraft für Wasserthemen ist jetzt besetzt.

Das Umweltbildungszentrum ist öffentlicher Raum

Das UBZ soll so offen wie möglich sein. Mittelfristig sind die Öffnungszeiten in Anlehnung an die Öffnungszeiten von Zoo und Botanischem Garten geplant. Bis es so weit ist, kann es aktuell nur im Rahmen von Veranstaltungen besucht werden.

Norbert Pantel, der seit der Gründung der Umweltstation 2007 dabei und seit eineinhalb Jahren an der Realisierung des Bauprojekts beteiligt ist, sieht eine wesentliche Aufgabe seines Teams darin, das Haus mit vielfältigen Veranstaltungsformaten zu füllen, um brisanten Umweltthemen Raum zu geben und die Augsburger*innen zu animieren, noch nachhaltiger und eigenverantwortlicher zu agieren. Seine Stelle ist projektunabhängig finanziert. Das heißt, er ist dort zur Stelle, wo er gebraucht wird, und kann seine Zeit dort einsetzen, wo es nötig ist. »Mit Blick auf die globalen Krisen muss man wahnsinnig froh sein, dass alles bereits so weit fertig ist«, meint er und fügt an: »Auch dass die Finanzplanung von 6,7 Millionen Euro mit den tatsächlichen Ausgaben von 7 Millionen Euro beinahe eingehalten wurde, gleicht bei den erschwerten Bedingungen, die seit 2020 herrschen, beinahe einem Wunder.«

 

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