Theater & Bühne

Brecht am Bayernkolleg

Gastautor

Junge Erwachsene und ihre Sicht auf Augsburgs großen Sohn.

Der rote Vorhang bewegt sich langsam zur Seite, hinter ihm erscheint eine Backsteinwand, in deren Mitte eine Leinwand prangt, vier schwarz gekleidete Moderatorinnen betreten die Bühne und führen das Publikum durch den Abend »Brecht am Bayernkolleg« – eine Szenerie, die auch dem großen Dichter und Dramatiker gefallen hätte, der sich in seinen Werken stets für die Unterdrückten und die Rechte der Arbeiterklasse einsetzte. 

Unter dem Titel »Heimat-Fremde-Exil« präsentieren die engagierten Schüler*innen in theatralen, musikalischen, filmischen und literarischen Beiträgen, wie sie Brecht heute wahrnehmen – kurzweilig, unterhaltsam und lustig, aber stets mit einem ausgeprägten Sinn für Ernsthaftigkeit. Wir lauschen Gedichten, Einlagen von Chor und Schulband und kommen in einem unkonventionellen Stadtrundgang am Plärrer, im Goldenen Saal und an anderen Augsburger Sehenswürdigkeiten vorbei, die auch Brecht in seiner Jugend hier begegnet sind.

In einem nachdenklich stimmenden Fragment behandelt die Schülerschaft performativ die Frage, was Heimat eigentlich bedeutet. Genau wie bei Brecht vor vielen Jahrzehnten, sind auch im Bayernkolleg, einem Ort vielfältiger Nationalitäten, die Themen Flucht, Vertreibung und Angst sehr präsent. Den emotionalen Höhepunkt erreicht der Abend mit einem Kurzfilm über junge Geflüchtete, die in berührenden Interviews offen über ihre Gefühle ohne Heimat im Hier und Jetzt sprechen. In Deutschland und vor allem im Bayernkolleg haben sie einen Zufluchtsort gefunden.

Genau aus diesem Grund ist die Pädagogische Hochschule in der Schillstraße nach Umbau und Sanierung im letzten Jahr eine geeignete Adresse für viele weitere Kulturevents, was Veranstalter Kurt Idrizovic, der dort selbst Abitur machte, beteuert: »Es gibt keine Schule in Augsburg, die solch einen Abend machen könnte. Das Bayernkolleg ist eine Schule mit Courage, ohne Rassismus und mit Schüler*innen, die Brecht großartig in unsere Welt übertragen haben.« 

Die Veranstaltung am 8.2. war nur der Anfang, viele weitere sollen folgen, um das Bayernkolleg in Augsburg sichtbarer zu machen, ganz gemäß dem brechtschen Motto: Ändere die Welt, sie braucht es.

 

Das Bayernkolleg Augsburg ist eine staatliche Bildungseinrichtung zum Nachholen der Hochschulreife (Vollabitur). Über diesen »Zweiten Bildungsweg« können unter anderem alle, die eine Lehre abgeschlossen haben oder schon im Berufsleben tätig waren, innerhalb von drei Jahren das Abitur erwerben und danach ganz normal ein Studium aufnehmen. 

Gegründet wurde das Kolleg 1966. Ende 2023 konnten die Räumlichkeiten der renovierten und sanierten ehemaligen Pädagogischen Hochschule als neues Bayernkolleg bezogen werden.

Das Kolleg lebt von der kulturellen Vielfalt der Schüler*innen und gilt als »Schule ohne Rassismus« und »Schule mit Courage«. Seit 2024 finden dort auch wieder kulturelle Veranstaltungen statt, die diese Diversität und die persönlichen Lebensgeschichten der Schüler*innen mit einbeziehen, wie zum Beispiel »Brecht am Bayernkolleg«.

Das könnte Sie auch interessieren

Martina Vodermayer
Theater & Bühne

Lasst uns in Ruuuuuhe!

Uraufführung zum Brechtfestival: Die Junge Bürger*innenbühne des JTA präsentiert ihr Stationstheater »WUUUUUT« mit acht Jugendlichen und Vielem, was sie wütend macht.
a3kultur
Theater & Bühne

Zimmer, Kotze, Bad

Das Theaterstück von Catalina Navarro Kirner feiert am Samstag, 24. Februar (19:30 Uhr) seine Premiere im Sensemble Theater.
a3kultur
Club & Livemusik, Theater & Bühne

Brecht Breaks

Mehr Musik! bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich Brecht auf besondere Art anzunähern.