Theater & Bühne

Mehr als Worte

Junges Theater Augsburg Said © Frauke Wichmann
Gastautor

Das Junge Theater Augsburg zeigt den Schlüssel zum Einanderverstehen. 

Das neue JTA-Theaterstück weckte sofort mein Interesse, denn ich begann vor fünf Jahren, Deutsch zu lernen, und kann mich gut hineinfühlen, wie es ist, sich nicht präzise mit Worten ausdrücken zu können – und welche kreativen Wege man dann findet, um sich verständlich zu machen.

Regisseurin Susanne Reng hat mit ihrer warmherzigen Inszenierung des Buches »Am Tag, als Saída zu uns kam« von Susana Gómez Redondo und Sonja Wimmer eine neue Perspektive auf Kommunikation geschaffen. Bereits die Einführung macht deutlich, wie vielfältig die Formen der Verständigung sein können. Verschiedene Klänge – vom leisen Rascheln über rhythmisches Klopfen bis hin zu den melancholischen Tönen der Mbira – transportieren Stimmungen oft ebenso kraftvoll wie Worte.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Freundschaft zwischen Said (Ramo Ali), der neu in die Klasse kommt, und Ida (Helene Schmitt). Said weckt Idas Interesse sofort. Weil er anfangs still und zurückhaltend ist, glaubt sie, er habe seine Sprache verloren, und versucht ihm zu helfen, sie wiederzufinden. Doch schließlich erkennt sie, dass seine Sprache nicht verschwunden ist – sie ist einfach anders. Gemeinsam erkunden sie spielerisch neue Wege der Verständigung. Mit Pantomime, Gesten und viel Freude entdecken sie, dass Kommunikation weit über Worte hinausgeht.

Dass Said dabei so glaubwürdig wirkt, liegt nicht nur an der einfühlsamen Inszenierung, sondern auch an Ramo Ali selbst. Er spricht Arabisch und kennt aus eigener Erfahrung die Herausforderung, sich in einer neuen Sprache zurechtzufinden. Diese persönliche Verbindung verleiht seiner Darstellung eine besondere Authentizität und macht Saids Entwicklung umso berührender.

Neben der Darstellung der Schauspieler*innen trägt auch das Bühnenbild entscheidend zur Lebendigkeit des Stücks bei. Die einfache, aber ausdrucksstarke und bewegliche Szenerie aus Buchstaben verleiht der Inszenierung Dynamik, spielt mit Sprache und macht die Worte auf eine ganz neue Weise erlebbar.

Das Stück zeigt eindrucksvoll, dass gegenseitiges Interesse und der Wille, einander zu verstehen, der Schlüssel zur Kommunikation sind. Wenn dieser Wille da ist, lassen sich Wege finden, sich auszudrücken, zu lernen und zu lehren. Und ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen: Am besten und schnellsten habe ich eine Sprache mit Menschen gelernt, mit denen mich ein aufrichtiges gegenseitiges Interesse verband. Dann kamen oft die kreativsten und unerwartetsten Wege zum Einsatz, um Wörter zu beschreiben und sich verständlich zu machen. Diese einfühlsame Geschichte berührt nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. 
 

www.jt-augsburg.de
 

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