Architektur
Politik & Gesellschaft

Junge Denkmale

a3kultur-Redaktion

Wie machen wir Sichtbetonarchitektur der Spätmoderne zukunftsfähig? Darüber diskutieren Expert*innen im Rahmen eines mehrtägigen Symposiums. Tagungsort ist der Augsburger Kongress am Park, selbst ein bedeutendes Denkmal dieser Epoche.

Als Augsburg Olympiastadt wurde, baute man neben dem eigentlichen Sportareal, der bis heute genutzten Kanustrecke am Eiskanal, auch im Wittelsbacher Park. Seit fünfzig Jahren existieren nun der Hotelturm und der Kongress am Park, doch noch immer fremdeln manche Augsburger*innen mit diesen präg­nanten Bauten. Als ab 2010 die Sanierung der Kongresshalle anstand und der wuchernde Efeu entfernt wurde, war die durchaus kühne Architektur wieder deutlich zu erleben. Nicht allen gefiel dies – die Bauten des Brutalismus der 1960er- und 1970er-Jahre haben es nach wie vor schwer, sie werden vielfach als hässlich und nicht erhaltenswert empfunden. Auch wenn viele Menschen mit der Ästhetik dieser Architektur wenig anfangen können, mit Brutalität hat das alles nichts zu tun, der Name geht auf »béton brut« zurück, die französische Bezeichnung für rohen Beton, also Sichtbeton.

Diese teils mangelnde Akzeptanz, die ästhetische Sprödigkeit der Architektur, aber auch die zweifellos vorhandenen Bauschäden beeinflussen sicherlich den Umgang mit diesen Bauten und ihrer Instandhaltung. Im Falle der Kongresshalle ist alles gut gegangen, denn das Gebäude steht seit 2009 unter Denkmalschutz und die Sanierung während der Jahre 2010 bis 2012 gilt als vorbildlich.

Hier, im heutigen Kongress am Park, werden sich im November Fachexpert*innen drei Tage lang intensiv mit den Möglichkeiten und Aspekten des Erhalts und der zukünftigen Nutzung von Bauten der Spätmoderne auseinandersetzen. Motor der hochkarätigen Veranstaltung ist der Architekturhistoriker Olaf Gisbertz (TU Braunschweig), ein ausgewiesener Kenner der Bauten dieser Zeit, der unter anderem zu Stadthallen der 1960er- und 1970er-Jahre geforscht hat.

Anhand breit gefächerter Beispiele wie der Augsburger Kanustrecke, aber auch Wohn- und Geschäftsbauten werden die Schwierigkeiten und Potenziale im Umgang mit diesem Erbe untersucht. Die Teilnahme am (kostenfreien) Architektursymposium, das auch eine halbtägige Exkursion umfasst, steht allen Interessierten offen, Anmeldung und detailliertes Programm über die Website. (bek)

www.kongress-augsburg.de/architektursymposium | »1972/2022 Monuments for Future in Practice« #Reallabor (Nachkriegs-)Moderne – Zum Umgang mit jungen Denkmalen | 17. bis 19. Oktober | Kongress am Park

 

Das Ensemble Kongress am Park und Hotelturm ist Tagungsort für Moments Future in Practice. © a3kultur

Architektursymposium

»1972/2022 Monuments for Future in Practice« #Reallabor (Nachkriegs-)Moderne – Zum Umgang mit jungen Denkmalen. Donnerstag, 17. bis Samstag, 19. November 2022 im Kongress am Park Augsburg

Das Programm:

Eröffnungsvortrag mit Podiumsdiskussion

18:30 Uhr Merkzeichen im Stadtkörper. Augsburg als Denkmallandschaft der 1970er Jahre Jörg Stabenow
        
19:30 Uhr Podiumsdiskussion: Ist die Beton-Brutalismus noch zu retten? – Erfahrungen vom Eiskanal Olympia 1972 Moderation: Olaf Gisbertz

Im Anschluss: Get together
Der Eintritt ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten.

Freitag, 18. November

9:15 Uhr Begrüßung: Götz Beck, Kongress am Park

9:20 Uhr Einführung ins Tagungsthema: Olaf Gisbertz (NBJB 1945+)

1. Sektion: Analog und Digital: Bestandserfassung und Bestandsdokumentation Moderation: Sebastian Hoyer        

9:30 Uhr Das Gesicht der Universität Regensburg Fassadenkonstruktionen und Bauprozesse von Bauten der 1960/70er Jahre Ann-Helen Hagelloch, Daniel Viehmann, OTH Regensburg
        
9:50 Uhr Serielle Bauwerke und wie sie zu finden sind     
Leonhard Wesche, TU Braunschweig
        
10:10 Uhr Signalfarbe und Megastruktur der 1970er Jahre   
Robin Rehm, ETH Zürich
        
10:30 Uhr Diskussion mit den Referent*Innen    
        
11:00 Uhr KEYNOTE 1: Schluss mit der Abreisserei! Jörg Heiler, Kempten, Landesvorsitzender, BDA Bayern
           
2. Sektion: Evidenz und Konsequenz: Bauforschung und denkmalpflegerische Entscheidungswege Moderation: Olaf Gisbertz       

11:40 Uhr Bestandsaufnahme, Bindungsplan, Zielstellung – was bringt es für die Erhaltungsbilanz bei Denkmalen der DDR-Moderne? Benjamin Rudolph, Weimar

12:00 Uhr Wie schützen und erhalten? Von der Denkmalbedeutung zu Instrumenten der Vermittlung und Sensibilisierung: Die Terrassenhaussiedlung in Graz-St. Peter
Gundula Lang, Sabine Weigl, Pulheim/Wien

12:20 Uhr Diskussion mit den Referent*Innen    
        
12:40 Uhr KEYNOTE 2: Alt ist das neue Neu! Christian Holl, Frankfurt am Main
                
3. Sektion: Serie und Maßstab: Systemische Fragen der Denkmalpflege Moderation: Andreas Putz und Christiane Weber       

14:00 Uhr Der-Die-Das. Das Verhältnis von Typ, Serie und Individuum bei den Cottbuser Campusbauten 1969 bis 1989   
Elke Richter, Cottbus
        
14:20 Uhr Der genetische Gebäudecode - Potentiale im Massenwohnungsbau der 1960er und -70er Jahre Andreas Müsseler, München/Regensburg
        
14:40 Uhr Diskussion mit den Referent*Innen    
        
15:00 Uhr KEYNOTE 3: Bauforschung und Moderne Andreas Schwarting, Konstanz
               
4. Sektion: Erhaltung und Transformation: Bauen im Bestand junger Denkmale – Case Studies Moderation: Mark Escherich        

15:50 Uhr Nicht schlechter als zuvor – Über die Sanierung der Württembergischen Landesbibliothek Sophia Schmidt, Stuttgart
        
16:10 Uhr Das Modellverfahren Mäusebunker: der Denkmalschutz als Protagonist Christoph Rauhut und Kerstin Lassnig, Berlin
        
16:30 Uhr Denkmalschutz – Welterbe – Sanierung: 50 Jahre olympische Kanuslalomanlage in Augsburg Eva-Maria Müller, Augsburg
        
16:50 Uhr Abschlussdiskussion im Plenum   
       
18:00 Uhr Ende der Veranstaltung   

Der Eintritt ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten.

Samstag, 19. November

Busexkursion zu ausgewählten Bauten und Anlagen der Moderne Der Eintritt ist kostenfrei.
Leider sind alle Plätze schon vergeben.