Charmeoffensive mit Oboe
Der Oboen-Virtuose Francois Leleux leitete am Freitagabend im Kongress am Park das »Chamber Orchestra of Europe« und verblüffte sein Publikum als geistreicher Arrangeur und exzellenter Solist nicht allein mit Arien aus der Mozarts Oper »Die Zauberflöte« und »Don Giovanni«.
Leider war es doch schon das Final-Wochenende des Mozartfests, das sein »State of The Art«-Versprechen mehrfach auf höchstem Level eingelöst hatte. Im nahezu ausverkauften Kongress am Park blies dem begeisterten Publikum diesmal wirklich »heißer« Virtuosen-Wind entgegen – geschuldet dem profunden Können eines Interpreten, der seinem sonst als extrem heikel bekannten Instrument alles Tückische ausgetrieben zu haben schien.
Kein Wunder, stand mit dem Franzosen Francois Leleux (*1971) ein ebenso renommierter wie raffinierter Musiker auf dem Podium, der bereits als 18-Jähriger Erster Solo-Oboist an der Pariser Bastille-Oper wurde, 1991 beim Internationalem Musikwettbewerb der ARD den 2. Platz in der Kategorie »Oboe« belegte, um dann zwölf Jahre die Solo-Stelle im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu besetzen. Danach nahm er die Professur an der Münchner Musikhochschule an und trieb seine Solisten-Karriere voran, die ihn weltweit in renommierte Konzerthäuser führt. Ein Energiebündel wie Leleux, der viele Jahre selbst als Mitglied im 1981 gegründeten »Chamber Orchestra of Europe« war, packte auch noch eine nicht minder erfolgreiche Dirigenten-Karriere drauf. Toll, dass man in Augsburg jetzt von beidem, bzw. beides gemeinsam in harmonischer Verschmelzung kosten durfte und dieses musikalische Menü dank der legendären Klangkultur des »Chamber Orchestra of Europe« zum 3-Sterne-Genuss wurde.
Eine derartige Fusion ist nicht ganz alltäglich und sorgte für bemerkenswerte Momente, u.a. indem Leleux das anspruchsvolle Gesamtprogramm mit immerhin fünf Werken aus der Feder von vier Komponisten - u.a. die selten und selten so präzise und ausbalanciert, so spannungsreich gestaltete Haydn-Sinfonie Nr. 22 Es-Dur – komplett auswendig dirigierte bzw. interpretierte. Auch der choreografisch perfekt absolvierte Wechsel von Solisten-Position mit frontaler Zuwendung gen Saal und Dirigenten-Position mit Blickrichtung ins Kammerorchester mutete sportlich an und verursachte unwillkürlich das eine oder andere Schmunzeln beim Publikum. Selbstbewusst und charmant lud Leleux die Kolleg*innen im Orchester, die allesamt über Solistenpotential verfügen und seinem pultfreien künstlerischen Drive volles Vertrauen schenkten, gemeinsam mit den Hörer*innen zum Bravourtänzchen. Er zauberte mit seiner Oboe ganz im Sinne Mozarts, bezirzte als flatterhafter »Vogelfänger«, betörte mit raffinierten Verzierungen in der Arie »Dies Bildnis ist bezaubernd schön« und berührte mit »Alles fühlt der Liebe Freuden«. Als hätte Mozart von Anfang an die Oboe und nicht die Singstimmen im Kopf gehabt – dies galt in hohem Maße auch für die Dreingabe mit der unvermeidlichen »Der Hölle Rache«, die bei den Koloratursängerinnen für Neidanfälle sorgen dürfte. Frech-übermütig und risikobereit, sinnlich-lyrisch und kantabel: Wieviel Musik, welche Opulenz und dynamische Spannweite, wie viele klangliche Finessen in einer Oboe verborgen sind, wenn man sie so zu spielen vermag! Das spiegelte Francois Leleux nicht zuletzt im »Oboenkonzert in c-Moll« von Domenico Cimarosa, das die Hörer*innen über die virtuosen Solo-Passagen hinaus mit seinem galanten, melodiösen Frühklassik-Flair für sich einzunehmen wusste. Und auch weil Mozartfest war, erfreute zum Programmfinale die elegante C-Dur-Sinfonie Nr. 28, die bewusst ein wenig gegen den Mozart-Strich gebürstet wurde und einmal mehr das Potential raffiniert und trennscharf ausgestalteter Dynamik verdeutlichte. Das »Presto« des letzten Satzes erwiderte ein fasziniertes Publikum mit hymnischem Beifall!
Foto: Fabian Schreyer
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Die 80 jungen Musiker*innen unter der Leitung von Carolin Nordmeyer bewiesen im Kongress am Park überaus eindrucksvoll, dass sie solistisch brillieren und im »tutti« musikalische Spannungskurven von der ersten bis zur letzten Sekunde auf höchstem Niveau zu halten vermögen.