Glücksverlangen, Schuldverstrickung, rettende Befreiung
Das Staatstheater Augsburg spielt im Martini-Park die Oper »Faust – Margarethe« von Charles Gounod.
Zu Beginn eine weiße Wand mit der Aufschrift: FAUST. Der singt: »Nichts bringt mir Trost«. Er will sterben. Durch einen Engelchor schöpft er Hoffnung, ruft Satan, will von ihm die Jugend zurück. Tanz zum Walzer: »Triebe, Rausch, bis wir atemlos zu Boden sinken«. Die geilen Männer begrapschen Margarethe, kreisen sie ein.
Auf einem Video läuft Margarethe durch Augsburg. Mephisto führt Faust in ihre Kammer. Im Hintergrund zeigt das Video Fausts Vorstellung von ihren Vorbereitungen für die Nacht. Am Höhepunkt des dritten Aktes ist Faust mit seiner Begehrten zusammen. Die beiden verlieben sich: »Ewig, ewig, ewig«.
Der 4. und 5. Akt stehen ganz im Zeichen von Margarethe, ihr Name steht nun auf der weißen Wand. »Er kommt nicht zurück«, klagt sie. Siebel, eine Freundin, will sie trösten.
Margarethe hat ihr Kind aus Angst ertränkt. »Niemand kann mich abhalten, für mein Kind zu beten«. Dann: »Der Hexensabbat wartet auf uns«. Frauen demonstrieren gegen jegliche Diskriminierung mit Schildern. Sie fordern: »Mein Bauch gehört mir«, »I'm a woman, no object«.
Schließlich kommt es zum Kampf zwischen Margarethe und dem Teufel. Sie will beten, er ruft die Dämonen, sie zu plagen und verdammt sie. Dafür verwandelt er den Tisch zum Anti-Altar und geriert sich selbst als Priester: eine schwarze Messe. Margarethe: »Herr, erhöre die Bitten eines unglücklichen Herzens«. Mephisto: »In die Hölle mit dir«.
Im Schlussbild schreibt Margarethe ein großes NEIN an die Wand. Faust kommt: »Reue quält mich«. Mephisto drängt zur Eile. Margarethe: »Der Dämon!« und »Reiner strahlender Engel, trag mich zum Himmel«. Sie widersteht und stirbt. Im Konzept des Regisseurs Jochen Biganzoli sehen die Zuschauenden kein Gefängnis, Margarethe stirbt nicht, sondern erschießt den Mephisto. Zuvor hatte er gerufen: »Sie ist gerichtet«. Engelchor von oben: »Ist gerettet«. Margarethe befreit sich selbst und verlässt die Bühne. Die Engelschar: »Christus ist auferstanden«.
Coronabedingt musste die Premiere seit 2020 verschoben werden. Nun konnte sie mit 50 Prozent Zuschauerauslastung stattfinden und so entstand auch ein vollerer Klang. Das Orchester unter GMD Domonkos Héja bot eine fulminante Leistung.
Die zahlreichen Videos waren vor dem Hintergrund des Regiekonzepts von Jochen Biganzoli im Ganzen verständlich und verdeutlichend.
Jacques le Roux als Faust brachte gelungen die verschiedenen Stimmungen zur Geltung. Jihyun Cecilia Lee lebte Margarethe überzeugend und zu Herzen gehend. Alejandro Marco-Buhrmester war der mit allen magischen Wassern gewaschene Dämon. Der Valentin von Wiard Witholt sorgte sich um seine Schwester und verfluchte sie rücksichtslos. Natalya Boeva als Siebel war die zugetane Freundin Margarethes. Kate Allen als Witwe Marthe war enttäuscht, dass Mephisto nur mit ihr spielte. Die Chöre auf der Bühne und aus der Höhe rundeten das starke musikalische Erlebnis ab.
Durch die Gesamtleistung des Ensembles war eine eindrucksvolle Oper zu erleben. Begeisterter Applaus am Ende einer zu Herzen gehenden Aufführung.
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