Mutige Malerei

26. September 2016 - 8:01 | Iacov Grinberg

Der Berliner Künstler Igor Oleinikov präsentiert seine Werke in der Ecke Galerie.

In der modernen bildenden Kunst gibt es zwei Haupttendenzen. Die Vertreter der ersten streben danach, von der Darstellung konkreter Menschen, Tiere oder Bäume wegzugehen, diese durch verallgemeinerte, gesichtslose oder abstrakte Objekte zu ersetzen. Sie bemühen sich, einige meist ganz allgemeine Formen zum Vorschein zu bringen, um von den Einzelheiten wegzutreten. Die Darstellungen bei den Vertretern der zweiten Tendenz sind individualisierter. Die Ausstellung, die in der Ecke Galerie eröffnet wurde und die Arbeiten des heute in Berlin lebenden und tätigen Igor Oleinikov zeigt, stellt diese zweite Richtung vor.

Oleinikov wurde in Krasnodar, Russland geboren und studierte dort. Nach dem Zerfall der Sowjetunion zog er 1991 nach Moskau und war dort als freischaffender Künstler tätig. Danach übersiedelte er nach Deutschland, studierte zwischen 1999 bis 2001 bei Jörg Immendorff und von 2001 bis 2003 bei Markus Lüpertz. Technisch hat ihm dieses Studium nach seinen eigenen Worten nicht viel gegeben, er hatte bereits einen eigenen Stil, das lange Kommunizieren mit diesen schöpferischen Persönlichkeiten war jedoch sehr wichtig.

Seine Arbeiten, die Grafik und Ölmalerei vereinen, machen deutlich, dass er nicht nur ein moderner Maler ist. In seinen Bildern kommen sowohl der Nerv der Zeit als auch die russische Schule eindeutig hervor: die Figuren sind in Spannung, die Personen sind emotional, der Mensch lebt und ist in der mächtigen und strengen ihn umgebenden Natur tätig. Diese Art Malerei ist zweifelsohne männlich, mutig, und, egal ob es einen Mann oder einen Jungen dargestellt, es ist für die Gegenwartskunst ein nicht üblicher Städter, der sich von der Natur mit Asphalt und Technik abgrenzt. Oleinikovs Bilder, die deutlich aus der gewöhnlichen Routine herausragen, die sonst dem Augsburger Zuschauer als Gegenwartskunst vorgeführt wird, haben während der Ausstellungseröffnung niemanden gleichgültig zurückgelassen.

Eine Kunstkennerin hat mir während der Ausstellungseröffnung ihre eigentümliche Einschätzungsskala genannt: »interessant« (wenn es eigentlich nichts zu sagen ist), »sehr interessant« (wenn auch nicht gewöhnliche Gedanken vorkommen) und »gelungen«. Diese Ausstellung hat nach ihrer (und auch meiner) Meinung das letzte Prädikat verdient. Bewundern auch Sie diese Ausstellung, was noch bis zum 22. Oktober möglich ist.

www.ecke-galerie.de

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