Architektur
Politik & Gesellschaft

Integrativer Ansatz

a3kultur-Redaktion

Als eines von vier Siegerkonzepten erhielt das Wohnprojekt Sherlo den Zuschlag, im Sheridanpark zu bauen. Ein Gastbeitrag von Marie Feitsch

Als eines von vier Siegerkonzepten erhielt das Wohnprojekt Sherlo im September 2021 den Zuschlag bei der städtischen Ausschreibung in Augsburg im Sheridanpark. Überzeugt hat das Konzept durch seinen integrativen Ansatz. In Zusammenarbeit mit Tür an Tür und dem Mietshäuser-Syndikat wird dauerhaft bezahlbarer Wohnraum für alle geschaffen und damit ein diversitätsorientierter Ansatz verfolgt, bei dem Menschen unterschiedlichster Herkunft und unterschiedlichstem sozialen Milieu mit einbezogen werden.

Die Projektgruppe setzt sich derzeit aus etwa zehn aktiven ehrenamtlichen Mi(e)t­­gestalter*innen zusammen, die für die spätere Mieterschaft gemeinsam mit agmm Architekten + Stadtplaner an den Gebäuden plant. Gebaut werden drei Häuser in Holzhybridbauweise, die ab Mitte 2025 Wohnraum für 55 Personen schaffen. Die Wohneinheiten sind als Clusterwohnungen mit flexiblen Grundrissen geplant. Diese Flexibilität soll Einzelpersonen sowie Familien mit und ohne Kinder in verschiedenen Lebensabschnitten und Situationen langfristiges Wohnen ermöglichen. Dabei sind die Wohneinheiten so konzeptioniert, dass nicht tragende Wandelemente mit relativ geringem Aufwand ein- oder abgebaut werden können. So kann sich das Haus an die sich veränderten Wohnsituationen seiner Bewohner*innen anpassen und es können
beispielsweise zwei Wohnungen auf einer Etage aufgrund von Zu- bzw. Wegzug in drei Wohneinheiten umfunktioniert werden. Auf jeder Etage ist mindestens ein geteilter Gemeinschaftsbereich geplant. Auch Gemeinschaftsflächen für die verschiedenen Nutzungen der zukünftigen Bewohner*innen, aber auch Besucher*innen sind vorgesehen, wie etwa ein Veranstaltungsraum, Gemeinschaftsgarten, Waschcafé und Fahrradwerkstatt.

Sherlo wirkt aktiv ins Viertel und vernetzt sich mit den zukünftigen Nachbar*innen (Wogenau eG, Wagnisshare eG, Baugemeinschaft Sheridanpark & Junia) schon jetzt in der Planungsphase. Langfristig entsteht so gemeinsam ein lebendiges Quartier am Sheridanpark.

Kern des Konzepts von Sherlo ist, dass Menschen unabhängig von ihrer Vermögenssituation zukünftig eine Wohnung oder Veranstaltungsräume anmieten können. Das gelingt dem Projekt nur durch eine Finanzierung, die auf viele hundert Schultern verteilt ist, damit die derzeit kalkulierten Baukosten von etwa 12 Mio. Euro gestemmt werden können. Neben den Vereinsmitgliedern von Sherlo geben Freund*innen und Familienangehörige, Sympathisant*innen, aber auch Unternehmen und Institutionen dem Mietshäuser-Syndikat-Projekt Sherlo private Nachrangdarlehen – sogenannte Direktkredite – in kleinen und großen Beträgen. Diese bilden den Anfang einer langen sozialen und regionalen Wertschöpfungskette. Aktuell ist das Projekt auf der Suche nach Personen, die es mit Direktkrediten unterstützen wollen.

Das Wohnprojekt Sherlo ist Mitglied im Solidarverbund des Mietshäuser-Syndikats mit mittlerweile über 170 selbstorganisierten Hausprojekten deutschlandweit. Ziel des genossenschaftsähnlichen Verbunds ist es, die Häuser dauerhaft dem spekulativen, profitorientierten Immobilienmarkt zu entziehen. Auch das Augsburger Projekt Sherlo schafft eine echte Alternative zum klassischen Investorenmodell, indem sämtliche Häuser in gemeinschaftliches Eigentum der Mieterschaft überführt werden. Es entstehen Mietshäuser von und für die Menschen, die darin wohnen, arbeiten und leben.

Sie haben Interesse am Projekt und würden gerne mehr darüber erfahren, wie man Direktkreditgeber*in wird und das Projekt unterstützen kann? Die Projektgruppe veranstaltet immer wieder Infoveranstaltungen, auch im Onlineformat. Aktuelle Termine werden regelmäßig auf der Website veröffentlicht. Hier finden Sie auch weitere Informationen zum Vorhaben und zu den Direktkrediten.

www.sherlo.org