Theater & Bühne

Niemand schläft

Turandot © Jan-Pieter Fuhr

Das Staatstheater Augsburg zeigt nach langer Pause wieder eine Opernproduktion auf der Freilichtbühne. Die Premiere ging fulminant über die Bühne. Ein Comeback ganz nach Maß. 

Düster muteten bereits die ersten Bilder aus der Inszenierung an, und düster wurde es auch. Schließlich ist die Handlung der Oper »Turandot« Material für einen Horrorfilm: Die Prinzessin Turandot stellt jedem ihrer potenziellen Ehemänner drei Rätselaufgaben. Können sie diese lösen, wird geheiratet, versagen sie, werden sie geköpft. Das an der Bühnenwand herabfließende Blut und der fehlende Ehering an Turandots Hand sind Beweis dafür, dass die Männer bisher allesamt nicht erfolgreich waren und in der Folge einen Kopf kürzer. Eines Tages taucht Calaf auf, ein Mann, der sich in die Prinzessin verguckt und nun selbstbewusst die Rätsel lösen möchte. Calaf ist offensichtlich schlauer als seine Vorgänger und löst die drei Rätselfragen. Doch die Prinzessin ignoriert plötzlich die Bedingungen ihrer eigenen Wette und weigert sich, ihn zu heiraten. 

Staatstheater-Intendant und Regisseur André Bücker lässt seine Turandot in einer Fantasiewelt à la Dune, mit vielen Horrorfilm-Elementen spielen. Seine Inszenierung lebt von den starken Bildern, die vor allem durch die opulenten und wunderbar gruseligen Kostüme (Aleksandra Kica) sowie die Maske geprägt werden. Ein Gruselkabinett vom Feinsten bewegt sich innerhalb des Bühnenbilds (Karel Spanhak), das sich gut in das vorgegebene Setting der Freilichtbühne einfügt. Gemeinsam mit dem Licht (Marco Vitale), das düster und manchmal blutrot das Geschehen auf der Bühne kommentiert, fügt sich so alles zusammen, was man für einen schrecklich-wunderbaren Opernabend braucht. Die Augsburger Philharmoniker sowie die Sänger*innen auf der Bühne überzeugen ebenfalls auf ganzer Linie. Schade ist allenfalls, dass ein so spielfreudiges Ensemble zuweilen recht statisch auf der großen Bühne agiert. Dafür gibt es aber keine Abzüge in der Endnote, denn die Zuschauer*innen können sich auf ein gelungenes Freilichtbühnen-Erlebnis freuen.

»Turandot« ist noch an folgenden Terminen auf der Freilichtbühne zu sehen: 29. Juni, 9. und 18. Juli (jeweils um 20:30 Uhr). Und: Wer Untertitel benötigt, kann diese einfach über einen QR-Code auf sein Handy laden. Funktioniert gut und stört auch nicht beim Opernerlebnis.

www.staatstheater-augsburg.de

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