Theater & Bühne

Joker-Spektakel

Der lachende Mann © Jan-Pieter Fuhr
a3kultur-Redaktion

Mit »Der lachende Mann« bringen Armin Petras (Inszenierung) und Sabeth Braun (Dramaturgie) nicht nur Joker auf die Brechtbühne. Vielmehr erwartet das Publikum zwei Stücke in einem, die sich vor allem im Format unterscheiden.

Zunächst folgt die krankheitsbedingt verschobene Premiere den Spuren von Victor Hugos Roman ins England des 17. Jahrhunderts. Erzählt werden die fürs allgemeine Verständnis vermeintlich wichtigsten Stationen des Romans. Etwaige Leerstellen in der Erzählung transportiert der Chor des Volkes. Ohne Umschweife steigt die Inszenierung mit dem Zusammentreffen des zum ewigen Lachen verdammten Gwynplaine und seiner neuen Ziehfamilie, bestehend aus dem Gaukler Ursus, seinem Wolf Homo und der von Gwynplaine geretteten blinden Dea, ein. Der erste Teil wechselt stets zwischen der Perspektive des einfachen Volks und der des Adels in der Person von Queen Anne, ihrer Schwester Herzogin Josiana und deren Handlangern. Deutlich werden dieser Perspektivwechsel und die einhergehenden Standesunterschiede recht plastisch am raumgreifenden Bühnenbild (Peta Schikart). Der Weg zwischen dem Adel oben und den Elenden unten ist lediglich für Gwynplaine und seine später entblößte adelige Herkunft möglich, aber von Intrigen verhindert. Die Nähe zu Hugos literarischer Vorlage lässt das Stück stellenweise ins Detail abdriften. Aufgefangen wird dies durch eine humorvolle und energiegeladene Darbietung. Die musikalische Untermalung (Philipp Weber) erinnert durch ihren wuchtigen Klang an moderne Filmmusik aus Hollywood und bedient sich damit – in der Umkehr – dort, wo Hugos Roman mit dem modernen Joker zum Massenphänomen wurde.

Wer nach der Theaterpause an eine Fortführung dieser an den Roman angelehnten Erzählung dachte, wird schnell eines Besseren belehrt. So wie der erste Teil steigt auch der zweite direkt in die Handlung ein, die sich dem Publikum als Casting- und Unterhaltungsshow modernen Formats präsentiert. Petras und Braun greifen dabei auf eine Szene des Hollywood-Jokers zurück, die letztlich die moderne Darstellung von Hugos fahrendem Volk ist. Neben dem Joker sind hier weitere Ikonen der Popkultur versammelt, die in Grundzügen an die Figuren des ersten Teils erinnern. Maske und Kostüm haben dabei Großartiges geleistet. Hier wird es nun ein Stück weit undurchsichtig. Vielfach geht es – so üblich in Castingshows – um die Hoffnung, gesehen und berühmt zu werden, verbunden mit finanziellem Erfolg. Das lässt auch die alles andere als subtil übermittelte Dauerbotschaft »Follow the money« erahnen. Abwechselnd geben die Kandidat*innen ihr vermeintlich Bestes zur Schau und werden dafür wahlweise geliebt oder durch den Kakao gezogen – für das, was sie sind oder darstellen. Natürlich darf auch Kritik etwa am Kapitalismus oder am Patriarchat stattfinden. Am Ende kann eigentlich alles stattfinden, solange es dem Unterhaltungsformat dient. Die Inszenierung spielt dabei mit dem Casting-Format und lässt noch einigen Raum zur Deutung offen.

Alle Vorstellungstermine finden Sie hier. 

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