Dasein

Mehr als nur ein Baum

Weihnachtsbaum Plätzchen

In wenigen Wochen ziehen sie wieder massenhaft in die Wohnzimmer dieser Welt ein: Weihnachtsbäume. 

Klein, groß, buschig, dünn – den Weihnachtsbaum gibt es in allen Formen, wichtig ist vor allem, dass es ein immergrüner Nadelbaum ist. Immergrüne Pflanzen verkörpern Lebenskraft und gelten als Sinnbild für das ewige Leben. In unseren Breitengraden werden vor allem Tannen genutzt, daneben Fichten und andere Nadelbäume wie Kiefern. 80 Prozent der Deutschen stellen eine Nordmann-Tanne in ihr Haus, die meisten stammen aus Deutschland, nur ein kleiner Prozentsatz wird importiert. Jedes Jahr werden rund 25 Millionen Weihnachtsbäume verkauft.


Blaufichte aka Stechfichte: Welcher Baum soll es sein?

In meiner Familie ist es ebenfalls Tradition, eine Nordmann-Tanne aufzustellen. Aufgrund einer Reportage entstand jedoch beim Familienoberhaupt der Gedanke, dieses Mal eine Blaufichte zu erwerben. Ihr wird nachgesagt, einen intensiven weihnachtlichen Duft zu verströmen. Was in dem Bericht allerdings nicht erläutert wurde: Die Nadeln pieksen so stark, dass das Anfassen des Baumes schiere Folter ist und Spuren an den Händen hinterlässt, als hätte man mit widerspenstigen Katzen zu tun.

Die Wahl des Baumes ist nicht nur in Familien Streitpunkt und Beweis, dass Geschmäcker verschieden sind. Seit jeher kann ich mich erinnern, dass eine Freundin unsere Weihnachtsbäume viel zu »trashig« fand und darauf bestand, dass ein »richtiger« Weihnachtsbaum schlicht mit Äpfeln statt Kugeln und vor allem mit echten Kerzen geschmückt sein müsse. Doch dann kam alles anders – und bis heute können wir nicht verstehen, was passiert ist. Der Umzug in ein anderes Bundesland führte dazu, dass unsere Freundin in den Besitz eines Plastikbaums kam. Ein Plastikbaum. Es ist uns bis heute ein Rätsel, wie das passieren konnte.
 

Bio, regional, aus Plastik, selbst geschlagen: Woher kommen unsere Weihnachtsbäume?

90 Prozent unserer Weihnachtsbäume stammen aus sogenannten waldähnlichen Intensiv-Plantagen – konventionellen Christbaumplantagen. Die Bäume wachsen dort dicht an dicht, ordentlich aufgereiht. Damit die Nadeln schön grün bleiben und ohne Insektenschäden in unseren Wohnzimmern landen, werden Pestizide gespritzt und chemisch gedüngt. Das geht zulasten von Natur und Umwelt. Ist ein Plastikbaum also eine nachhaltige Alternative?

Vier von fünf Plastikbäumen werden in China hergestellt. Jede Plas­tiktanne verursacht rund 40 Kilo CO2-Emissionen. Häufig besteht sie aus PVC, für dessen Produktion Chlorgas benötigt wird – energieintensiv und giftig. Hinzu kommt der lange Transportweg. Aus ökologischer Sicht schneidet die echte Tanne deutlich besser ab. Einen Plastikbaum müsste man über 20 Jahre nutzen, damit er in der Ökobilanz mithalten kann.

Ein echter Baum nimmt während seines Wachstums CO2 aus der Luft auf. Auch bei der Entsorgung liegt er vorne: Plastikbäume wandern irgendwann in den Restmüll und werden verbrannt. Die meisten echten Tannen gehen hingegen auf Grüngutanlagen, werden geschreddert und zu Kompost verarbeitet. Ein kleinerer Teil wird zu Hackschnitzeln oder kommt in eine Biogasanlage.

Eine noch bessere Umweltbilanz haben Bio-Tannenbäume. Sie erkennt man an Öko-Siegeln wie Bioland, Demeter, Naturland, dem EU-Biosiegel oder am FSC-Zertifikat. Hier werden keine chemischen Dünger und Spritzmittel eingesetzt – gut für Artenvielfalt und Böden. Ihr Anteil liegt in Deutschland jedoch nur bei rund einem Prozent, obwohl sie die erste Wahl sein sollten.
 

Eine Übersicht an Verkaufsstellen mit (ökologischen) Bäumen aus der Region:

Gut Mergenthau, Biohof Hafnerbauer, Baumschule Schlegel, Biomarkt Tegut, Bayerische Staatsforsten – Forstbetrieb Zusmarshausen, Christbäume aus dem Wittelsbacher Land (Familie Eberl), Christbaumverkauf der Fuggerschen Stiftungen, Biolandhof Kreppold, Gräflich von Hundt’sche Forstverwaltung, Naturlandhof Schmidberger, Obsthof Zott, Tannenhof Oberweilbach, Oberschönenfelder Weihnachtsmarkt, Biohof Winkler
 

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