Dasein

Hopfen, Malz und Wasser

a3kultur-Redaktion

Auf dem Dach des Sudhauses der Privatbrauerei Ustersbach unterhält sich Gudrun Pittroff-Glock mit Stephanie Schmid. Der feine Duft von Hopfen umspielt die Nase. Schaut man nach rechts, sieht man die Störche in ihrem Horst, den die Firma vor einigen Jahren auf dem Firmengelände installiert hat.

Seit mehr als 400 Jahren wird in dem Familienunternehmen Bier gebraut, nach dem Reinheitsgebot von 1516. Mit Stephanie Schmid führt die 13. Generation das Unternehmen in die Zukunft. »Ich habe drei Kinder. Die besonnene Weitergabe des Betriebs ist wichtig«, meint die Geschäftsführerin. Früher ging der Betrieb in der Regel an das älteste Kind. Niemanden interessierten Befindlichkeiten und Neigungen. Heute ist ganz klar: Richtig gut entwickelt sich eine Firma, wenn Leidenschaft und Herzblut die Grundlagen bei der Arbeit sind. »Der Schwerpunkt meines Vaters lag und liegt beim Controlling. Nicht wirklich meine Leidenschaft«, erklärt sie eindrücklich. Dennoch studierte sie in Augsburg Wirtschaftswissenschaften und stieg ins elterliche Unternehmen ein – gemeinsam mit ihrer Schwester, der Braumeisterin, die unerwartet aus dem Leben gerissen wurde. »Selbstständig sein fordert großen Einsatz, gibt aber auch viel Freiheit. In einem Unternehmen unserer Größe kann man nicht alles selber machen. Ich habe mich schwerpunktmäßig für Marketing und Unternehmenskommunikation entschieden. Da kann ich meinem Können und meiner Kreativität voll Rechnung tragen.«

 

Den Generationen verpflichtet


Der Vater (89) kommt noch heute jeden Tag ins Büro. Er weiß über alles Bescheid. Seit Stephanie Schmid 1994 ins elterliche Unternehmen eingestiegen ist, arbeiten Vater und Tochter gemeinsam in einem Büro. »Zwischen uns herrscht eine inspirierende Diskussionskultur«, findet sie, »jeder hat großen Respekt vor dem anderen. Das ist eine schöne Basis für interessante Gespräche und einen regen Austausch.« Als Vorreiter im Energiesparen sei Nachhaltigkeit Pflicht im Hause Schmid. »Nur so kann man den Weg in eine gute Zukunft gehen. Jeder muss machen, was er kann. Auch die kleinsten Anstrengungen zählen.« Zum Thema Gemeinwohlökonomie stellt sie fest: »Wir handeln immer im Sinne der Nachhaltigkeit und des Gemeinwohls. Das ist selbstverständlich und bedarf keiner Zertifizierung. Ich sehe mich nicht in irgendwelchen Gremien. Wir investieren Zeit und Geld lieber in die Umsetzung unserer eigenen Projekte.«


Das sorgt auch immer wieder für Diskussionen zwischen den Generationen. Der Vater sieht noch heute vorrangig die Kosten. Investitionen, die sich nicht kurzfristig auszahlen, sind aus seiner Sicht nicht lohnend. Für seine Tochter ist das anders: »Marketing war früher nicht besonders wichtig, Kommunikation nicht populär und Umweltschutz was für Idealisten. Heute mag der Kunde Transparenz und schätzt ökologisches Engagement. Das ist meine Leidenschaft, Motivation und Philosophie.« Der Wandel im Umfeld eines Betriebs ist sicher eine der größten Herausforderungen bei der Übergabe eines Unternehmens an die nächste Generation. »Ich trage die Verantwortung gegenüber den Generationen vor mir. Ich habe dies alles nicht geschaffen, sondern jetzt ist meine Zeit und ich kümmere mich darum«, fasst sie es zusammen.

Ob es irgendwann den Punkt gegeben hat, an dem sie alles hinschmeißen wollte? »Ja«, gibt sie zu, »es gibt immer mal schwierige Zeiten.« Der Vater habe ihr dabei immer den Rücken freigehalten und sie dabei unterstützt, frei zu entscheiden. »Aufzugeben ist keine Option. Schließlich hatten es unsere Vorfahren auch nicht leicht. Pest und Cholera, der Krieg, in dem es manchmal nicht genügend Getreide für Bier gab.« Ihre Nachfolge sieht sie in den eigenen Reihen. Sicher ist sie sich darin: »Ich möchte meinen Nachfolgern mehr Freiheit geben.«
 

Die Auswahl der Rohstoffe ist entscheidend
 

»Es ist die Kunst des Braumeisters, Topqualität zu liefern. Es gibt keinen Jahrgang wie beim Wein. Schwankungen sind unerwünscht.« Die Produktionsprozesse sind seit Jahrhunderten die gleichen. Entsprechend dem Reinheitsgebot für Bier sind vier Rohstoffe dafür vorgesehen: Hopfen, Malz, Wasser und Hefe. »Die Auswahl der Rohstoffe ist entscheidend.« Die Braumeister sind permanent am Justieren und tauschen sich gut untereinander aus. »Wir unterziehen uns freiwilligen Tests und für unsere Qualität haben wir im Juni 2023 den Bundesehrenpreis in Gold vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft für das allerbeste Bier in Deutschland erhalten.«

Der Familienbetrieb ist seit über 400 Jahren in der Region verwurzelt. Das trägt. Letztendlich sind es aber die Menschen, die eine Firma und deren Erfolg ausmachen. Eines der größten Probleme stelle derzeit das fehlende Leergut dar. »Hätte ich einen Wunsch frei, wäre es die wunderbare Leergutvermehrung!«, stöhnt Stephanie Schmid und fügt gleich noch eine große Bitte an: »Wenn alle Leser*innen mal kurz ihre leeren Pfandkisten schnappen und im nächsten Getränkemarkt abgeben würden, wäre das eine große Hilfe.« Wo sie sich in zehn bis zwanzig Jahren sieht, wenn alles richtig gut läuft? »Im Biergarten«, sagt Stephanie Schmid und schließt genüsslich die Augen.

 

www.ustersbacher.com
 

Stephanie Schmid © Daniel Biskup

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