Ute Fiedler betritt die Bühne, blickt jeder/m Zuschauer*in in die Augen und begrüßt ihr Publikum schließlich mit erfreuter Miene: »Schön, dass Ihr da seid!« Schön, wieder hier sein zu dürfen, möchte man ihr spontan entgegnen, erinnert sich dann jedoch wieder an die Gepflogenheiten im Theater und antwortet nicht. Lang ist es her, dass man in der Brechtbühne Platz nehmen durfte. Es ist aufregend und ungewohnt. Die aus Hygienegründen freigehaltenen Reihen und Stühle zwischen den Gästen und das Tragen der Maske während der gesamten Vorstellung, lässt die Besucher*innen aber nicht vergessen, wie fragil die scheinbar wieder errungene Freiheit noch ist.
Ute Fiedler und ihre Schauspielkollegin Maya Alban-Zapata (Foto © Jan Pieter-Fuhr) erzählen in der 75-minütigen Stückentwicklung von der Beziehung zwischen einer weißen Großmutter, die während der Nazizeit sozialisiert wurde und ihrer Schwarzen Enkelin, ein Kind der 1980er Jahre. Während die bereits verstorbene Elisabeth (Fiedler) sich lieber in Schweigen über ihre Rolle in der Nazizeit hüllt und ihrer Enkelin Mina (Alban-Zapata) ausweicht, möchte diese Antworten auf ihre Fragen: »Was hast du während der NS-Zeit getan?« oder »Wieso warst du nicht im Widerstand?«
Mina will sich mit der Reaktion ihrer Oma nicht abfinden – sie will begreifen. Ihr Verlangen nach Antworten und die Gewissheit, nie mehr Antworten von ihrer Großmutter erhalten zu können, zerreißt sie schier. Die Großmutter hingegen scheut die Konfrontation und verdrängt die Erinnerung, um keine Position zu ihrem Kolonial- und Nazi-Erbe beziehen zu müssen. An den Stellen wo keine Worte zu finden sind, drücken die Körper der Darstellerinnen, durch krampf- und kampfartige Bewegungen, die unkontrollierbaren Emotionen aus.