Theater & Bühne

Klassiker neu aufgelegt?

Juliana Hazoth
23. November 2021

Das multimediale Theaterensemble Bluespot Productions bringt mit »WYZCK-20« einen Klassiker auf die Bühne, dessen zentrale Frage nach dem Wert des Menschen nie an Aktualität verliert.

Georg Büchners fragmenthaftes Werk ist eines der am meisten adaptierten Stücke der deutschen Theatergeschichte. Die Inszenierung im Augsburger City Club bleibt erstaunlich nah am Original. Leerstellen werden aufgefüllt, das Stück in eine ordentliche Chronologie gebracht, die Personen auf die wesentlichen gekürzt, doch wirklich Neues gibt es kaum. Die Ausnahme ist die Rolle der Schauspielerin Anja Neukamm. Sie verkörpert die Gedanken, das Unterbewusstsein, ja den Wahn, die das Geschehen stets begleiten. Eine gelungene Ergänzung, zumal Neukamm eine herausragende Performance abliefert. Besonders im Gedächtnis bleibt auch der titelgebende Woyzeck. Schauspieler Martin Schülke lebt seine Figur. Er schafft es, dessen Verletzlichkeit darzustellen, Mitleid zu erregen, ohne dabei die verborgene Stärke der Figur und ihren Kampfeswillen aus den Augen zu verlieren. Für mich zeigt Schülke die beste Woyzeck-Darbietung, die ich bisher sehen durfte.

Die Schauspielkunst des gesamten Ensembles ist durchweg lobenswert. Die eigentliche Inszenierung des Dramas bleibt dahingegen ein wenig auf der Strecke. Sowohl Namensgebung als auch Spielstätte lassen auf eine moderne Adaption hoffen. Sie bleibt jedoch zu klassisch, zu altmodisch, um ganz zu überzeugen. Bei einem Stück solcher Größe stellt sich letztlich die Frage, was eine neue Produktion noch beitragen kann. In diesem Fall bleibt die Antwort eher schlicht. Wer sich daran nicht stört, kann sich jedoch auf wirklich überzeugende Schauspielkunst freuen.

www.bluespotsproductions.de

Weitere Positionen

30. November 2021 - 12:33 | Anna Hahn

a3kultur-Redakteurin Anna Hahn traf im Rahmen unserer Serie »Theater.Macht.Zukunft« die Intendantin des Landestheaters Schwaben Dr. Kathrin Mädler zum Gespräch über die Kommunikation zwischen Intendant*innen, Sexismus und aktuellen Anfeindungen vonseiten der AfD.

30. November 2021 - 9:12 | Bettina Kohlen

Zum 73. Mal zeigt die »Große Schwäbische Kunstausstellung« einen Querschnitt des künstlerischen Schaffens in der Region.

27. November 2021 - 9:00 | Manuel Schedl

Die erste Kunstausstellung im 2019 sanierten Wittelsbacher Schloss in Friedberg widmet sich unterschiedlichen Aspekten der Zeit in Kunst und Kunsthandwerk und glänzt mit großen Namen von Philipp Otto Runge bis Salvador Dalí.

26. November 2021 - 18:00 | Anna Hahn

Cornelia Funkes Erfolgsroman »Tintenherz« ist das aktuelle Familienmärchen zur Weihnachtszeit des Staatstheaters. Es ist spannend, düster, lustig und voller Liebe.

26. November 2021 - 13:20 | Anna Hahn

Die Comic-Autorin Lisa Frühbeis erhält heuer den 62. Kunstförderpreis der Stadt Augsburg in der Kategorie Literatur. Dazu herzlichste Gratulation! Eine sehr gute Entscheidung der Stadt, findet Michael Moratti. Ein Gastbeitrag mit Lesetipps.

25. November 2021 - 10:30 | Juliana Hazoth

Am 10. November fand in der Stadtbücherei eine Lesung mit anschließendem Gespräch mit der in Paris geborenen Autorin Elisa Diallo und dem Schweizer Autor Thomas Meyer statt. Unsere Literaturredakteurin Juliana Hazoth traf im Vorfeld der Lesung Thomas Meyer und sprach mit ihm über sein Buch »Was soll an meiner Nase bitte jüdisch sein?«.

25. November 2021 - 9:11 | Bettina Kohlen

Die Galerie Noah zeigt im Glaspalast neue Arbeiten des Wiener Aktionskünstlers Hermann Nitsch, darunter auch die Bayreuther Walküre-Schüttbilder vom letzten Sommer.

24. November 2021 - 8:00 | Juliana Hazoth

Im dritten Anlauf gelang dem Staatstheater schließlich die Premiere von »Die Kunst des Wohnens« und begeisterte damit das Publikum.

22. November 2021 - 18:00 | Juliana Hazoth

Regisseurin Lilli-Hannah Hoepner inszeniert in »Mary Page Marlowe« die Suche nach einem erfüllten und selbstbestimmten Leben.

22. November 2021 - 10:01 | Renate Baumiller-Guggenberger

Konzertant und in ungarischer Originalsprache (mit deutschen Übertiteln) präsentierte Augsburgs GMD Domonkos Héja im 2. Sinfoniekonzert am Dienstag und Mittwoch nach Mozarts Jupitersinfonie die einaktige Oper Herzog Blaubarts Burg.