Theater & Bühne

Besorgte Kurärztin wird zur Volksfeindin

Gastautor

Auf der Brechtbühne im Gaswerk wird das Schauspiel »Ein Volksfeind« von Henrik Ibsen mit Katja Sieder in der Hauptrolle gezeigt.

»Ich halte den Einsamen für den Stärksten«, schrieb Henrik Ibsen. Regisseur David Ortmann und sein Team reduzierten die Zahl der Spieler*innen auf sieben und konfrontieren mit heutigen Problemen. Das Bühnenbild zeigt ein umzäuntes Achteck und im Hintergrund auf einer milchglastrüben Wand Palmenblätter.

Die Kurärztin Frau Dr. Stockmann (Katja Sieder) ist auf einer brisanten Spur. Das Wasser des Kurbades ist verseucht: »Unsere Quelle ist ein Pestloch. Unser ganzer Aufschwung ist eine Lüge.« Redakteur Hovstad (Kai Windhövel) will ihren Artikel in der »Volksstimme« veröffentlichen. Der Bruder der Ärztin,  Peter Stockmann (Julius Kuhn), ist Bürgermeister der Stadt und damit auch Chef seiner Schwester: »Du bist eine notorische Querulantin. Allein durch das Bad hat unsere Stadt eine Zukunft.« Die hohen Kosten der Sanierung müssten umgelegt werden. Seine Schwester setzt auf einen Aufstand in der Stadt: »Die Leute müssen mit entscheiden.« Auch der Verleger Aslaksen (Paul Langemann) pflichtet ihr zunächst bei.

Morten Kiill, Frau Stockmanns Schwiegervater (Klaus Müller), warnt sie. Mäßigung sei die erste Bürgerpflicht. Dr. Stockmann geht es um unsere ganze Gesellschaft: »Die da oben gehören weggefegt.« Der gefährlichste Feind von Wahrheit und Freiheit sei die bürgerliche Mitte, »die verfluchte, kompakte, liberale vermeintliche Mehrheit«.

Inzwischen hat der Bürgermeister alle außer seiner Schwester auf seine Seite gezogen. Es folgt eine Bürgerversammlung vom Achteck aus. Die Spieler*innen sprechen ins Publikum. Die Männer wenden sich gegen die Sanierung des Bades. »Ihr geht es um eine Revolution.« Frau Stockmann spricht in ein Mikrofon. Als ihre Argumente immer schärfer werden, wird das Mikrofon nach oben gezogen. Sie ist damit mundtot gemacht und radikalisiert sich: »Diese Gesellschaft muss dem Erdboden gleichgemacht werden.« Ihr wird fristlos gekündigt. Ihre Tochter Petra (Sarah Maria Grüning): »Alles kaputt«. Morten Kiil informiert, dass er billige Kurbad-Aktien gekauft und eine Stiftung gegründet hat. Dr. Stockmann spricht von einer Schule für Freie Kinder und geht. Am Ende läuft Wasser auf die Bühne.

Anhaltender Applaus für eine empfehlenswerte Aufführung, teils vermischt mit Beklemmung durch die Aktualität des Stücks.

 

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