Ein meditatives Betrachten

7. Oktober 2015 - 9:08 | Iacov Grinberg

»Spaces in Between«: Arbeiten von Bernadette Jiyong Frank in der Galerie Beate Berndt

Nach einem Vortrag über den Einfluss der Innenausstattung von Warte- und Besprechungszimmern in Kanzleien und Praxen auf den Erfolg der Zusammenarbeit mit Kunden achte ich von Zeit zu Zeit bei Ausstellungen darauf, was für eine Stimmung das ein oder anderes Bild erweckt, zu welcher Art von Kanzlei/Praxis es passen würde. Bei der Ausstellung »Spaces in Between« in der Galerie Beate Berndt, die Arbeiten von Bernadette Jiyong Frank zeigt, war die Antwort ganz klar und durch andere Besucher bestätigt: Diese Werke könnten zu einer Kanzlei passen, wo ernste Probleme vielseitig, sorgfältig, ohne Hektik und sehr tief durchdacht werden sollen, zum Beispieln in einer Steuerberaterkanzlei.

Die ausgestellten Bilder suggerieren Ruhe und eine fast meditative Stimmung. Sie erinnern an lineare Strukturen, die in meiner Schulzeit mit Linealen während der langweiligen Schulstunden in Hefte gemalt wurden, oder die später zahlreich mittels Computerprogrammen produziert wurden. Die Strukturen in diesen Bildern sind jedoch sehr harmonisch. Sie ziehen den Betrachter irgendwie an sich und laden ihn ganz sanft zu Überlegungen ein. Das ist nicht verwunderlich: Die Werke der Künstlerin erkunden das japanische Zeit-Raum Konzept, Ma, das die Leere zwischen Objekten oder Ereignissen, die Stille zwischen Klang, Gedanken oder Momenten ins Zentrum der Kontemplation rückt. Ein Zeit- und Raumintervall, in dem die Leere ihre sinnvolle Bedeutung findet. Man beschreibt den Zustand bei einer Meditation mit ähnlichen Worten.

Die Künstlerin schafft ihre Werke in einem sehr langen Arbeitsprozess, mit halbdurchsichtigen Farben. Eine Schicht soll erst austrocknen, dann kommt die nächste Schicht – es folgen Dutzende solcher Schichten übereinander. Bernadette Jiyong Frank sagt, dass das für sie eine meditative Tätigkeit ist.

Obwohl es in unserer westlichen Kultur keine spezielle Konzeption für eine solche Leere gibt, verstehen wir intuitiv sehr gut, inwiefern diese Leere wichtig ist. Auch ganz kleine Veränderungen der Intervalle zwischen nacheinander folgenden Noten können ein Musikstück ganz verändern, auch die räumliche Anordnung von Gebäuden, wie der Raum zwischen ihnen, ist für ein architektonisches Projekt äußerst wichtig. Im Theater behauptet man, dass über den Erfolg eines Schauspielers viel mehr die Pausen zwischen den Wörtern als die ausgesprochenen Wörter selbst entscheiden.

Wir kennen das japanische Konzept nicht und können nicht beurteilen, wie richtig es abgebildet ist. Aber die Wichtigkeit und Sinnlichkeit des Raumes zwischen Objekten, Ereignissen, Worten oder Gedanken, auch wenn man ihn als Leere bezeichnet, suggerieren uns diese Arbeiten eindeutig. Sie können sich selbst davon überzeugen, es ist noch bis zum 10. Januar möglich.
(Iacov Grinberg)

www.galerie-augsburg.com

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