Mozartchor singt Nelsonmesse

mozartchor
25. Mai 2013 - 8:30 | Sarvara Urunova

Am 8. und 9. Juni lädt der Augsburger Mozartchor alle Freunde der Chormusik zu Konzerten an historisch herausragenden Orten ein

Am 8. Juni ab 19 Uhr findet das Konzert in der ehemaligen Stiftskirche St. Johannes Baptist und Johannes Evangelist in Edelstetten statt. Dieser Aufführungsort steht im engen Zusammenhang mit dem Hauptwerk des Programms, das an diesen Tagen erklingen wird. Es geht um die Messe d-Moll von Joseph Haydn, auch »Missa in Angustiis « (Messe in Zeiten der Bedrängnis) oder »Nelsonmesse « genannt. Diese Messe ist eine der sechs späten Messen Haydns und die einzige, die in der Moll-Tonart geschrieben ist. Zusammen mit seinen berühmten Oratorien »Die Schöpfung« und »Die Jahreszeiten« bildet die Messe den Höhepunkt des Schaffens des Komponisten und der kirchenmusikalischen Klassik überhaupt. Haydn schrieb das Werk 1798 für seinen langjährigen Auftraggeber und Gönner Fürst Nikolaus II. Esterhazy nach seiner Rückkehr aus England. Wie der Name der Messe schon andeutet, entstand sie in einer sehr schwierigen Zeit, nämlich in der Zeit der napoleonischen Kriege. Ihren Beinamen verdankt sie vermutlich dem Umstand, dass der britische Admiral Horatio Nelson auf seiner Rückreise nach der siegreichen Seeschlacht vor Alexandria dem Fürsten Esterházy einen Besuch abstattete, wobei Lord Nelson zu Ehren diese Messe aufgeführt wurde.Mit der Aufführung der Haydnmesse in der Pfarrkirche von Edelstetten nimmt der Mozartchor also Bezug auf die lang anhaltende Beziehung zwischen dem Komponisten und dem Geschlecht seines Dienstherren, denn das neben der Kirche gelegene ehemalige Damenstift Schloss Edelstetten befindet sich auch heute noch im Besitz der Familie Esterházy.

Das zweite Konzert, das am 9. Juni um 19.30 beginnt, findet in der Augsburger Kapuzinerkirche St. Sebastian statt. Diese neoromanische Kirche gehört neben der Herz-Jesu-Kirche in Pfersee zu den hervorragendsten Beispielen der Augsburger Sakralarchitektur, die um die Jahrhundertwende entstanden sind. Außer der »Nelsonmesse« und »Eja gentes« von Haydn werden an diesen beiden Tagen auch »Parasti mensam« von Leopold Mozart und das Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur von Johann Baptist G. Neruda vorgetragen. Als Solisten treten Susanne Steinle (Sopran), Stephanie Hampl (Alt), Wolfgang Wirsching (Bass) und Thomas Seitz (Trompete) auf.

Der Mozartchor, der 1976 von Manfred Luther gegründet wurde und zurzeit aus ca. 35 Mitgliedern besteht, steht seit 2009 unter der Leitung von Daniel Böhm. Der gebürtige Augsburger erhielt seinen ersten Gesangsunterricht im Altervon sieben Jahren bei den Augsburger Domsingknaben, studierte Gesang an der Musikhochschule Augsburg-Nürnberg und gehörte zu den Mitwirkenden beim World Youth Choir mit weltweiten Konzerttourneen unter renommierten Dirigenten. Als Sänger konzertierte Böhm im gesamten süddeutschen Raum und spielte die tragenden Rollen bei Opernproduktionen wie Smetanas »Die verkaufte Braut« im Festspielhaus Füssen. Als Dirigent leitet Daniel Böhm neben dem Mozartchor auch den Gemeinschaftschor Königsbrunn sowie die traditionsreiche Babenhauser Liedertafel, aus der einst die berühmte Musikerfamilie Jochum hervorging.

Der Mozartchor erlangte seine Bekanntheit in Augsburg und Umgebung durch verschiedene Aufführungen bedeutender Oratorien und Chorwerke. Einen großen Erfolg feierte das Ensemble mit der Aufführung von Händels »Acis und Galatea «, die in Begleitung der bayerischen kammerphilharmonie im Kleinen Goldenen Saal präsentiert wurde. Auch im Parktheater im Kurhaus Göggingen konnten die Sänger des Chores mit der Operngala »Von Mozart zum Belcanto« das Publikum überzeugen. Das Repertoire des Chores, der aus Musikliebhabern aller Alters- und Berufsgruppen besteht, umfasst ein breites Spektrum an geistlicher und weltlicher Musik. In der Perspektive wird sich der Chor durch die Aufführung von Werken Mozarts und seiner Zeitgenossen stärker als Mozartchor profilieren. Das Hauptaugenmerk des Ensembles liegt dabei auf der Schwerpunktverlagerung von der Sakralmusik zur weltlichen Musik, ebenso werden zeitgenössische Chorwerke in Betracht gezogen. Auch eine engere Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ähnlicher Zielsetzung, wie zum Beispiel der Mozartgemeinde oder dem Leopold-Mozart-Zentrum, wird angestrebt. Der sehnlichste Wunsch des Chorleiters ist es, den aktuellen Spielort in Edelstetten zu einem Festivaltreffpunkt für alle Chormusikfans zu organisieren.

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