Klassik

»Lärmbelästigung« im LMZ?

Renate Baumille...
23. Dezember 2020

Wer sich für ein Musik- bzw. Instrumentalstudium entscheidet, ist dringend darauf angewiesen, neben dem Einzel- und Ensembleunterricht an den Hochschulen viele Stunden täglich im möglichst »stillen Kämmerlein«, also ungestört, zu proben. Natürlich kann dieses Üben, das definitiv und bewusst nicht nach »konzertreif« klingen will, von der Umgebung als störend wahrgenommen werden.

Im eigenen Zuhause ist das Üben für einen Großteil der Musiker*innen – selbst für viele Berufsmusiker*innen – häufig kompliziert: Die Zeiten, in denen »Hausmusik« gerade in Wohnblöcken mit mehreren Mietparteien erlaubt ist, sind gesetzlich klar reglementiert.

Wer übt, weiß auch, wie belastend es ist, wenn man während dieser Phasen, die ohnehin eine hohe Konzentration und das konstante Wiederholen von Werkpassagen erfordern, Mithörer*innen hat – egal ob die nun kritisch oder wohlwollend aufgelegt sind. Anspannung ist nie eine gute Voraussetzung für die freie Ton- und Klangentfaltung und damit für den Sinn und Erfolg der täglichen Übepraxis.

Umso mehr vertrauen Musikstudierende darauf, dass sie die Räume an den eigenen Hochschulen nutzen und für ihr mehrstündiges Instrumentalspiel-Pensum belegen können. Das ist an allen Einrichtungen Usus – eine Selbstverständlichkeit. Auch bei Evaluationen zählen die Raumkapazitäten zu den Qualitätskriterien der Ausbildungsstätten.    
 
Warum daher die Stadt dieses Thema bei der Vergabe der Etagen im neu sanierten Postgebäude der Grottenaunicht wirklich mit- bzw. konsequent zu Ende gedacht hat, ist nur schwer nachzuvollziehen. Wäre es nicht wesentlich sinnvoller gewesen, sich zum Beispiel die städtische Musikschule oder das Mozartbüro mit ins Haus zu holen? Damit wäre auch das Konzept einer klingenden Kulturmeile konkreter vorangetrieben worden, die ein zukünftig saniertes Staatstheater mit den LMZ-Akteuren in Synergie-Effizienz und Theaterviertel-Nachbarschaft setzen könnte. Der neue Konzertsaal (Foto, beim Pressetermin im Sommer) mit knapp 170 Plätzen im Erdgeschoss steht jedoch primär dem universitären Kontext zur Verfügung. Nach gegenwärtigem Stand gibt es kaum Angebote und Infrastruktur für interessierte Besucher*innen oder Programmmacher*innen von außen.

Aufgrund einiger Corona-Verdachtsfälle musste das Leopold-Mozart-Zentrum jetzt ohnehin bis mindestens 10. Januar schließen. Somit ist ein paar Tage komplett »Ruhe im Karton«, in dem es leider seit ein paar Wochen rappelt. Es klingt nach einem veritablen Schildbürgerstreich: Mit erheblicher Verspätung erfolgte Mitte November der Umzug des LMZ von der Maximilianstraße in die für rund 30 Millionen Euro umgebaute ehemalige Hauptpost in der Grottenau. Keinen Monat später hagelt es Beschwerden, gerichtet an die Pressestelle der Universität Augsburg sowie das Liegenschaftsamt. Sie kommen vor allem aus dem zweiten Stock, in dem sich Mitarbeiter*innen des Amts für Kinder, Jugend und Familie vom LMZ-verursachten »Lärm« belästigt und bei der Arbeit stark beeinträchtigt fühlen. Im entsprechenden Artikel in der AZ (»Musik im Grottenau-Gebäude treibt Verwaltungsmitarbeiter auf die Palme« vom 12.  Dezember) ist gar von einem »ständigen Gedudel« und »unerträglichen Nebengeräuschen« zu lesen. Eine Musikhochschule, in der aktiv und mit allen Sinnen Musik erlernt wird, generiert naturgemäß und im Sinne ihres Bildungsauftrags ein akustisch wahrnehmbares Umfeld – Schallwellen, die sich vermutlich selbst mit innovativster Akustiktechnik schwerlich komplett eindämmen lassen. Warum auch?

Hängt der Haussegen also jetzt schon schief? Wie wirkt sich das auf die Stimmung im LMZ aus? »Wir sind froh, den Umzug unter der ohnehin belastenden Pandemiesituation endlich bewältigt zu haben«, betont Prof. Andrea Friedhofen, die das Leopold-Mozart-Zentrum gemeinsam mit Prof. Dominik Wortig und Prof. Christoph Hammer leitet. Sie ist glücklich über die neue und zentrale Adresse und die Räumlichkeiten des LMZ und weißt ausdrücklich darauf hin, dass man bislang keinerlei direkte Konfrontation oder Vorwürfe von Seiten der betroffenen städtischen »Mitbewohner*innen« erlebt habe.

»Der Umgang ist durchaus respektvoll und freundlich. Es waren jetzt auch schon wiederholt Akustiker im Haus, um vor Ort die Situation zu prüfen, die allerdings auch Lockdown-bedingt nicht unbedingt mit den tatsächlichen Verhältnissen eines umfänglichen LMZ-Betriebs zu vergleichen war.« So ist auch Andrea Friedhofen sehr gespannt darauf, wie eine zeitnahe und konstruktive Lösung im Sinne aller Beteiligten aussehen wird. Sie weiß, dass man den betroffenen Mitarbeiter*innen im 2. Stock keine Vorwürfe machen kann, dass jedoch ein adäquates, den Realitäten einer Musikhochschulpraxis Rechnung tragendes Nutzungs- und Planungskonzept von städtischer Seite in jedem Fall das aktuelle Dilemma vermieden hätte.  


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