Klassik

Höhenluft

Groß war der »Alleluja«-Jubel, als sich das nach Pater Hermann Naumann benannte Augsburger Vokalensemble am 6. Januar mit einem stilistisch vielseitigen Programm und Gästen wie der renommierten Sopranistin Cathrin Lange und der Harfenvirtuosin Lea Maria Löffler erstmal öffentlich vorstellte. 

Im Fokus des von Heinz Dannenbauer geleiteten Orchesterkonzerts standen Camille Saint-Saëns »Oratorio de Noël«, das auch nach Weihnachten das Publikum berührte sowie J.S. Bachs Kantate »Jauchzet Gott in allen Ländern«. Virtuos klang an, in welche Richtung auch zukünftig die vokale Reise mit dem Ensemble Naumann gehen soll.  

Es ist schon eine Ansage: Wem es gelingt, die große evangelische Heilig-Kreuz-Kirche komplett zu füllen, muss einiges richtig gemacht haben, um eine derartige Publikumsneugier zu wecken. Die Initiative, das musikalisches Engagement und der (unternehmerische) Mut von Bariton Matthias Lika wurden belohnt. Im Frühling 2023 rief er gemeinsam mit über 20 Gleichgesinnten das Ensemble Naumann ins Leben. In Zeiten, in denen immer wieder das Aussterben der an Klassik interessierten Menschen an die Wand gemalt wird, ist es doch ein großartiges und positives Signal, dass sich jetzt ein junger, ernst zu nehmender Chor zusammenfand, um zukünftig vielstimmig im regionalen Kulturleben mitzumischen. Lika selber arbeitete als Sänger bereits mit namhaften Orchestern wie der Jungen Deutschen Philharmonie, La Banda oder den Bad Reichenhaller Philharmonikern zusammen, war Stipendiat bei Live Music Now und wurde 2021 mit dem Kunstförderpreis der Stadt Augsburg ausgezeichnet. Wie er bei seiner Begrüßung vor dem Konzert bestätigte, war dieses musikalische Projekt ein aufregendes Abenteuer, das neben viel Freude auch schlaflose Nächte bedeutet hat. 

Das Ensemble Naumann ist mit professionellen Sängerinnen und Sängern, mit Musiklehrerinnen und Musiklehrern und passionierten Laien besetzt, will in der (Chor)-Konzertszene neue Akzente und frische Impulse setzen und sich sowohl auf weltliche wie kirchliche Werke fokussieren, die insbesondere das Publikum berühren. Inspiration und Motivation kamen bei vielen Mitgliedern nicht zuletzt durch die positiven Erfahrungen und den besonderen, von Freude und Leidenschaft geprägten Umgang im Erleben von Musik, die Pater Hermann Naumann OSB seiner Lehrerzeit in St. Stephan vermitteln konnte. 

Schon zum Auftakt des Dreikönigs-Konzerts zauberte das Ensemble Naumann mit echten Wachskerzen in den Händen eine sinnliche Atmosphäre herbei, die sowohl das zarte, transparent intonierte schwedische Weihnachtslied »Jul, jul stralande jul« als auch John Rutters britische Weihnachtshymne mit leuchtendem Glanz überzog. Mit Spannung erwartet, weil eher noch selten aufgeführt, folgte das 1858 vollendete »Oratorio de Noël« von Camille Saint-Saëns. Das Werk profitiert bis heute von dem Gespür für die Klangfarbenpalette, die Hörerherzen anspricht und Libretto-gemäß an vielen Stellen auch Ergriffenheit und innere Ruhe erzeugen. Melodisch einprägsam war insbesondere das im Stile Bachs mit pastoraler Qualität komponierte »Prélude« und auch in den anschließenden neun kürzen »Sätzen« schienen die Rollen von himmlischer und irdischer Musik fein ausbalanciert – nicht zuletzt dank des präsenten Solistenquintetts. Das verlässlich von Heinz Dannenbauer geleitete Streichorchester wurde verstärkt durch Organist Peter Bader sowie die Harfenvirtuosin Lea Maria Löffler mit einigen prominenten Passagen für dieses immer wieder magische Instrument. Die weltberühmte Kantate von Johann Sebastian Bach »Jauchzet Gott in allen Landen« stellt höchste Ansprüche an das Koloraturvermögen der Interpretin und bot so der in Augsburg bestens bekannten Cathrin Lange einmal mehr die Gelegenheit, Leichtigkeit, präzise Artikulation und die nahezu endlos scheinen Kapazität ihres silbrig timbrierten Soprans auch in der riskanten  Höhenluft ums hohe C leuchten zu lassen. Sie brillierte im Wettstreit mit der Piccolotrompete (Johannes Steber!) und behauptete sich siegreich. Mit »Alleluja« war hier der Finalsatz überschrieben, sodass im Rahmen dieses Konzertdebüt allein Händels triumphal intoniertes messianisches »Hallelujah« folgen konnte, das nahtlos überging in den Publikumsjubel.

www.ensemble-naumann.de

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