Zum Interview trafen wir Stephanie Schmid bei einem ihrer Kunden, der Schrebergartenwirtschaft »Im Garten« auf der Perzheimwiese im Augsburger Thelottviertel. Die Brauerei Ustersbach hat viele Gastrokund*innen, jedoch nur einige Gasthäuser im Eigentum. Neben dem weithin bekannten Bräustüble beim Brauhaus gehören die Holzkohle-Grillrestaurants FeuerWerk in Augsburg neben der City-Galerie sowie in Fischach und das Landgasthaus Leuthau mit seinen Fischspezialitäten in idyllischer Lage an der Wertach bei Schwabmünchen dazu. Nach dem Gespräch kam der Durst.
Klimafreundlichste Großstadt Bayerns
Das kleinste Tun und Handeln kann große Veränderungen herbeiführen. Doch welcher Umstellungen bedarf es? Augsburg ist seit 1998 Mitglied im Klima-Bündnis der europäischen Kommunen und setzte sich zum Ziel, ab Januar 2021 ein verbleibendes CO2-Emissionsbudget von 9,7 Millionen Tonnen nicht zu überschreiten.
»Die Menschheit steht an einem entscheidenden Punkt ihrer Geschichte. Wir erleben eine Festschreibung der Ungleichheiten zwischen und innerhalb von Nationen, eine Verschlimmerung von Armut, Hunger, Krankheit und Analphabetentum sowie die fortgesetzte Zerstörung der Ökosysteme, von denen unser Wohlergehen abhängt. Eine Integration von Umwelt- und Entwicklungsbelangen und die verstärkte Hinwendung auf diese wird indessen eine Deckung der Grundbedürfnisse, höhere Lebensstandards für alle, besser geschützte und bewirtschaftete Ökosysteme und eine sicherere Zukunft in größerem Wohlstand zur Folge haben. Keine Nation vermag dies allein zu erreichen, während es uns gemeinsam gelingen kann: in einer globalen Partnerschaft im Dienste der nachhaltigen Entwicklung«, so steht es in der Präambel der »Agenda 21« der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro vom Juni 1992. Alle Kommunen weltweit sind dazu aufgefordert, eine eigene kommunale Agenda 21 zu verfassen. Aufgrund der Studie »Klimaschutz 2030« wurde daher im Juli 2022 das Klimaschutzprogramm »Blue City« für Augsburg beschlossen – eine Dachmarke, die den Themen Umweltschutz, Klimaschutz und Nachhaltigkeit eine entsprechende Plattform bietet und allen beteiligten Institutionen und Bürger*innen den Rahmen und die Möglichkeit gibt, in alle Richtungen mitzuwirken.
Die Lust auf Veränderung und gemeinsames Handeln sind essenziell
Betrachtet man die Welt aus dem All, ist sie blau. Der Begriff Blue City kommt von der sogenannten blauen Ökologie und ist die Weiterentwicklung der grünen Ökologie aus den Siebziger-/Achtzigerjahren. Grüne Ökologie basiert zumeist auf dem Gedanken »Du darfst nicht«. Blaue Ökologie ist die Weiterentwicklung dieses Konzepts. Sie erweitert den Spielraum – »Wechsle doch einfach zwischen Tofu und Fleisch« statt »Du sollst kein Fleisch essen«. Die Welt wird nicht nur unter dem Aspekt Umweltschutz betrachtet, sondern ebenso werden wirtschaftliche Lösungen und neue Technologien miteingeschlossen. So entstehen unendlich viel mehr Möglichkeiten, auf ein und dieselbe Frage zu reagieren, was wiederum wesentlich mehr Lust auf Veränderung macht. Und die Frage lautet: Wie erhalte ich diesen unschätzbar wertvollen Lebensraum für alle Wesen?
Das Zukunftsbild für Augsburg ist gemeinsames Verantwortungsbewusstsein und Handeln auf allen Ebenen mit höchster Priorität für den Klimaschutz. Durch das »Blue City«-Klimaschutzprogramm soll dieses Anliegen verwirklicht werden. Hier treffen alle klimarelevanten Themen der Stadt aufeinander und die Verbindung bzw. das Ineinandergreifen aller Aspekte wird verständlicher – wenn man sich im Dickicht der Akteure zurechtfindet. Jedenfalls hat sich die Augsburger Stadtregierung vor drei Jahren dieses Ziel auf die Fahne geschrieben und im Koalitionsvertrag verankert. Einiges wurde während der Pandemie ausgebremst, vieles ist schon passiert.
Im Dickicht der Akteure
Die Studie »Klimaschutz 2030« aus dem Jahr 2021 war die Grundlage für die Handlungsempfehlungen zur erheblichen CO2-Reduktion bis zum Jahr 2030. Augsburgs Lokale Agenda 21 ist das entsprechende Handlungsprogramm, das die Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit fördern soll. Sogenannte Agendaforen – qualifizierte Bürger*innen, Institutionen und Unternehmen – engagieren sich entsprechend den Zukunftsleitlinien Augsburg für eine zukunftsfähige Stadt. Sie entwickeln Ideen und Konzepte zur Nachhaltigkeit in ihren jeweiligen Bereichen. Im Agendateam tauschen sich die Sprecher*innen der Agendaforen und die städtische Geschäftsstelle Lokale Agenda 21, die im Büro für Nachhaltigkeit verankert ist, einmal monatlich aus. Die Geschäftsstelle fungiert dabei als Verbindung zwischen Ehrenamt und Stadtverwaltung – Ansprechpartner ist Dr. Norbert Stamm. Der Nachhaltigkeitsbeirat berät die Agendaprozesse und bringt eigene Initiativen ein. Der Klimabeirat – aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – berät den Stadtrat bei der Umsetzung der Klimaschutzziele. Angesiedelt ist »Blue City« im Referat der Oberbürgermeisterin Eva Weber. Ansprechpartner sind die Referenten der Stadt Augsburg, die in ihrem Bereich das Thema Klimaschutz verwirklichen.
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