Zum Interview trafen wir Stephanie Schmid bei einem ihrer Kunden, der Schrebergartenwirtschaft »Im Garten« auf der Perzheimwiese im Augsburger Thelottviertel. Die Brauerei Ustersbach hat viele Gastrokund*innen, jedoch nur einige Gasthäuser im Eigentum. Neben dem weithin bekannten Bräustüble beim Brauhaus gehören die Holzkohle-Grillrestaurants FeuerWerk in Augsburg neben der City-Galerie sowie in Fischach und das Landgasthaus Leuthau mit seinen Fischspezialitäten in idyllischer Lage an der Wertach bei Schwabmünchen dazu. Nach dem Gespräch kam der Durst.
Lebendiges Erbe
Ein Spaziergang durch ein halbes Jahrtausend sozialen Wohnens.
Das Gedenkjahr zum 500. Todestag von Jakob Fugger bietet den perfekten Anlass für einen Besuch in der Fuggerei. Diese außergewöhnliche Siedlung bleibt auch über fünf Jahrhunderte nach ihrer Gründung eine der wichtigsten Institutionen der Stadt. Heute vereint sie mehrere Funktionen: Sie ist gleichzeitig die älteste Sozialsiedlung der Welt, ein lebendiger Kulturort und eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Augsburgs. Ein Besuch lohnt sich definitiv.
Die älteste Sozialsiedlung der Welt
Die Stiftungsurkunde vom 23. August 1521 markiert den offiziellen Geburtstag der Fuggerei. Seitdem ist die Siedlung durchgehend bewohnt, was sie zur bis heute ältesten Sozialsiedlung der Welt macht. Diese beeindruckende Kontinuität über mehr als 500 Jahre hinweg ist einzigartig und macht die Fuggerei zu einem lebendigen Geschichtsdenkmal.
Heute leben im Schnitt 150 Menschen in der charakteristischen Reihenhaussiedlung. Als Bewohner*innen werden bedürftige Paare, Familien und Alleinstehende aufgenommen, die seit mindestens zwei Jahren in Augsburg leben und katholisch sind. Alter, Herkunft oder Geschlecht spielen dabei keine Rolle.
Besonders ist, dass die Miete bis heute den ursprünglichen Bestimmungen des Stiftungsbriefs entspricht: drei Gebete pro Tag und ein Gulden pro Jahr. Umgerechnet bedeutet das eine Jahreskaltmiete von lediglich 88 Cent, plus weitere 88 Cent pro Jahr für den Fuggerei-Pfarrer. Diese symbolische Miete unterstreicht den sozialen Charakter der Einrichtung.
Lebendiges Museum mit Geschichte und Gegenwart
Neben den noch heute bewohnten Bereichen bietet die Fuggerei ein faszinierendes Museumserlebnis. Jährlich spazieren etwa 220.000 Besucher durch die Gassen und betrachten die Reihenhäuser in Biedermeier-Optik mit ihren liebevoll gepflegten Gärten und individuellen Klingelzügen, die zur Unterscheidung der einzelnen Wohnungen dienen.
Das »Museum der Geschichte und des Wohnens« in der Hausnummer 14 bildet den Ausgangspunkt der Besichtigung. Die Ausstellung widmet sich den großen Ideen, Ereignissen und Entscheidungen in der langen Geschichte der Fuggerei sowie den relevanten Personen von Jakob Fugger bis heute. Interaktive Stationen machen die Geschichte lebendig und zugänglich. Ein besonderes Highlight ist die originalgetreue Nachbildung der Stiftungsurkunde von 1521, die den Grundstein für diese außergewöhnliche soziale Innovation legte.
Der Rundgang führt nahtlos in die Hausnummer 13, wo eine historisch akkurate Nachbildung einer ursprünglichen Fuggerei-Wohnung zu besichtigen ist. Von der Stube über die Schlafkammer bis zum stillen Örtchen wird deutlich, mit welchen cleveren Kniffen die begrenzte Wohnfläche optimal genutzt wurde.
Gegenwart und Zukunft der Fuggerei
Nach dem historischen Überblick führt der Weg in den neueren Teil der Fuggerei, der nach dem Zweiten Weltkrieg erweitert wurde. Hier stehen Gegenwart und Zukunft der Siedlung im Mittelpunkt.
Das »Museum der Bewohner« zeigt auf multimediale Weise, wer heute in der Fuggerei wohnt, wie das Leben dort aussieht und warum Menschen sich für diesen besonderen Wohnort entscheiden. Besonders berührend ist die »Herzkammer«, wo vierzehn Bewohner*innen persönliche Gegenstände zeigen, die sie mit ihrem Leben in der Fuggerei verbinden, und deren Bedeutung erklären. In einem weiteren Raum kann man sich u.a. durch Kurzfilme ein authentisches Bild von den etwa 150 Bewohner*innen machen, die die häufigsten Fragen zum Leben in der Fuggerei beantworten.
Das »Museum des Alltags« dokumentiert eindrucksvoll die Veränderungen in der Lebensweise der Fuggerei-Bewohner*innen. Von der dramatischen Not der Nachkriegszeit bis zur heutigen Definition von Bedürftigkeit wird ein Bogen gespannt, der gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegelt.
Erinnerung an dunkle Zeiten
Ein besonders wichtiger Teil der Fuggerei-Geschichte wird im, 1943 errichteten, Bunker dokumentiert. Dieser Luftschutzbunker inmitten der Siedlung dient heute als Erinnerungsort und beherbergt ein Museum, das den Krieg, die Zerstörung und den Wiederaufbau der Fuggerei und in Augsburg dokumentiert. Diese Abteilung macht deutlich, dass auch die Fuggerei von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs nicht verschont blieb. Die Bombennacht vom 25. Auf den 26. Februar 1944 hatte zur Folge, dass 70 Prozent der Fuggerei in Schutt und Asche lag.
Die Fuggerei ist weit mehr als ein Museum oder eine historische Sehenswürdigkeit. Sie ist ein lebendiger Beweis dafür, dass soziale Innovationen Jahrhunderte überdauern können. Jakob Fuggers Vision von bezahlbarem Wohnen für Bedürftige funktioniert auch heute noch nach den ursprünglichen Prinzipien.
Veranstaltungen im Gedenkjahr
Das Gedenkjahr zum 500. Todestag Jakob Fuggers bietet zahlreiche besondere Veranstaltungen. Zur Jakober Kirchweih am 19. und 20. Juli finden um 15 Uhr in der Kirche St. Markus Kinderführungen statt, ergänzt durch Gartenschach, Bastelkiosk und Waldstation. Außerdem gibt Andreas Stiel am Samstag, 19. Juli um 14:30 Uhr in der Gartengasse einen Einblick in »Die süße Seite der Fuggerei« und erklärt alles rund um die 300.000 Bienen in der Fuggerei. An diesen beiden Tagen ist der Eintritt für alle Besucher*innen frei.
Ein weiteres Highlight im Juli ist die Sonderführung »Jakob Fugger bittet zum Tanz« am Samstag, 19. Juli von 16 bis 18 Uhr – eine Führung mit Tanz und Musik durch Jakob Fuggers Lebenssommer.
Das ausführliche Programm mit Sonderführungen, Ausstellungen und Tagungen unter www.fugger.de
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