Goldene Geigentöne
»Hit« auf »Hit« aus der Ära der Goldenen Zwanziger präsentierte die Bayerische Kammerphilharmonie im Parktheater. Renate Baumiller-Guggenberger war dabei.
Jetzt endlich wissen wir, wer Gottfried Huppertz war! Zum Saisonabschluss der »unerhört«-Konzertreihe präsentierte die Bayerische kammerphilharmonie am Sonntag nach terminlichen Schachzügen endlich das mit »The Golden Violin« überschriebene und von Geiger Daniel Röhn mit Finesse und Leichtigkeit getragene Sommerprogramm. Das Publikum wurde mit musikalischen Überraschungen und reichlich Klassik-Glimmer plus Jazz-Glamour verwöhnt.
Im ausverkauften Parktheater glänzten die 18 Musiker*innen, in deren Zentrum sich Violinist Daniel Röhn in Wort (etwas zu ausschweifend!) und Ton (exakt auf den Punkt!), stets elegant, rund und virtuos, ja verschmitzt zu seiner innigen Liebe bekannte: Kompositionen der legendären »goldenen« Zwanzigerjahre in einem anregenden Stilmix von U- und E-Musik!
Wie gut, dass sich viele dieser jeweils ungemein raffiniert arrangierten »Hits« von Burleigh, Gershwin, Heifetz, Korngold und Weill auf Röhns gleichnamigem Album noch einmal nachhören lassen.
Auf die Gefahr hin, wiederholt ähnlich Lautendes zu schreiben: Wundervoll wahrzunehmen war auch in diesem Finalkonzert der »unerhört«-Reihe das klanglich delikate, dynamisch durchdachte, motivierte, lupenrein austarierte Zusammenspiel, das die Musiker*innen der bayerischen kammerphilharmonie auszeichnet und deren Konzerte zum Hörgenuss macht. Und das kam auch andernorts an.
Beseeltes Publikum
In seine Begrüßung baute Geschäftsführer und Bratschist Valentin Holub die frohe Botschaft des »OPUS-Klassik« für die jüngst eingespielte CD »Paul Ben-Haim: Music for Strings« ebenso ein wie die Tatsache, dass die bk-Ticktes ab sofort zur Hin- und Rückfahrt auf allen Linien im AVV berechtigen. Daher gleich an dieser Stelle die Empfehlung, rasch ein Abo für die kommende, immerhin 20. »unerhört«-Spielzeit abzuschließen. (Mehr dazu demnächst in a3kultur).
Zurück zur Gegenwart bzw. dem Sonntagabend, an dem ein trickreiches »Violinkonzert im Stile von Vivaldi C-Dur« einen gelungenen Auftakt bot. Die Hommage an den mit allen Saiten zaubernden und komponierenden Wiener Geiger Fritz Kreisler (1875-1962) schloss mit dem hinreißenden »Liebesfreud« auch eines seiner populärsten Salonstücke ein. Die bittersüße, spätromantisch angehauchte Ohrwurmqualität der nicht minder bekannten viersätzigen Streicherserenade des Tschechen Josef Suk, der Antonín Dvořák als Lehrer und Schwiegervater »anhimmelte«, führte erneut die oben genannten Ensemble-Tugenden vor und das Publikum beseelt in die Pause.
Großstadtklänge und blumige Sanftmut
Mit Pariser Großstadtflair oder eher doch New York-Feeling startete die zweite Programmhälfte. Hört man die den Pariser Taxi-Hupen nachempfundenen Quetschlaute, weiß man, dass Gershwin seinen »American in Paris« tanzen lässt. Schlag auf Schlag folgte ein facettenreiches Highlight-Programm, das die Atmosphäre von visionären Stummfilm-Klassikern wie Fritz Langs »Metroplis« und damit die – s.o. - Huppertz »Suite« ebenso nachempfand wie die blumige Sanftmut von Chaplins Schlussszene von »Lichter der Großstadt« und im »Moto Perpetuo« von Cecil Burleigh teufelsgeigerisches Handwerk beisteuerte. Nicht fehlen durften in dieser Epoche der kreativen Mega-Künstler auch Stücke von Weill und Korngold oder die von Stargeiger Jascha Heifetz höchstpersönlich komponierte und mit Pseudonym edierte Liebesballade »When you make to me« . Die Ovationen des Publikums gaben Auskunft darüber, wie gut diese musikalischen Lustbarkeiten auch 100 Jahre später ankommen, wenn sie so brillante Interpreten finden!
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